The Host

The Host

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Godzilla auf Koreanisch

Koreaner lieben Monster: 13 Millionen Zuschauer haben es sich bislang angesehen, das amphibische, glibberige, drachenähnliche Riesenungeheuer aus The Host. Somit können koreanische Kassenschlager wie Shiri (2001), Tae guk gi (2004) und The King and the Clown (2005) einpacken – jetzt ist The Host der erfolgreichste koreanische Film aller Zeiten. Regisseur Bong Joon-Ho (Memories of Murder) kann sich glücklich schätzen, die richtige Zauberformel dafür gefunden zu haben. Mit einer Mischung aus Polit-Satire, Slapstick-Humor und menschlichen Gefühlen bringt er sein Publikum zum Lachen, zum Fürchten und zum Mitfühlen.
Die Vorgeschichte von The Host hat sich tatsächlich im Jahr 2000 abgespielt: In einem koreanischen Militär-Leichenhaus ließ der Amerikaner Albert L. McFarland seinen koreanischen Kollegen um die 70 Liter giftiges Formaldehyd in den Abfluß kippen, die direkt in den durch Seoul fließenden Han-Fluss gelangten. In der Realität blieb die Umweltkatastrophe aus, Stoff für einen Fantasy-Thriller liefert sie allemal. Bong Joon-Ho erzählt die Geschichte einer Familie, die am Flußufer einen kleinen Imbiss betreiben. Im Mittelpunkt steht Kang-Du (Song Kang-Ho), alleinerziehender Vater, schwerfällig und faul, der lieber schläft als seinem gutmütigen Vater Hee-Bong (Byeon Hee-Bong) bei der Arbeit zu helfen oder die Elternabende seiner Tochter Hyun-Seo (Ko Ah-Seong) zu besuchen.

Wenn das Host-Monster – das namenlos bleibt - zum ersten Mal auftaucht, muss man unweigerlich an die japanischen Kaniju-Filme denken, an japanische Monster-Movies wie Godzilla oder Gamera. Übrigens, bei www.giantmonstermovies.com gibt es für Neugierige einen hübschen Monster-Index.

Nach kurzer Exposition und Einführung der Hauptfiguren, zu denen auch Kang-Dus arbeitsloser Bruder Nam-Il (Park Hae-Il) und seine Schwester, die Bogenschützin Nam-Ju (Bae Doo-Na) zählen, kommt der Film sehr schnell in Fahrt. Das Monster schießt wie von der Tarantel gestochen aus der braunen Brühe des Han-Flusses hervor und richtet in null Komma nix ein Chaos am Ufer an. Es ist schnellfüßig, wendig, sogar Brückenpfeiler kann es spielend erklimmen. Seine Beute sind die Menschen, die es mit großem Appetit einen nach dem anderen vertilgt, zumindest fängt und zum späteren Verzehr in einem unterirdischen Verließ einlagert. So stürmisch wie es aufgetaucht, so flugs sinkt es wieder zurück ins Wasser, eingeringelt im Schwanz steckt die arme, kleine Hyun-Seo (Ko Ah-Seong). Ohne zuviel zu verraten, muss jetzt alles getan werden, um die Kleine aus den Fängen des Scheusals zu befreien. Doch die Stadt und die Polizei haben nichts besseres zu tun als Kang-Du und seine Familie ins Krankenhaus zu sperren und Panik um einen vermeintlich gefährlichen Virus auszulösen. Ab diesem Punkt wird der Film politisch und damit auch satirisch: die Medien schlachten das Virus-Thema aus, die Regierungen erklären den Notstand, sogar us-amerikanische Hilfe wird eingeschaltet.

Die Familie um Kang-Du muss das Mädchen selbst befreien. In dieser Ausnahmesituation heißt das, nicht nur persönliche, sondern auch juristische Grenzen zu überschreiten. Stärke, Mut und Ausdauer an den Tag legen, als Alleinkämpfer gegen Monster und Staat zugleich. Wozu ein träger Mensch wie Kang-Du auf einmal fähig ist, wie weit er seine selbst gesteckten Grenzen überschreiten kann – das ist erstaunlich und kommt eben immer gut im Kino an. Auch wenn The Host kein Mega-Happy-End bereithält, und damit setzt er sich von seinen Hollywood-Counterparts ab, ist das Leinwandspektakel einen Spaß wert.

