Charles Dickens - Der Mann, der Weihnachten erfand (2017)

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Sie kennen Charles Dickens' Eine Weihnachtsgeschichte in- und auswendig? Dann könnte Bharat Nalluris Buchadaption etwas für Sie sein. „Der Mann, der Weihnachten erfand“ verschränkt Dickens' Leben und Werk, Realität und Fiktion auf magische Weise.

Charles Dickens - Der Mann, der Weihnachten erfand (2017)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Ein Autor ringt mit seinen Figuren

Dem Weihnachtsfest kann sich keiner entziehen. Selbst wer es nicht feiert, kommt um den Glühweinstand in der geschmückten Fußgängerzone, um Adventskalender und Spekulatius im Supermarkt, um Feiertagsfilme im Kino und TV nicht herum. Im London des Jahres 1843 sah das ganz anders aus, verrät uns jetzt ein weiterer Weihnachtsfilm. Damals war X-Mas so richtig out. Kaum zu glauben!

Charles Dickens (Dan Stevens) indes ist mächtig in, hat die Schaltzentrale des Britischen Weltreichs allerdings gehörig satt. Seine Großstadtsorgen klingen vertraut. „Überfüllt, überteuert; es ist kein Ort für einen Mann ohne Geld, ganz zu schweigen von diesem Nebel“, klagt der Romancier seinem Freund und späteren Biografen John Forster (Justin Edwards) beim Mittagstisch und viel Gegenlicht. Schon die Droschke ins Restaurant hat sich Dickens gespart. Doch zu Hause hat seine Frau Catherine (Morfydd Clark) das Sagen und den Italiener Mazzini (Cosimo Fusco) für eine Generalüberholung der Inneneinrichtung engagiert. Draußen wie drinnen leuchten die Farben. Jede Einstellung von Kameramann Ben Smithard sitzt, derweil Dickens auf Geld aus einem Rechtsstreit und auf einen Vorschuss vom Verlag spekuliert. Vier Jahre und drei Flops nach Oliver Twist muss dringend ein neuer Bestseller her.

Die zündende Idee liefert das neue Hausmädchen. Für die allabendliche Märchenstunde der Kleinen hat Tara (Anna Murphy) aus ihrer irischen Heimat ein paar Weihnachtsgeschichten über Feenhügel und Feuergeister mitgebracht. Dickens lauscht und verkriecht sich in die Mansarde. In seinem kuschlig-kommoden Arbeitszimmer nimmt die Geschichte um einen greisen Geizkragen nach und nach Form und mit dem Ausspruch ihres Namens die Figur leibhaftig Gestalt an. Ebenezer Scrooge sieht aus wie Christopher Plummer und lässt fortan kein gutes Haar an Dickens' Zeilen.

Regisseur Bharat Nalluri und Drehbuchautorin Susan Coyne arbeiten vornehmlich fürs Fernsehen. Er dreht mit Serien wie Hustle, Oustcasts, Torchwood und Spooks gern Crime und Action mit einer Prise Mystery und Sci-Fi, sie schrieb Episoden für Comedyformate wie Slings and Arrows, The Best Laid Plans oder Mozart in the Jungle. Doch auch Nalluri hat sein Talent für satirische Zeitreisen mit zwei Folgen Life on Mars und dem Kinofilm Miss Pettigrews großer Tag (2008) bereits unter Beweis gestellt. Für eine Adaption von Les Standifords The Man Who Invented Christmas sind die beiden das perfekte Gespann.

Nalluri übersetzt die Fabulierlust der Buchvorlage in prachtvolle Einstellungen, von denen Dickens' Imagination immer häufiger Besitz ergreift. Erst stehen die Geister der Weihnacht unvermittelt im Arbeitszimmer und sehen verdächtig nach alten Bekannten des Autors aus, dann verwickeln die Romanfiguren ihren Verfasser in absurde Streitgespräche, verfolgen ihn schließlich durch die Stadt. Ein Künstler ringt mit seiner Schöpfung, seine Kunst imitiert das Leben. Scrooges Geschichte ist auch die seines Erfinders, die seiner tristen Kindheit, die er umso heftiger erinnert, als sein nichtsnutziger Vater John (Jonathan Pryce) kurz vor den Festtagen hereinschneit.

Charles Dickens – Der Mann der Weihnachten erfand ist ein herrlich-verrückter Feiertagsspaß, mal zum Schmunzeln, mal zum Gruseln, meist zum Grübeln angesichts all der köstlichen Anspielungen auf Dickens' Leben und Werk. Die beherzte Komödie ist aber nicht unbedingt etwas für das ganz junge Publikum, nicht zuletzt, weil eine Identifikationsfigur im Kindesalter fehlt. Die Alten überzeugen indes. Dan Stevens blüht in der Rolle des leidgeprüften Schriftstellers sichtlich auf, arbeitet sich genüsslich an Konterpart Jonathan Pryce ab. Coynes feine Pointen treffen ins Schwarze. Dem großen Gesellschaftskritiker Dickens legt sie Sätze wie folgenden in den Mund: „Ein Stich mitten ins Herz dieses blasierten, selbstzufriedenen Zeitalters“ und zielt damit freilich in unsere Gegenwart.

Charles Dickens - Der Mann, der Weihnachten erfand (2017)

„The Man Who Invented Christmas“ erzählt von der Erfindung von Charles Dickens weltberühmter Erzählung „A Christmas Carol“ und davon, auf welcher Weise und durch welche Inspirationen und realen Begegnungen der Autor auf all die wunderbaren Figuren und Wendungen kam, die unser Bild von Weihnachten bis heute entscheidend geprägt haben.

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