The Returned (Staffel 1)

The Returned (Staffel 1)

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Heimkehrer aus dem Reich der Toten

Plötzlich stehen sie wieder vor der Tür. Kehren zurück in die Häuser, zu ihren Familien, als sei nichts geschehen. Als seien sie niemals weg gewesen. Doch dieses "weg" ist ein Ort, von dem normalerweise niemand zurückkehrt. Das Grab, das Reich der Toten, das Jenseits – jener unsichtbare und doch stets präsente Ort, an dem wir unsere Verstorbenen wähnen. Dies ist die Ausgangslage zu der französischen TV-Serie The Returned, die mitten im US-amerikanisch dominierten Serienboom ein deutliches Zeichen (Lebenszeichen ist in diesem Zusammenhang vielleicht ein wenig makaber) setzt, dass gutes und spannendes serielles Erzählen durchaus auch in Europa gedeihen kann und nicht notwendigerweise immer ein Krimiformat aus Skandinavien sein muss. Die im Jahre 2012 realisierte und mit einem Emmy ausgezeichnete Serie wurde im deutschen Free-TV erstmalig im WDR und dann bei Einsfestival ausgestrahlt, wer das Wunderding dort verpasst hat, kann The Returned, von dem übrigens bereits ein amerikanisches Remake in Arbeit ist, nun auf DVD nachholen.

Die Ausgangssituation von The Returned erinnert fast ein wenig an Atom Egoyans The Sweet Hereafter, denn am Beginn steht sowohl hier also auch dort ein Busunfall, dem zahlreiche Kinder einer Ortschaft zum Opfer fielen. Die Wunden, die dieses kollektive Trauma hinterlassen hat, sind mehr schlecht als recht verheilt, bis eines Tages Camille (Yara Pilartz) wieder auftaucht – sie war eines der tödlich verunglückten Opfer und nun steht sie plötzlich wieder vor der Tür. Äußerlich unversehrt, um keinen Tag gealtert und ohne Erinnerung an das, was passiert sein soll. Kein Wunder also, dass ihr Auftauchen den kleinen Ort in den Bergen in Unruhe versetzt. Denn wie soll man nach vier Jahren der Schmerzen und des Trauerns einfach wieder zur "Normalität" zurückkehren – erst recht, wenn man weiß, dass dies eben nicht die Normalität sein kann? Dabei ist Camille keineswegs der einzige Mensch, der unvermutet aus dem Reich der Toten zurück ins Leben kehrt und damit für Verunsicherung sorgt. Überhaupt ereignen sich plötzlich in der eher verschlafenen Gegend seltsame Dinge: Der Pegel des Staudamms sinkt ohne jede Erklärung plötzlich rapide ab, ausgestopfte Tiere erwachen zum Leben und dringen in die Behausungen der Menschen ein, Menschen beginnen sich merkwürdig zu verhalten... Und dann ist da noch ein niemals gefasster Mörder, der vor einigen Jahren eine junge Frau in einer Unterführung übel zurichtete und der nun erneut zuschlägt. Kommt auch er aus der Zwischenwelt?

Wer nach Erklärungen für die Rückkehrer sucht, wird in der Serie selbst keine Antworten finden. Dies allerdings als Unglaubwürdigkeit abzutun, hieße andererseits, gefühlte 98 Prozent des Kinos mit dem gleichen Stigma zu belegen. Vielmehr macht es The Returned dem Zuschauer recht einfach, sich auf seinen Sog einzulassen. Hat man die Prämisse einmal geschluckt, folgt man den betont nüchtern erzählten Geschichten gerne und fühlt sich schnell in eine Parallelwelt versetzt, die nur einige Zentimeter neben der unseren alltäglichen zu bestehen scheint. Dass die Serie trotz ihrer sachlich-unterkühlten Erzählweise dennoch einen gewissen Sog entwickelt, liegt nicht zuletzt an der gelungenen Mischung an Darstellern und am hypnotischen Score der Postrocker von Mogwai, deren Soundcollagen und vorwiegend leisen Töne schon ganz für sich allein Bilder evozieren, die man so schnell nicht los wird.

Doch es gibt auch einen Wermutstropfen bei The Returned: Nach acht Folgen und einem recht überraschenden bis beinahe enttäuschenden Ende ist diese erste Staffel schon wieder zu Ende. Allerdings besteht Hoffnung – seit kurzem befinden sich die Dreharbeiten zur zweiten Staffel in vollem Gange. Und das amerikanische Remake ist ja derzeit auch in Arbeit – wobei man hier wie schon bei anderen transatlantischen Adaptionen (zum Beispiel bei The Killing vs. Kommissarin Lund) das Gefühl hat, dass man hier beim europäischen Original besser aufgehoben ist, weil die Adaption die Eigen- und Widerborstigkeiten des Vorgängers in der Regel zu sehr abschleift.
 

The Returned (Staffel 1)

Plötzlich stehen sie wieder vor der Tür. Kehren zurück in die Häuser, zu ihren Familien, als sei nichts geschehen. Als seien sie niemals weg gewesen. Doch dieses "weg" ist ein Ort, von dem normalerweise niemand zurückkehrt. Das Grab, das Reich der Toten, das Jenseits – jener unsichtbare und doch stets präsente Ort an dem wir unsere Verstorbenen wähnen. Dies ist die Ausgangslage zu der französischen TV-Serie "The Returned".

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