Das Haus der geheimnisvollen Uhren (2018)

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Mit der Romanverfilmung "Das Haus der geheimnisvollen Uhren" versucht sich Splatter-Spezialist Eli Roth an gediegenem Familiengrusel. Kann das funktionieren?

Das Haus der geheimnisvollen Uhren (2018)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Holpriges Gruselvergnügen

Dass ausgerechnet Eli Roth den Zuschlag für die Adaption des Jugendbuches Das Haus der geheimnisvollen Uhren erhielt, ist durchaus bemerkenswert. Immerhin erarbeitete sich der US-Amerikaner mit derben Splatter-Reißern wie Cabin Fever und Hostel den Ruf eines kompromisslosen Bluthundes. Sein neuer Film zwingt den Horrorspezialisten nun zu einer gemäßigteren Gangart, will sich als mitreißender Gruselstreifen für die gesamte Familie in Stellung bringen und schielt dabei auf kultisch verehrte Werke wie E.T. – Der Außerirdische und Gremlins – Kleine Monster, die ebenso wie Roths jüngstes Projekt aus der von Steven Spielberg mitbegründeten Produktionsschmiede Amblin Entertainment stammen.

Im Mittelpunkt der Verfilmung eines Romans von John Bellairs steht der zehnjährige Lewis (Owen Vaccaro), der nach dem Tod seiner Eltern in die Obhut seines exzentrischen Onkels Jonathan (Jack Black) kommt. In dessen uralter Villa wird der Waisenjunge schnell Zeuge sonderbarer Ereignisse und findet schließlich heraus, dass der Hausbesitzer und seine nicht minder schrullige Nachbarin Mrs. Zimmerman (Cate Blanchett) Hexenmeister sind. Als Lewis das Interesse des anfangs freundlichen, zunehmend jedoch abweisenden Mitschülers Tarby (Sunny Suljic) zurückgewinnen will, versucht er sich an einem Erweckungszauber und bringt so gefährliche Kräfte in die Welt, die mithilfe einer mysteriösen, fortlaufend tickenden, gut versteckten Uhr in Jonathans Anwesen zu einem Rundumschlag ausholen wollen.

Ein dickes Lob gebührt in jedem Fall Szenenbildner Jon Hutman (Die Mumie), der das titelgebende Haus in seiner schaurig-mysteriösen Pracht voll zur Geltung bringt. In jedem Winkel gibt es hier verspielte Accessoires und merkwürdige Gegenstände zu entdecken, die mit viel Liebe zum Detail gestaltet und drapiert sind. Einen bleibenden Eindruck hinterlassen vor allem die seltsamen Automatenfiguren, die in einer der gruseligsten Szenen des ganzen Films Lewis, seinen Onkel und Mrs. Zimmerman attackieren. Ordentliche Arbeit liefern auch die Effektkünstler ab, die beispielsweise ein aus Blättern bestehendes Raubtier und eine Reihe aggressiver Kürbisse zum Leben erwecken.

Hardcore-Horrorspezialist Eli Roth beschwört in manchen Passagen ein milde-wirkungsvolles Schauerklima und setzt erfreulich selten auf knallige Geisterbahnschocks, die sich heute leider immer größerer Beliebtheit erfreuen. Dass regelmäßig Humoreinlagen das Geschehen auf der Leinwand infizieren, ist per se nicht schlecht. Allzu oft beschränkt sich das von Eric Kripke (Schöpfer der Fernsehserie Supernatural) verfasste Drehbuch aber auf Pups- und Pipi-Gags, die vor allem bei Erwachsenen für Ermüdungserscheinungen sorgen dürften. Wenig amüsant sind zudem die Frotzeleien zwischen Jonathan und seiner Nachbarin.

Mit Blick auf Handlung und Figuren werden Erinnerungen an Tim Burtons Fantasy-Abenteuer Die Insel der besonderen Kinder wach, das ebenfalls von skurrilen, ungewöhnlichen Protagonisten bevölkert ist. Lewis‘ Eigenheiten und sein Charakterbogen wirken trotz reizvoller Ideen jedoch etwas unrund, was die emotionale Ausdruckkraft beschneidet. Noch stärker hätten Roth und Kripke den Schmerz über den Verlust seiner Eltern ergründen können, während dem skizzierten Außenseiterdasein in der Schule etwas weniger plakative Bilder gut bekommen wären.

Eine interessante Backstory deutet sich bei Mrs. Zimmerman an, deren Schicksal immer mal wieder Thema ist und in einer beiläufigen Einstellung unheilvolle Nahrung erhält. Ein wenig enttäuschend erscheint ihr Sinneswandel im Finale, der vom Skript allzu schematisch auf den Weg gebracht wird. Die in den 1950er Jahren spielende Geschichte hat sicher Potenzial, da sie sich mit den Schrecken des Krieges und dem menschlichen Zerstörungseifer befasst, gräbt aber nicht tief genug, wenn das Geheimnis der unablässig tickenden Uhr offenbart wird. Vor allem im letzten Drittel fallen die tonalen, für kleinere Zuschauer durchaus beunruhigenden Schwankungen markanter aus, womit sich Roths Gruselstunde ein wenig in die Nähe des holprigen Disney-Streifens Das Zeiträtsel manövriert. Hier wie dort sind spannende Prämissen und Ansätze gegeben. Vollends ausschöpfen können die Macher sie allerdings nicht. Sein erklärtes, im Presseheft deutlich formuliertes Ziel, den nächsten großen Amblin-Film mit Zeug zum Klassiker zu drehen, hat der Regisseur von Das Haus der geheimnisvollen Uhren unter dem Strich dann doch verpasst.

Das Haus der geheimnisvollen Uhren (2018)

Nach dem Tod seiner Eltern wird Lewis Barnavelt nach Michigan geschickt. Dort soll er fortan bei seinem Onkel Jonathan leben. Aber Jonathan ist viel mehr als er auf den ersten Blick scheint, er ist ein Zauberer. Und es liegt an Lewis, ihm bei der Suche nach einer mysteriösen Uhr zu helfen. Die liegt irgendwo im Haus versteckt, gebaut vom einem schwarzen Magier, der damit den Weltuntergang heraufbeschwören wollte. Und die Uhr tickt noch immer...

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Meinungen
Sophia · 12.10.2018

Hallo, ich bin 13 Jahre alt und ich würde gerne von jemandem der den Film schon gesehen hat wissen, ob er zu gruselig für mein Alter ist?! Weil überall steht etwas von Horrorfilm...
ALG

nele · 09.10.2018

Ist es sehr gruselig

Beatrice Schmidt · 03.10.2018

Nicht ab 6 Jahren geeignet, einige Szenen nicht für die Altersgruppe. Sehr humorvoll, spannend, traurig - ein ausgewogenes Wechselbad der Gefühle. Immerwieder gern.

Z · 01.10.2018

Ein Spannender Film

Kommentare

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