The Host

Koreaner lieben Monster: 13 Millionen Zuschauer haben es sich bislang angesehen, das amphibische, glibberige, drachenähnliche Riesenungeheuer aus "The Host". Somit können koreanische Kassenschlager wie "Shiri" (2001), "Tae guk gi" (2004) und "The King and the Clown" (2005) einpacken – jetzt ist "The Host" der erfolgreichste koreanische Film aller Zeiten.
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Meinungen
Mimi · 06.04.2007

Es ist erschreckend zu sehen, wieviele Leute in diesem Land A) Probleme mit Ironie und satirischen Untertönen haben und B) nicht verstehen, wenn ein ernstes Thema mit Humor verbunden wird. Bei uns muß alles entweder Unterhaltung oder Anspruch sein. Die Koreaner denken wahrscheinlich umgekehrt wir spinnen, weil bei ihnen die Verbindung von beidem durchaus nicht außergewöhnlich ist.
Genausowenig ist in Korea das Festhalten an starre Formen üblich, weshalb das Kino dort für sein Genrebending bekannt ist. Das heißt, die meisten Filme laufen nicht nach Mustern, mit denen man sie einem Genre zuordnen kann.
Die Szene mit der Beerdigung nimmt übrigens exzessive Gefühlsausbrüche aufs Korn und er war auch nicht dazu da, um irgenjemand Angst einzujagen. (Deshalb ist er in der Heimat ja auch ab 12 Jahren freigegeben). Im Vordergrund steht die Kritik an der momentanen politischen Situation.
Bei einigen Leuten habe ich das Gefühl, ihnen ist die weltpolitische Lage einfach unbekannt, sowie die koreanische Kultur und es fehlt daher einfach der Verständnishintergrund.

Kriga · 29.03.2007

Also ich BIN früher gegangen.

· 14.03.2007

Ich habe den Film in der Sneak gesehen und bin maßlos entsetzt wie jemand Geld für diese Produktion geben konnte. Hat denn niemand das Drehbuch gelesen? Gab es überhaupt eins? Ich bin aus Anstand nicht eher gegangen aber der Film war der schlechteste Film den ich je im Kino gesehen habe.

CK · 12.03.2007

Hab den Film auch in der Sneak gesehen und wusste echt nicht, ob ich den Film ernst nehmen soll.
Aber wie ich sehe ging es nicht nur mir so;)
Hab mich dann dafür entschieden ihn als lächerlich zu sehen und fand ihn dann eigentlich ziemlich amüsant...:D
aber das geld um außerhalb der sneak reinzugehen kann man sich echt sparen.

Merle · 03.03.2007

Ich habe den Film ebenfalls in der Sneak Preview gesehen und war alles andere als begeistert. Bis zum Schluss war ich mir nicht sicher, was für ein Genre der Film darzustellen versucht. Er war wie schon erwähnt an manchen stellen wohl eher unfreiwillig komisch, wenn die handlung einfach zu lächerlich wurde. die schauspieler hatten auch kein wirkliches talent. :(

immerglimmer · 08.02.2007

hab den film in der sneak preview gesehen...alles in allem großer unfug, aber dennoch irgendwie unterhaltsam und an einigen stellen (unfreiwillig??) extrem komisch. ich fragte mich die ganze zeit, ob die koreaner das ernst meinen können. teils weit überzogenes schauspiel (z.b. als sie sich in schier endloser trauer am boden wälzen) machen es nicht besser. trotz schleimi-monster jagd jeder harry-potter film einem mehr angst ein als dieser. alles in allem ein höchst eigenwilliger film.

Bamboo · 06.02.2007

Den Kinobetreiber nicht verhauen! Vorher überlegen, ob man die Knete nicht besser in etwas Nahrhafteres investiert. Wer gerne über schlechte Filme lacht, der wird ausreichend bedient.

· 30.01.2007

Einfach nicht ersnt nehmen...dann gibt es viel zu lachen!!!!

Der Redaktör · 17.01.2007

*Stimme aus dem Off*
Das möge Gott und der Ältestenrat der Redaktion verhindern :-)

diemahnendestimme · 17.01.2007

zu den news unter dieser filmkritik: jaja, ist ja gut, ihr seid die champs, aber nicht dass ihr dann nachlasst und angepasst werdet wenn die popularitaet zunimmmt und zunimmt, ihr waert nicht die ersten die geplatzt sind. aber: GRATULATION, echt beste kinosite im netz!

Kommentare

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