The Rainbowmaker

The Rainbowmaker

Eine Filmkritik von Peter Gutting

Wenn der Blitz zweimal einschlägt

Wenn ein Mensch vom Blitz getroffen wird, dann ist das tödlich oder zumindest extrem unangenehm. Nicht so in Nana Djordjadzes neuem Film The Rainbowmaker, einem Märchen voll von übersinnlichen Erfahrungen. Hier macht der Kugelblitz aus Datho, der Hauptfigur, einen neuen Menschen mit höchst erstaunlichen Fähigkeiten. Der Meteorologe kann plötzlich das Wetter ändern.
Schon die ersten Einstellungen machen klar, dass hier Magie und Realismus Hochzeit feiern. Schwerelos erhebt sich die Kamera in die Lüfte, Kinder drehen sich im Karussell, Zirkusartisten setzen dem Alltag Glanzlichter auf. Die Georgierin Nana Djordjadze (27 Missing Kisses) kreiert eine Welt, in der die Grenzen zwischen Realität und Fantasie aufgehoben sind. Wie selbstverständlich spaziert der Tod in Gestalt einer Sensenfrau durchs Bild, eine andere Verführerin schwebt ebenso natürlich aus dem Himmel herab, alles scheint möglich, nichts unwahrscheinlich.

Die Bilder verströmen eine betörende Leichtigkeit, die ganz im Gegensatz steht zu der „realen“ Geschichte. Datho hat nämlich lange Jahre unschuldig im Gefängnis gesessen. Jetzt kommt er nach Hause und niemand will ihn haben. Seine engelhafte Frau Elene (Anja Antonowicz) vergnügt sich mit einem Feuerschlucker. Und die beiden Kinder haben sich den Vater als Helden vorgestellt, nicht als Ritter der traurigen Gestalt. Aber alles wird anders, als Datho plötzlich seine Widersacher in der Badewanne einfrieren kann oder er es derart regnen lässt, dass sie im Schlamm stecken bleiben.

Es sind einsame Figuren, die hier aufeinandertreffen. Wie Planeten kreisen sie in gehörigem Abstand um sich selbst. Nur die Magie bringt sie für wundersame Momente zusammen, eine Energie, die vom Blitz herrührt oder von der Macht der Fantasie. Was wäre ihr Leben und was wäre dieser Film, wenn sie nicht alle Erdenschwere hinter sich ließen und sich erhöben in ein goldenes Licht, in ausgefeilte Bildkompositionen und eine fantastische Welt.

Es verwundert kaum, dass die Regisseurin selbst einen wirklichen Kugelblitz aus nächster Nähe erlebte. Sie hat den Film ganz aus der Erinnerung an die denkwürdige Erfahrung komponiert. Es war in einer georgischen Berghütte: Der Blitz schlug im Fenster ein, zischte durch den Raum und hinterließ einen verbrannten Fleck auf dem Fensterbrett. Für eine Ewigkeit schien die Zeit stillzustehen. „Mir schien, als ob der Blitz in mich eingedrungen war – für immer“, schreibt Nana Djordjadze in einem Bericht über diese Begegnung mit dem Übersinnlichen.

Aber es ist eben nicht nur der Blitz, der für die wundersame Energie des Fantastischen steht. Fast alle Personen dieses Films haben Kontakt zu übernatürlichen Kräften und Wesen, gleiten wie selbstverständlich hinüber in eine Welt der Wünsche und Vorstellungen und wieder zurück. Dass das auch seine problematischen Seiten haben kann, wird nicht verschwiegen. Und so ist The Rainbowmaker mehr eine Meditation als eine erzählte Geschichte, mehr ein Bilderstrom als ein Spannungsbogen. Die Gesangseinlagen nehmen nicht von ungefähr opernhafte Züge an. Das große Gefühl ist wichtiger als eine stimmige Dramaturgie. Deshalb tritt die Handlung gegen Ende ein wenig auf der Stelle. Auch wenn dieser magisch-furiose Kugelblitz dann noch ein zweites Mal zuschlägt.

The Rainbowmaker

Wenn ein Mensch vom Blitz getroffen wird, dann ist das tödlich oder zumindest extrem unangenehm. Nicht so in Nana Djordjadzes neuem Film „The Rainbowmaker“, einem Märchen voll von übersinnlichen Erfahrungen. Hier macht der Kugelblitz aus Datho, der Hauptfigur, einen neuen Menschen mit höchst erstaunlichen Fähigkeiten. Der Meteorologe kann plötzlich das Wetter ändern.
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