The Resurrection of a Bastard

The Resurrection of a Bastard

Friesland kann grausam sein

Friesland ist nicht unbedingt ein Ort, an dem man Spannendes erwartet. Doch Guido van Driels Erstlingswerk The Resurrection of a Bastard / De wederopstanding van een klotzaak das schlagartig, denn ausgerechnet in Dokkum (zugegeben, das mussten wir auch erstmal nachschlagen), im Norden der Niederlande, suchen der Gangster Ronnie (Yorick van de Wageningen) und sein Chauffeur Janus (Juda Goslinga) nach einem Mann mit einer Tätowierung, der Ronnie angeschossen hat. Zur selben Zeit am selben Ort arbeitet der junge Flüchtling Eduardo (Goua Robert Grovogui) auf einer Farm in Dokkum in der Hoffnung, eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen.
Was als etwas eigenartiger Thriller beginnt – die erste Einstellung zeigt Ronnie erstmal beim Pissen – und sofort Assoziationen zu Quentin Tarantinos Pulp Fiction und Nicolas Winding Refns Pusher hervorruft, wird bald zu einem mehrsträngigen Erzählakt, der einzelne Geschichtsfragmente geschickt verknüpft. Dabei geht van Driel nicht chronologisch vor, sondern springt wie ein Wilder durch Zeit und Raum. Schnell stellt sich das heraus, was schon der Titel andeutet: Ronnie ist quasi wiederauferstanden. Wie Jesus, nur nicht ganz so hübsch und definitiv ohne die geringste Ahnung, wieso er überhaupt überlebt hat und was er jetzt machen soll. „Wie eine gepulte Krabbe“ sagt er einmal, fühle er sich — nackt, gekocht und schutzlos. Auf der Suche nach dem Mann, der ihm zu dieser metaphysischen Erfahrung verholfen hat, entfaltet sich langsam die Geschichte des „alten“ Ronnies, also jenes Mannes, der er vorher war: ein ekelhafter Bastard, dessen Aggressivität keine Grenzen kennt. Ohne mit der Wimper zu zucken, nimmt er einem Kleingangster, dessen Geld er eintreiben soll, mit einem Staubsauger das Augenlicht. Doch er begeht einen großen Fehler – sein Hochmut und seine Aggression ließen ihn eine junge Frau mit bloßen Händen töten, die ihr Kind vor ihm verteidigte.

Geschickt und mit wunderbaren visuellen Einfällen strickt van Driel hier einen Film, der nicht nur das Gangstergenre bedient, sondern auch noch Thriller, Rachegeschichte, Drama, Liebesfilm und Komödie zugleich ist. Damit vermag der Niederländer tatsächlich sich in eine Reihe mit Tarantino und Winding Refn zu stellen. In keiner Weise steht sein Film dem Einfallsreichtum, der Tiefe und Vielfalt der Erzählstruktur und der einfallsreichen Visualisierung derer nach. Die gekonnte Coolness der Gangstercharaktere konterkariert der Film mit einer philosophisch-metaphysischen Metaebene, die neu ist für dieses Genre. Denn Gott oder das Karma oder wen auch immer man verantwortlich machen will, ist in dieser Welt vorhanden und spielt das Spiel mit. So gerät Ronnies Suche nach dem Tätowierten zu einer Art Odyssee, bei der er gezwungenermaßen mit seinem alten Leben aufräumen muss und öfter, als ihm lieb ist, mit übersinnlichen Erfahrungen konfrontiert wird. Oder wie es Janus einmal so gut auf den Punkt bringt: „Er ist voll anders! So wie Bruce Willis eben in Stirb langsam voll anders ist als in The Sixth Sense!“.

Noch etwas ist anders in van Driels The Resurrection of a Bastard. Obwohl maßgeblich männlich besetzt, gibt es doch zwei interessante Frauenfiguren, die die Männer-Machwelt gehörig hinterfragen. Die dralle Hotelbesitzerin, bei der Ronnie und Janus wohnen, zeigt dem ehemaligen Schürzenjäger ein ganz anderes Leben auf und bietet für kurze Zeit eine Wärme und Zuflucht, wie man sie im Gangsterfilm nie vermuten würde. Und dann ist da noch die alte Bäuerin, die tougher ist als alle Gangster zusammen. Der Film bietet also nicht nur gewohntes Unterhaltungskino à la Tarantino, er hinterfragt sich dabei in aller Ruhe selbst und bringt damit das Genre weiter voran.

(Festivalkritik vom 42. Internationalen Filmfestival Rotterdam von Beatrice Behn)

The Resurrection of a Bastard

Friesland ist nicht unbedingt ein Ort, an dem man Spannendes erwartet. Doch Guido van Driels Erstlingswerk „The Resurrection of a Bastard“ / „De wederopstanding van een klotzaak“ ändert das schlagartig, denn ausgerechnet in Dokkum (zugegeben, das mussten wir auch erstmal nachschlagen), im Norden der Niederlande, suchen der Gangster Ronnie (Yorick van de Wageningen) und sein Chauffeur Janus (Juda Goslinga) nach einem Mann mit einem Tattoo, der Ronnie angeschossen hat.
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