The International Criminal Court

The International Criminal Court

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Wenn Opfern eine Stimme gegeben wird

Chefankläger Luis Moreno-Ocampo erklärt recht früh, dass er nicht die Hauptfigur der Geschichte ist – und auch nicht die Hauptfigur dieses Films. In gewisser Art hat er Recht. Die Geschichte des noch jungen Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag steht über allem, aber es ist Moreno-Ocampo, der ihm in seinem ersten Jahrzehnt der Existenz nicht nur ein Gesicht, sondern auch eine Seele gibt.
The Court ist ein Dokumentarfilm, der beinahe wie ein Justiz-Thriller anmutet. Er hat die Schurken und die Helden, die Aufrechten und die Verderbten, die Träumer und die Realisten, vor allem aber hat er eine Geschichte zu erzählen, die nicht kalt lässt. Die Filmemacher dokumentieren den ersten großen Fall des ICC, in dem dem kongolesischen Milizenführer Thomas Lubanga Dyilo vorgeworfen wird, für seinen Krieg Kindersoldaten eingesetzt zu haben. Sie befassen sich aber auch mit der Politik hinter dem ICC – und den Fesseln, die ihm durch die Weltgemeinde auferlegt wurden. Denn nur 116 Staaten haben das römische Statut, das den ICC ins Leben rief, unterschrieben. Große Nationen wie die USA, China, Russland oder Indien weigern sich, den ICC anzuerkennen und verhindern so, dass eigene Staatsbürger internationaler Jurisdiktion anheimfallen. Denn der ICC darf nur in jenen Ländern ermitteln, die das Statut unterzeichnet haben. Dass es angenehm sein kann, nicht unter die Jurisdiktion des ICC zu fallen, zeigt ein anderes Beispiel: Israel. Palästina wollte Anklage wegen Kriegsverbrechen im Gaza-Streifen erheben, doch nur anerkannte Staaten können den ICC anrufen. Palästina war dies nicht und musste erst die UN anrufen.

Es ist kein beneidenswerter Beruf, den der Chefankläger hat. Er muss sich mit Dingen befassen, vor denen man am liebsten die Augen verschließen würde. Videomaterial von Menschen, die auf offener Straße erschossen werden, von Kindern, die entführt und verprügelt werden, machen betroffen und illustrieren, womit sich der ICC wirklich beschäftigen muss. Seinen Humor hat Moreno-Ocampo dennoch nicht verloren. Er ist ein ruhiger Mann, jemand, der sich streng an die Gesetze hält, der mitfühlt, ohne dies exponieren zu müssen und der leisen Schrittes dafür arbeitet, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Oder zumindest zu einem, in dem Kriegsverbrecher – selbst Staatschefs – fürchten müssen, eines Tage für ihre Taten geradestehen zu müssen.

Der Film verbreitet, was Benjamin Ferencz, der Chefankläger der Nürnberger Gerichte, so treffend formuliert: Den Traum von einer besseren Zukunft, zu der es noch ein weiter Weg ist, aber einer, der mit Fortschritten gepflastert ist. Der Film endet mit Moreno-Ocampos Abschied vom Posten des Chefanklägers. Seine Geschichte ist erzählt, die des ICC jedoch noch lange nicht.

The International Criminal Court

Chefankläger Luis Moreno-Ocampo erklärt recht früh, dass er nicht die Hauptfigur der Geschichte ist – und auch nicht die Hauptfigur dieses Films. In gewisser Art hat er Recht. Die Geschichte des noch jungen Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag steht über allem, aber es ist Moreno-Ocampo, der ihm in seinem ersten Jahrzehnt der Existenz nicht nur ein Gesicht, sondern auch eine Seele gibt.
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