The Illusionist

The Illusionist

Eine Filmkritik von Kirsten Kieninger

Die Magie vergangener Zeiten

Tatischeff ist ein Magier der alten Schule: Er zaubert Kaninchen aus dem Hut und Münzen hinterm Ohr hervor. Selbst im Paris der späten 1950er Jahre passt er kaum noch in die Zeit. Rockabilly Bands machen das Publikum verrückt und ihm die Bühne streitig, während seine klassischen Zaubertricks kaum noch Zuschauer und noch weniger Beifall finden. Die Realität des Künstlerlebens fasst ihn nicht gerade mit Samthandschuhen an und sogar sein Kaninchen gibt sich bissig. Anrührend still und bescheiden hangelt sich Tatischeff von einem Engagement zum nächsten. So führt ihn die Suche nach einer nächsten Möglichkeit aufzutreten und etwas Geld zu verdienen aus Paris über London bis hoch nach Schottland. Bei seinem Engagement auf einer kleinen Insel vor der schottischen Küste, auf der das Leben noch ein wenig langsamer tickt, erscheint er nicht mehr ganz so aus der Zeit gefallen. Und trotzdem bekommt die erste Glühbirne, mit der die Elektrizität hier ihren verspäteten Einzug feiert, fast mehr Beifall als er mit seinen guten alten Zaubertricks.
Die Hauptfigur aus Sylvain Chomets Animationsfilm The Illusionist (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Spielfilm von Neil Burger) heißt Tatischeff, nicht nur zufällig gleichlautend mit dem bürgerlichen Namen von Jacques Tati. Und wie der Magier Tatischeff so verloren in seinem Trenchcoat durch die moderne Welt stakst und seine ganz eigenen Probleme damit hat, wirkt er nicht nur von ungefähr wie ein animierter Wiedergänger des Monsieur Hulot.
Denn The Illusionist ist eine liebevolle Hommage an Jaques Tati, der als Monsieur Hulot in fast allen seinen Filmen — ausgestattet mit Trenchcoat, Schirm und Pfeife — auf seine unvergleichliche Art mit den Errungenschaften der Moderne rang. Genauso wie die Spielfilme Tatis funktioniert auch Sylvain Chomets Animationsfilm quasi ohne Dialog. Er basiert auf einem Script Tatis von nur 30 Seiten, das dieser 1959 zwischen Mon Oncle und Playtime schrieb und seiner Tochter Sophie widmete. Chomet hat diesen beschreibenden Text adaptiert und widmet auch seinen Film der Tochter Tatis.

So geht es inhaltlich auch um eine zarte, sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen Tatischeff und einem jungen Mädchen, das ihn für einen echten Zauberer hält und sich ihm heimlich anschließt, als er die schottische Insel Richtung Edinburgh verlässt. Auf seine etwas unbeholfene Art kümmert er sich väterlich um sie, kauft ihr Schuhe und Mantel und gibt ihr so Starthilfe für ein Leben als junge Dame in der Stadt. Für einige Zeit kommen hier auf diese Weise zwei Generationen zusammen. Sie finden zwar nicht wirklich zueinander und haben auch keine gemeinsame Zukunft, können sich aber gegenseitig etwas mit auf den Weg geben.

Sympathisch verschrobene Charaktere bevölkern die, mit viel Liebe zum Detail, animierte Welt des schon dreifach Oscar-nominierten Regisseurs Sylvain Chomet. Anders als in seinem ersten abendfüllenden Film Les triplettes de Belleville, erscheint diese Welt hier weit weniger düster, vielmehr liegt eher ein goldener Schimmer der Nostalgie auf ihr.

Ihren Höhepunkt findet diese absolut gelungene, handgemachte Hommage, wenn der Magier Tatischeff in einem wunderbaren Regie-Einfall plötzlich mit seinem Original konfrontiert wird. „Magicians don’t exist“, wie er dem Mädchen zum Abschied schreibt – wohl aber magische Momente.

Bei der Premiere des Films auf der Berlinale war der Abspann noch nicht fertig. Auf der schwarzen Leinwand gab es noch keine Namen zu lesen, dafür erschienen dann aber über vierzig Menschen auf der Bühne, die am Film mitgewirkt haben. Eigentlich schade, dass dies bei späteren Aufführungen nicht mehr so sein wird. Denn eine schönere Hommage, als dass das Kinopublikum einmal all die ansonsten unsichtbar bleibenden beteiligten Hände zu Gesicht bekommt, die dieses Animationskunstwerk hinter den Kulissen gezaubert haben, gibt es kaum.

The Illusionist

Tatischeff ist ein Magier der alten Schule: Er zaubert Kaninchen aus dem Hut und Münzen hinterm Ohr hervor. Selbst im Paris der späten 1950er Jahre passt er kaum noch in die Zeit. Rockabilly Bands machen das Publikum verrückt und ihm die Bühne streitig, während seine klassischen Zaubertricks kaum noch Zuschauer und noch weniger Beifall finden.
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Meinungen
Sam Fellows · 19.02.2010

Youtube has an interview with Chomet with clips of The Illusionist, got to say I can't see the fuss the animation looks very wooden, cardboard cut out like even.

Kommentare

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