The River Murders

The River Murders

Eine Filmkritik von Lida Bach

Dunke Wasser

Der Washington River spielte schon immer eine besondere Rolle in Jack Verdons Leben. Als Junge drohte der abgehärmte Detective (Ray Liotta) in den schwarzen Fluten des sich durch die Großstadtschluchten windenden Gewässers zu ertrinken. In diese Situation bringt ihn Rich Cowans düsterer Serienkiller-Krimi erneut. Der Regisseur erzählt in einer der Rückblenden, die den Griff der Vergangenheit um die Charaktere andeuten, von Verdons prägendem Kindheitserlebnis. Jahrzehnte sind seitdem vergangen, Jahrzehnte voller unbeständiger Affären. Sie holen ihn ein in Form einer grausigen Mordserie, in der Jack nicht nur Ermittler ist, sondern auch Hauptverdächtiger.
Die Beziehungen des kantigen Protagonisten sind konfliktbeladen, so auch das ausnahmsweise längerfristige Verhältnis mit Ana (Gisele Fraga). Jacks Gattin ahnt nicht, dass noch andere Frauen ein Ehering mit Jack verbindet. Das morbide Souvenir hinterlässt der Mörder an Jacks früheren Liebhaberinnen, auf die ein nasses Grab wartet. Die erste der weiblichen Wasserleichen taucht in einer morbiden Einstellung, der viele ähnliche folgen, schon in den ersten Minuten auf. Die Szene erinnert an eine entfernte Hommage an Frenzy, doch der makabere Unterton des späten Hitchcock-Klassikers liegt The River Muders fern. Die in kalten, gedeckten Farbtönen gehaltenen Kamerabilder orientieren sich stattdessen an den pessimistischen Thriller-Welten von Fincher und Nolan. Von deren Expertise ist der DVD-Start zwar um einiges entfernt, doch eine Spur Atmosphäre erzielt der Mordthriller dennoch. Das erste Opfer findet Jack am Flussufer, wo er Jahre zuvor eine Begegnung mit ihm hatte: bei einer gemeinsamen Liebesnacht. Dass die Verbindung zu der Toten Jacks Namen auf die Verdachtsliste setzt, erschüttert indes weder den Betrachter noch Jack und dessen Kollege.

Polizeichef Captain Langley (Ving Rhames) suspendiert den potentiellen Täter im Laufe der Ermittlungen fast nebenher und der hinzugezogene FBI-Agent Vuckovitch (Christian Slater) erfüllt ähnlich beiläufig seine Pflicht als Widersacher. Beide Handlungselemente scheinen für die Darsteller das Gleiche, was sie für den Zuschauer sind: trockene Krimi-Routine. Interessant an Jacks Verbindung zu den Ermordeten, die alle sexuelle Beziehungen mit ihm eingingen, ist nicht der kriminologische, sondern der psychologische Aspekt. Parallel zur Anzahl der Leichen steigt die von Jacks Affären. Das weckt nicht nur in Ana Zweifel an seinem Charakter. Den Mordverdacht gegen ihn räumt der Plot frühzeitig aus, denn The River Murders konzentriert sich auf eine andere Form der Täterschaft, der sich Jack bisher nicht bewusst ist. Genau dies zu ändern ist Absicht des Killers (Michael Rodrick), der mehr ist als seine mörderische Nemesis. Der wahre Täter, der Jacks Liebesleben beunruhigend exakt zu kennen scheint, ist Jacks psychopathisches Alter Ego.

Cowan gibt dem Mörder zwar ein Gesicht, doch der Schlüssel zu seiner Identität und seinem persönlichen Beweggrund liegt in seinem Charme. Diesem Charme verfallen die früheren Geliebten wie sie einst Jack verfielen. Doch jede sexuelle Bedenkenlosigkeit bestraft der Täter in einem religiösen Wahn, dessen Sexismus und Bigotterie unweigerlich auf die Handlung abfärbt. Die Aktionen, welche die Verbrechensserie motivieren, sind die der Frauen. Sie erscheinen als Mitverantwortliche, Jack hingegen als Opfer fremder Entscheidungen. Über diese Entscheidungen, die mit den Folgen der One-Night-Stands zu tun haben, fällt die Handlung ein fragwürdiges Werturteil. Mehr inszenatorischer Punch statt dem Zuschlagen mit der Moralkeule hätten dem Thriller indes besser getan.

The River Murders

Der Washington River spielte schon immer eine besondere Rolle in Jack Verdons Leben. Als Junge drohte der abgehärmte Detective (Ray Liotta) in den schwarzen Fluten des sich durch die Großstadtschluchten windenden Gewässers zu ertrinken. In diese Situation bringt ihn Rich Cowans düsterer Serienkiller-Krimi erneut. Der Regisseur erzählt in einer der Rückblenden, die den Griff der Vergangenheit um die Charaktere andeuten, von Verdons prägendem Kindheitserlebnis.
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