The Quiet Hour

The Quiet Hour

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Vertrauen in einer dunklen Zeit

Der Untergang der Menschheit ist momentan en vogue. Zumindest in Film und Fernsehen, wo regelmäßig postapokalyptische Szenarien entworfen werden. Neben großen Blockbustern gibt es zahlreiche Produktionen, die das Katastrophenbild auf wenige Figuren herunterbrechen und den Überlebenskampf in einem begrenzten Rahmen unter die Lupe nehmen. Im März dieses Jahres sorgte das Science-Fiction-Kammerspiel 10 Cloverfield Lane für einiges Aufsehen. Und bei den Fantasy Filmfest Nights im April 2016 überraschte der Nordire Stephen Fingleton mit seinem Endzeitthriller The Survivalist, der ganz auf Reduktion vertraut. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch die Französin Stéphanie Joalland in ihrem Spielfilmdebüt The Quiet Hour, das zwei Jahre nach seiner Uraufführung nun den hiesigen Heimkinomarkt erreicht.
Anders als es das DVD-Cover vermuten lässt, spielt die Alien-Invasion, von der die 19-jährige Sarah (überzeugend: Dakota Blue Richards) zu Beginn in einem Voice-over-Kommentar berichtet, keine allzu große Rolle, sondern dient bloß als Hintergrund für ein menschliches Drama mit gelegentlichen Thriller-Einschlägen: Knapp ein Jahr, nachdem die Erde von Außerirdischen überfallen wurde, versucht die junge Frau gemeinsam mit ihrem erblindeten Bruder Tom (Jack McMullen), auf der heruntergekommenen Familienfarm im englischen Hinterland über die Runden zu kommen. Das Haus verlassen können sie nur dann, wenn die extraterrestrischen Eindringlinge die Suche nach Bodenschätzen vorübergehend einstellen und in ihre bedrohlich vom Himmel ragenden Häfen zurückkehren. In einer verwüsteten Welt droht allerdings nicht nur Gefahr von oben. Viele Überlebende ziehen durch die Lande und scheuen nicht davor zurück, über andere Menschen herzufallen. Für einen skrupellosen Plünderer hält das Geschwisterpaar auch den bewaffneten Jude (Karl Davies), der ihnen jedoch versichert, dass er sich auf der Flucht befindet. Kurz darauf erscheint die mysteriöse Kathryn (Brigitte Millar) mit ihren Handlangern vor dem Gehöft.

Eine überirdische Bedrohung, eine brachliegende Gesellschaft, marodierende Banden und eine Schicksalsgemeinschaft, in der immer wieder Misstrauen aufblitzt – die Zutaten, die The Quiet Hour vermischt, sind nicht gerade originell. Und doch gelingt es Spielfilmdebütantin Joalland, zumindest phasenweise so etwas wie Beklemmung zu erzeugen. Beunruhigend ist schon die Tatsache, dass Sarah gleich zu Anfang ihren Vater beerdigt, dessen Tod sie vor ihrem jüngeren Bruder geheim hält. Kontakt zur Außenwelt besteht lediglich über ein Funkgerät, das ab und an die Kommunikationsversuche anderer Menschen übermittelt. Sarah und Tom sind ganz auf sich allein gestellt und müssen ständig fürchten, attackiert zu werden, da ihre Farm über eine Solaranlage und etwas Viehbestand verfügt. Wertvolles Gut in einer Zeit der Hoffnungslosigkeit.

Judes Eindringen in die Zweisamkeit bringt das ohnehin brüchige Gefüge gehörig durcheinander, wobei vor allem Tom handfeste Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Neuankömmlings hegt. Erst recht, als dessen Verfolger die Bühne betreten und die Herausgabe des jungen Mannes fordern. Sarah befindet sich plötzlich in einem Zwiespalt, hin- und hergerissen zwischen eigener Sicherheit und ehrlichem Mitgefühl. Leider baut Joallands Drehbuch die angespannte Lage etwas schematisch auf, sodass sich eine Intensität, wie sie Fingletons The Survivalist heraufbeschwört, nicht wirklich einstellen will. Mitverantwortlich dafür ist auch die fehlende Ausstrahlung von Jungdarsteller Karl Davies, der seine Figur einfach zu durchsichtig und harmlos anlegt.

Während die Bedrohungsszenen eher halbherzig geraten, bietet das Science-Fiction-Drama einige ruhige Momente, in denen die Gespräche innerhalb des Bauernhofs ins Existenzielle reichen. Exkurse auf philosophisch oberflächlichem Niveau, die dennoch genauer in die Gefühlswelt der Figuren blicken lassen. Dass es The Quiet Hour an Qualität und Ausdruckskraft mangelt, unterstreicht nicht zuletzt der schlampig zusammengebastelte dritte Akt, dem spürbar die Ideen ausgehen. Plattitüden und eine willkürlich anmutende Schlusspointe schmälern den Gesamteindruck erheblich. Wer ein hypnotisch-faszinierendes Endzeit-Abenteuer sucht, sollte in jedem Fall auf den mehrfach erwähnten The Survivalist zurückgreifen, der Anfang Juli hierzulande in den Handel kommt.

The Quiet Hour

Der Untergang der Menschheit ist momentan en vogue. Zumindest in Film und Fernsehen, wo regelmäßig postapokalyptische Szenarien entworfen werden. Neben großen Blockbustern gibt es zahlreiche Produktionen, die das Katastrophenbild auf wenige Figuren herunterbrechen und den Überlebenskampf in einem begrenzten Rahmen unter die Lupe nehmen.
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