The Invitation

The Invitation

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Gefahr oder Paranoia?

Ein Trauma mit handfesten Nachwirkungen. Eine Party unter Freunden. Ein einziger Schauplatz in den Hollywood Hills. Und ein überzeugender Hauptdarsteller. Mehr braucht es nicht, um aus Karyn Kusamas Psychothriller The Invitation – Die Einladung ein durchweg fesselndes Kammerspiel zu machen. Nach der eher enttäuschenden Horrorkomödie Jennifer’s Body – Jungs nach ihrem Geschmack beweist die US-Regisseurin, die mit Girlfight – Auf eigene Faust ihr Leinwanddebüt feierte, eindrücklich, dass sie ihr Handwerk nicht verlernt hat.
Schon der Auftakt zu The Invitation ist umsichtig in Szene gesetzt und mit beunruhigenden Klängen unterlegt, die den Betrachter auf kommendes Unheil vorbereiten: Will (Logan Marshall-Green) und seine Freundin Kira (Emayatzy Corinealdi) befinden sich auf dem Weg zu seiner Ex-Frau Eden (Tammy Blanchard), die nach zweijähriger Abwesenheit von Los Angeles gemeinsam mit ihrem neuen Gatten David (Michiel Huisman) eine Dinner-Party für ihre alten Freunde abhält. Bedrängt von schmerzhaften Erinnerungen, betritt Will das herrschaftliche Anwesen, das er einst mit Eden bewohnt hat, bis es zu einer schrecklichen Familientragödie kam. Während seine Ex und ihr jetziger Ehemann einen aufgesetzt-freundlichen Eindruck machen, beschleicht Will schon bald ein ungutes Gefühl. Immerhin will David die Haustür von innen verriegeln. Und noch dazu befinden sich unter den Gästen zwei Fremde, die Will nicht einschätzen kann.

Dass es unter der Oberfläche brodelt, ist früh erkennbar, als Eden einem ihrer Freunde wegen eines Späßchens eine schallende Ohrfeige verpasst. Die Ausgeglichenheit und Glückseligkeit, die sie und David demonstrativ zur Schau stellen, steht offenbar auf wackeligen Füßen. Was Will bestärkt, die beiden genauer im Auge zu behalten. Schon mit dem Betreten der Villa versetzt uns der Film in die subjektive Perspektive des Protagonisten, dessen Vergangenheit in Form von Erinnerungsfetzen immer wieder in die Gegenwart eindringt. Geschickt bauen Drehbuch und Regie ein Szenario auf, das eine Verschwörung der Gastgeber möglich erscheinen lässt. Andererseits ist unser Bezugspunkt ein zutiefst verstörter Mann, der sich in seine Bedrohungsfantasien vielleicht nur hineinsteigert. Eden und David könnten bloß ein wenig überdreht sein. So zumindest sieht es ein anderer Freund, der Will zu beruhigen versucht. Für merkwürdige Begebenheiten zaubert das Autorenduo Phil Hay und Matt Manfredi jedenfalls einige Begründungen aus dem Hut, die aufkommende Zweifel halbwegs plausibel beiseitewischen.

Während von der Tonspur in schöner Regelmäßigkeit dissonante Klänge auf den Zuschauer einwirken und die ohnehin unheimliche Stimmung weiter verstärken, tauchen wir, fast wie bei einem echten Trauerdrama, immer tiefer in Wills Seelenleben ein. Höhepunkt des Ganzen ist eine verstörend gefilmte Sequenz beim Abendessen, in der übersteigerte Geräusche und qualvolle Erinnerungsbilder ungebremst ineinanderfließen. Nicht nur in diesen Momenten liefert Hauptdarsteller Logan Marshall-Green eine starke Leistung ab. Überhaupt wirkt Will glaubhaft aus der Welt gefallen. Etwa wenn er beinahe ferngesteuert durch die Zimmer und Flure seines früheren Hauses schleicht. Auch in Gesprächen mit anderen Gästen ist es unübersehbar, dass es fortlaufend in ihm arbeitet. Als perfekte Widersacher fungieren Tammy Blanchard und Michiel Huisman, die ihre Figuren mit einer seltsam aufgesetzten Heiterkeit versehen. Gerade bei David scheint außerdem eine Spur Bedrohlichkeit durch. Gerade so viel, dass der Zuschauer ins Grübeln gerät.

Lange Zeit setzt The Invitation auf einen unaufgeregten Erzählrhythmus, der vor allem das Atmosphärische betont. Im letzten Drittel kippt der Film dann allerdings in den Terrormodus und orientiert sich deutlicher an konventionellen Genreregeln – was der Spannung aber keinen großen Abbruch tut. Kritisieren könnte man im Rückblick, dass einige Dialoge die drastischen Entwicklungen etwas plakativ vorwegnehmen. Nichtsdestotrotz wird der Zuschauer ordentlich durchgeschüttelt, wenn in der schicken Villa plötzlich die Hölle losbricht und der wirkungsvolle Psychothriller mit einem gespenstischen Schlussbild endet.

The Invitation

Ein Trauma mit handfesten Nachwirkungen. Eine Party unter Freunden. Ein einziger Schauplatz in den Hollywood Hills. Und ein überzeugender Hauptdarsteller. Mehr braucht es nicht, um aus Karyn Kusamas Psychothriller „The Invitation – Die Einladung“ ein durchweg fesselndes Kammerspiel zu machen.
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