The Piano Tuner of Earthquakes

The Piano Tuner of Earthquakes

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Gewalten der Liebe und des Wahns

Wenn ein talentierter Mann befürchten muss, sein innigstes Projekt nicht realisieren zu können und wenn er zudem unerwidert eine Frau liebt, die einen anderen heiraten wird, kann es geschehen, dass seine Wünsche zu zerstörerischen Obsessionen werden. In dieser Weise ergeht es dem ebenso unglückseligen wie bedrohlichen Dr. Droz (Gottfried John) in dem Film The Pianotuner of Earthquakes, der uns in eine nebulöse Welt der Träume und Traumata entführt.

Am Vorabend ihrer Hochzeit wird die Opernsängerin Malvina (Amira Casar) während einer Vorstellung vor den Augen ihres Verlobten, des Dirigenten Adolfo (César Saracho), von dem bizzaren Dr. Droz getötet und verschleppt. Doch niemand ahnt, dass dieser geniale Erfinder die junge Frau, die er glühend liebt und wegen ihrer Sangeskünste verehrt, in einer surrealen Welt wieder zum Leben erweckt, um mit ihr gemeinsam seinen größten Traum zu inszenieren: Eine selbst komponierte Oper, mit Malvina und ihm selbst als Akteuren in der grandiosen Kulisse einer einzigen Aufführung, auf deren Höhepunkt eine Umarmung sie beide auf ewig vereinen soll.

Dr. Droz lebt mit seiner Haushälterin und Geliebten Assumpta (Assumpta Serna) in einem abgelegen, ganz eigenen skurrilen Universum, in dem es seltsame, visionäre Musik-Maschinen gibt, die offensichtlich eng mit dem Geschehen verwoben sind und nach dem Rhythmus der Naturgewalten funktionieren. Nicht etwa um Pianos, sondern um diese Automaten nach präzisen Anweisungen ihres Eigentümers zu stimmen, erscheint der Klavierstimmer Felisberto (ebenfalls César Saracho) auf dem Anwesen, der dem Verlobten Malvinas verblüffend gleicht. Dieser Umstand ermöglicht es ihm, der Opernsängerin nah zu kommen, die sich in einem traumähnlichen Zustand befindet, und bald verliebt auch er sich in Malvina. Als Felisberto bewusst wird, dass Dr. Droz die junge Frau dazu benutzt, sich mit der Aufführung einer genialen, gigantischen Oper an der Musikwelt zu rächen, die seinen Kompositionen bislang ihre Anerkennung versagt hatte, um sie anschließend mit sich in den Tod zu nehmen, will er Malvina um jeden Preis retten. Doch einfach gestaltet sich das nicht, denn die Haushälterin Assumpta kommt seinen Plänen auf die Schliche, und nun ist sie hin – und her gerissen zwischen ihrer Treue zu Dr. Droz und ihrer Eifersucht auf Malvina, die sie nur allzu gern außer Reichweite haben würde. Die Situation auf dem Anwesen spitzt sich zu, zumal die musikalischen Automaten immer stärker eine mysteriöse Macht ausstrahlen ...

Ein Ausspruch des antiken römischen Geschichtsschreibers Sallust wird dem Film einem Motto gleich vorangestellt: „Diese Dinge ereignen sich niemals, doch gibt es sie immer.“ The Pianotuner of Earthquakes, der zweite lange Film unter der Regie von Timothy und Stephen Quay, erzählt weniger einfach eine Geschichte, als dass er die Zuschauer durch zahlreiche kunstvolle Animationen in eine eigenartige Grenzwelt der Träume, Halluzinationen und des Wahns mitnimmt, die getränkt ist von großen Emotionen und der dramatischen Sphäre der Oper. Wer die Kurzfilme der Brüder Quay kennt weiß, dass es sich auch bei ihrem Spielfilm um ein experimentelles Kunstwerk handelt, das mehr von seinen surrealen Bildern lebt als von der Handlung, die im Verlauf des Films immer mehr in einem undurchsichtigen Hintergrund verschwindet. Was bleibt, ist ein apokalyptisches Spektakel, das die Gewalten der Natur, der Musik und der menschlichen Gefühle heraufbeschwört, immer daran gemahnend, dass möglicherweise alles nur eine Illusion ist.
 

The Piano Tuner of Earthquakes

Wenn ein talentierter Mann befürchten muss, sein innigstes Projekt nicht realisieren zu können und wenn er zudem unerwidert eine Frau liebt, die einen anderen heiraten wird, kann es geschehen, dass seine Wünsche zu zerstörerischen Obsessionen werden.

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Meinungen
· 04.07.2006

Unbedingt angucken! Mehr als ein Hauch von Sommernachtstraum! Surrealistisch und verzaubernd. Perfekt fürs Open Air!

Kommentare

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