The Quiet Ones

The Quiet Ones

Eine Filmkritik von Rajko Burchardt

Manifestationen der Angst

Mit den über The Quiet Ones kursierenden Inhaltsangaben fängt der Mumpitz schon an. Darin heißt es, der Oxford-Professor Joseph Coupland (gespielt vom alten, wenn auch leider nicht altehrwürdigen Jared Harris) sei versucht, einen Geist zu "kreieren". Oder mindestens heraufzubeschwören. "Inspired by actual events" natürlich, weil einer Gruppe kanadischer Wissenschaftler im sogenannten Philip Experiment 1972 ebendies gelungen sein soll. Der eher nicht so akademisch anmutenden Theorie des Films zufolge müsse man Geister jedoch gar nicht erst entfesseln, sie seien als Manifestationen von Angst bereits fester Bestandteil des Menschen. Zu kreieren gibt es demnach nicht viel, höchstens ein wenig zu kitzeln. Und sich auf das schon zu Beginn überaus eindeutige, also weder unheilvolle noch spannende Konstrukt des Films einzulassen.
Auch die junge Jane (Olivia Cooke) hat einen solchen Geist. Sie ist depressiv, suizidal und offenbar auch gutgläubig genug, um sich bereitwillig als Versuchsobjekt des Professors demütigen zu lassen. Die Universität hat dem Mad Scientist (verständlicherweise!) alle Zuschüsse gestrichen, weshalb Coupland seine beiden Assistenten sowie den persönlichen Kameramann Brian (Sam Claflin) überredet, das Experiment eigenmächtig in einem alten Landhaus fortzusetzen. Dank des labilen Zustands von Jane (psychische Probleme versteht der Film als "negative menschliche Energie") lassen die übernatürlichen Aktivitäten dort nicht lang auf sich warten: Aus Mündern schießende Tentakeln, spontane Selbstentzündungen und alles, was die Genremottenkiste der Villa Kunterbunt sonst noch so auszupacken bereit ist.

Professor Coupland nennt solche Vorkommnisse Teleplasma – sein Spezialgebiet lautet schließlich "abnormale Psychologie" – und erklärt auch gleich noch das alte Ärgernis über Menschen, die in Filmen wie diesem ganz zuverlässig lang warten, ehe sie derlei Ungeheuerlichkeiten endlich begreifen: Dinge skeptisch zu hinterfragen, sagt er, sei Teil der menschlichen Natur. Hinterfragen wir also mal, welchen Kurs die reaktivierte britische Produktionsfirma Hammer Films nun eigentlich mit derart generischem Seichthorror fahren möchte, aus dem zuletzt lediglich das schön-schaurige Daniel-Radcliffe-Vehikel Die Frau in Schwarz herausragte. Oder ob es die traditionsreiche Gruselschmiede wirklich nötig hat, im ohnehin ziemlich pampigen Fahrwasser von Paranormal Activity, Insidious und anderer auf 13jährige Kids zugeschnittener Horrorfilme ums kommerzielle Überleben zu schwimmen.

Die entsprechenden Anbiederungsstrategien gestalten sich in The Quiet Ones jedenfalls unerträglich. Langweilig gefilmte, im üblichen Colorgrading-Farbsalat absaufende Gruselstandards kombiniert John Pogue (Vita bislang: Regie bei Quarantäne 2, Drehbuch für The Skulls 1, 2, 3) mit 16mm-Found-Footage-Material, das sich trotz statischer Gelassenheit während der Experimente heillos verwackelt präsentieren muss. Erstaunlich, wie wenige Filme etwas mit diesem größtmöglich überstrapazierten Gimmick anzufangen wissen (und wie wirkungslos er darüber eben bleibt). Genuinen Horror oder zumindest atmosphärische Unruhe ersetzen dann wieder einmal jump scares, die mit maximalem Ach und Krach über die Tonspur rauschen, als sei Grusel nichts anderes als Lautstärke, die man nur kräftig aufdrehen müsse, um den gewünschten Effekt zu erzielen (von der im Titel versprochenen Stille keine Spur).

Derartige Kritik an ästhetischen Einbahnstraßen und ihrer sich selbst überholenden Klischees hat nicht zwangsläufig etwas mit einem Ruf nach Konventionen zu tun, im Gegenteil: Sorgfältige Spannungskurven und gewinnbringender Einsatz stimmungsvoller Settings, wie sie das oberflächlich ja auch an klassischen Topoi geschulte Horrorkino dieser Tage so bedauerlich vermissen lässt, sind nichts anderes als Zubringer jener genreeigenen Affekte, die wir uns von solchen Filmen wünschen. Lustvolle Erwartungsspielerei halt, die uns auch erst einmal geschickt begeistert für das, was da kommen will. Und nun? Muss er einem ins Gesicht geklatscht werden, der zugunsten niedriger Freigaben auch noch kräftig gedrosselte Schrecken – und nicht nur ohrenbetäubend, sondern vor allem ganz, ganz schnell vonstatten gehen. Könnte ja sonst langweilig werden. Oder gar interessant.

The Quiet Ones

Mit den über "The Quiet Ones" kursierenden Inhaltsangaben fängt der Mumpitz schon an. Darin heißt es, der Oxford-Professor Joseph Coupland (gespielt vom alten, wenn auch leider nicht altehrwürdigen Jared Harris) sei versucht, einen Geist zu "kreieren". Oder mindestens heraufzubeschwören. "Inspired by actual events" natürlich, weil einer Gruppe kanadischer Wissenschaftler im sogenannten Philip Experiment 1972 ebendies gelungen sein soll.
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