The Other F Word

The Other F Word

Eine Filmkritik von Marie Anderson

PUNKS NOW DAD!

Wenn sich etwas Artiges über Punk und Punkrock formulieren lässt, dann sicherlich, dass diese Haltungen und Werte jenseits des gängigen guten Geschmacks, des kulturellen Konformismus und des braven Bürgertums repräsentieren, und zwar mit reichlichem Gebrauch des längsten Handfingers sowie des weltberühmten unflätigen F-Wortes. Nun hat die Dokumentarfilmemacherin Andrea Blaugrund Nevins mit The Other F Word einige in die Jahre gekommene Punk-Musiker porträtiert, und es ist nunmehr F wie Fatherhood, was diese einst anarchistisch ausgerichteten Männer in solide familiäre Bahnen katapultiert hat: PUNKS NOW DAD!
Wenn Jim Lindberg von Pennywise, Flea von den Red Hot Chili Peppers, Fat Mike von NOFX, Art Alexakis von Everclear, Tim McIlrath von Rise Against, Ron Reyes von Black Flag und einige andere üppig tätowierte und gepiercte Punk-Protagonisten von ihren Kindern sprechen, unterscheiden sie sich auf den ersten Blick allenfalls noch optisch ein wenig von den typischen Vätern ihrer Generation, deren System sie einst mit ihrem ganzen Lebensstil so derbe verfluchten. Dass die Ankunft und Anwesenheit von Kindern eben alles gleichermaßen gründlich wie nachhaltig verändert, ist der allgemeine Tenor der Interviews, die von ungezähmten Konzertmitschnitten und ebensolcher Musik flankiert werden, und die Akzeptanz dieser banalen Weisheit aus den Kreisen der ehemals schmuddeligen Vollzeitwilden mutet durchaus kurios an. Von ihren eigenen Vätern meist vernachlässigt oder repressiert und mit der Erfahrungswucht eines revoltierenden, instabilen Daseins als angefeindete Außenseiter steht ihnen nunmehr der Sinn danach, ihren Töchtern und Söhnen ausreichend Aufmerksamkeit und Fürsorge zu geben, damit sie glücklich heranwachsen können.

Da steht schon mal eine Tasse mit einem umkreisten A auf dem Tisch und musikalisches Equipment im Raum, doch ansonsten gestaltet sich der häusliche Rahmen der Punk-Familien unauffällig modern, ebenso wie der Alltag, der entspannt auf die Bedürfnisse der Kinder ausgerichtet ist, auch wenn die freakigen Väter im Umfeld von Kindergarten und Schule durchaus schräge Erscheinungen abgeben. Ob unstete Wesen wie Punk-Musiker denn überhaupt geeignet sind, um Kinder angemessen zu erziehen, beantwortet The Other F Word klar und deutlich positiv, wobei die Eindrücke vom Nachwuchs selbst, der keineswegs als Miniatur-Punk ausstaffiert ist, eine Normalität vermitteln, die beinahe schon allzu wohlanständig daherkommt.

Mit dem Fokus auf Pennywiser Jim Lindberg, der zu Gunsten seiner Familie sogar seine musikalische Karriere zurückstellt, skizziert dieser unterhaltsame und vielschichtige Dokumentarfilm die einstigen Rebellen im Durchzug von Drogen und Anarchie als verantwortungsvolle Väter mit einem stark ausgeprägten Bewusstsein über kindliche Betrachtungen und Bedürfnisse. Mit Witz, emotionalem Tiefgang und liebevoller Grundhaltung beschreiben diese Punks mit erstaunlicher Offenheit das wunderbare Phänomen, Vater zu sein, das auf ganz natürliche Art zur wichtigsten Aufgabe ihres Lebens geworden ist. Schaut Sie Euch an, diese Männer, die auf der Bühne rotzige Provokationen predigen und sich zu Hause mit Herz und Seele ihren Kindern widmen, heftig berührt von den kleinen Wesen, die sie auf einen guten Weg bringen wollen: Mit feuchten Augen und belegter Stimme lassen sie die scheinbaren Widersprüche destillieren, auf die Querköpfe wie Punks nur allzu gern festgelegt werden, und formulieren ein charmantes Plädoyer für Achtsamkeit und Fürsorge ihren Nachkommen gegenüber, die eines Tages wünschenswerterweise ihre ganz eigene Rebellion veranstalten werden.

The Other F Word

Wenn sich etwas Artiges über Punk und Punkrock formulieren lässt, dann sicherlich, dass diese Haltungen und Werte jenseits des gängigen guten Geschmacks, des kulturellen Konformismus und des braven Bürgertums repräsentieren, und zwar mit reichlichem Gebrauch des längsten Handfingers sowie des weltberühmten unflätigen F-Wortes.
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