The Reach - In der Schusslinie

The Reach - In der Schusslinie

Eine Filmkritik von Martin Beck

Trockene Knochen

Schön, dass Michael Douglas immer noch Filme macht, auch wenn The Reach nicht unbedingt ein Meilenstein geworden ist. Es macht einfach Spaß, dem alten Haudegen beim Szenenfuttern zuzusehen, und wenn er dann frühmorgens in der Mojave-Wüste einen frischen Espresso aus seinem SUV-Schiff zaubert, flimmert gar der heilige Geist Gordon Gekkos über dem Sand. Michael Douglas ist der personifizierte amerikanische Alptraum, geldgeil, zynisch, korrupt und ein porentiefes Arschloch.
Ihm zuzusehen, wie er einen auf Platinhose macht und in der Mojave-Wüste seinen Killerinstinkt auslebt, treibt unweigerlich ein Grinsen ins Gesicht – auch weil seine Figur heillos überzogen ist und ihm das offensichtlich keinen staubigen Furz abringt. John Madec alias Michael Douglas ist ein faszinierender Bad Guy, der diese Bezeichnung vor allem wegen seiner dämonischen Kälte verdient. Als er zufällig einen Menschen ermordet, muss der ebenfalls anwesende Fährtenleser (Jeremy Irvine) natürlich bestochen werden. Und als sich das als fruchtlos herausstellt, wird der Fährtenleser natürlich auf einen Todesmarsch durch die Wüste geschickt.

Das Drehbuch von The Reach reduziert über das karge Setting auch die Geschichte auf ein kantiges Skelett. Der 1970er-Jahre-Geruch kommt nicht von ungefähr, denn die Basis ist ein 1972 verfasstes Buch von Robb White, das bereits 1974 unter dem Titel Savages für das Fernsehen verfilmt wurde. Als weitere Quelle der Inspiration diente wahrscheinlich die 2007er Produktion Bone Dry, die ebenfalls in der Mojave-Wüste spielt und ebenfalls eine auf Blut, Schweiß und Überleben heruntergebrochene Verfolgungsjagd zwischen zwei Männern zeigt.

Aber nun gut, alles ist ein Remix und so, und im Falle von The Reach ja letztendlich ein sehenswerter Film, dessen größte Stärke der zentrale Überlebenskampf ist. Die beiden Hauptfiguren gebärden sich hier an der richtigen Grenze der Glaubwürdigkeit und bekommen dazu famose Bilder von Russell Carpenter (Titanic). Schöner sterben in einer faszinierenden Wüstenlandschaft, eine fast schon skurrile Verfolgungsjagd zwischen Hitze, (menschlicher) Kälte und Klassenkampf. Auf der einen Seite Geld und High Tech und auf der anderen Seite der wortwörtlich fast nackte Underdog.

Über einen guten Teil der Laufzeit hält Regisseur Jean-Baptiste Léonetti (Carré Blanc) die Spannung zwischen diesen beiden Personen und hätte eigentlich alle Trümpfe für ein angemessen böses Finale – um dann 10 Minuten vor Ende eine jämmerliche Biege zu machen und der 1970er-Jahre-Konsequenz einen völlig falschen Happy-End-Drall zu verpassen. Der Film verliert hier mächtig an Boden und hinterlässt schlussendlich mehr eierlose Fragezeichen als es der ganze Rest davor verdient hat. Das mit der Binsenweisheit, dass die Qualität des Endes einen ganzen Film dominiert, stimmt leider wirklich.

The Reach wird auf den letzten Metern zu einer zwiespältigen Angelegenheit, ganz ohne Not. Das mit dem "sehenswert" sollte am besten so interpretiert werden, dass sich das Ansehen auf jeden Fall lohnt – und sei es nur, um am Ende mal wieder so richtig wütend zu sein. Weil alles vor dem Ende berechtigte Hoffnung auf Begeisterung gemacht hat.

The Reach - In der Schusslinie

Schön, dass Michael Douglas immer noch Filme macht, auch wenn "The Reach" nicht unbedingt ein Meilenstein geworden ist. Es macht einfach Spaß, dem alten Haudegen beim Szenenfuttern zuzusehen, und wenn er dann frühmorgens in der Mojave-Wüste einen frischen Espresso aus seinem SUV-Schiff zaubert, flimmert gar der heilige Geist Gordon Gekkos über dem Sand.
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