The Paperboy

The Paperboy

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

"You have to pee on it!"

Mit Precious - das Leben ist kostbar hatte Lee Daniels seinen ersten großen Erfolg in den USA. The Paperboy nach einem Roman von Pete Dexter, der auch am Drehbuch mitwirkte, ist wesentlich konventionellere Genreware geworden, obwohl Lee Daniels' Film mit Matthew McConaughy, Zac Efron, John Cusack und Nicole Kidman immerhin eine prominente Besetzung aufzuweisen hat.
Der Film spielt im Jahre 1969 in der Kleinstadt Lately im schwülen Moat County, Florida. Nachdem der unbeliebte Sheriff des Ortes 1965 von einem Unbekannten umgebracht wurde, ist der Schuldige schnell gefunden: Hillary Van Wetter (John Cusack), der natürlich seine Unschuld beteuert, soll es gewesen sein und wird aufgrund von Indizien zum Tode auf dem elektrischen Stuhl verurteilt. Doch es gibt auch andere Spuren, und die verfolgen die beiden Journalisten Yardley Acheman (David Oyelowo) und Ward Jansen (Matthew McConaughey) von der Miami Times. Letzterer stammt aus dem Ort und kann deshalb auf die Hilfe seines kleinen Bruders Jack (Zac Efron) bauen.

Ebenfalls von der Unschuld Hillarys überzeugt ist dessen ordinäre Verlobte Charlotte Bless (Nicole Kidman), die sich per Briefkontakt in Hillary verliebt hat. Klar, dass Charlotte alles Mögliche versucht, um Van Wetter freizubekommen. Und tatsächlich finden sich bald Spuren, die auf einen anderen Täter hinweisen. Doch dann kommen den Beteiligten die eigenen Emotionen in die Quere und die Angelegenheit entwickelt sich ganz anders als erwartet...

Erzählt wird der Film hauptsächlich aus der Sicht der afroamerikanischen Hausangestellten Anita (Macy Gray) der Familie Jansen, weswegen der Film auch immer wieder die alltäglichen Demütigungen thematisiert, die durch das Auftauchen des farbigen Journalisten Yardley noch einmal verdoppelt und gespiegelt werden. Dies ist zwar für die Geschichte in keiner Weise essentiell, doch es passt zur schwül-stickigen Atmosphäre von Lately, wo die Uhren etwas langsamer zu gehen scheinen als in den Metropolen der USA.

Man merkt Lee Daniels durchaus an, dass er sich für die sozialen Verwerfungen, für die Machtstrukturen, Abhängigkeiten (auch sexueller Natur) und Hierarchien der spießigen Südstaatler interessiert - vielleicht sogar zu sehr interessiert. Denn vor lauter psychologischem Subtext gerät die Thrillerhandlung bzw. die Auflösung zu einer Nebensache, für die sich nicht einmal die Journalisten selbst wirklich zu interessieren scheinen. Der entscheidende Hinweis wird quasi nebenbei aus dem Hut gezaubert und dabei noch so unkonkret gehalten, wie es nur irgendwie geht.

Statt siedender Spannung brodeln also in The Paperboy vor allem die (unterdrückten) Gefühle, weil beide Brüder ihren Leidenschaften schutzlos ausgeliefert sind. Nur ehrlich gesagt: Nicole Kidman, die in diesem Film zwar einiges gibt, aber als Schlampe vom Land vollkommen fehlbesetzt ist, und Zac Efron beim Liebesspiel zuzusehen, ist nun wahrlich kein Vergnügen - trotz ungewöhnlicher Behandlungsmethoden von Feuerquallen-Malen ("You have to pee on it!"). Auch John Cusack, der eigentlich sonst fast alles spielen kann, bleibt in diesem Film als psychopathischer und sexuell ausgehungerter Brutalo-Proll ungewohnt blass und farblos. Da helfen auch der offenstehende Mund und der Sabber, der aus ihm läuft, nicht wesentlich weiter.

Es scheint fast so, als habe sich Lee Daniels an diesem Film und möglicherweise auch am Genre des Erotikthrillers gewaltig verhoben. Als ZDF-Montagskrimi geht so was durchaus in Ordnung, doch es darf nicht verwundern, dass dieser Film in den deutschen Kinos keine Chance bekam und stattdessen ohne Umweg über die große Leinwand auf DVD herauskam. Dort ist der Film bestens aufgehoben.

The Paperboy

Mit "Precious - Das Leben ist kostbar" hatte Lee Daniels seinen ersten großen Erfolg in den USA. "The Paperboy" nach einem Roman von Pete Dexter, der auch am Drehbuch mitwirkte, ist wesentlich konventionellere Genreware geworden, obwohl Lee Daniels' Film mit Matthew McConaughy, Zac Efron, John Cusack und Nicole Kidman immerhin eine prominente Besetzung aufzuweisen hat.
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