The Hole in the Ground (2019)

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Wenn das eigene Kind nicht mehr wiederzuerkennen ist: Im Gruselthriller „The Hole in the Ground“ wundert sich eine junge Mutter nach dem Umzug ins irischen Hinterland zunehmend über das Verhalten ihres Sohnes. Hat sie Recht oder spielt ihre Psyche verrückt?

The Hole in the Ground (2019)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Plötzlich fremd

Die Vergangenheit hinter sich lassen. In der Abgeschiedenheit neue Kräfte sammeln. Seinem Leben eine andere Richtung geben – gerade im Horrorfilm tummeln sich unzählige Figuren, die genau dies im Sinn haben. Der oftmals vollzogene Umzug ins Hinterland, in die Provinz, dorthin, wo die Welt vermeintlich noch in Ordnung ist, entpuppt sich allerdings stets als trügerischer Schritt. Irgendwann bricht das Grauen in den Alltag der Suchenden und Flüchtenden ein und stellt sie abermals auf eine harte Belastungsprobe.

Mit eben diesem Genre-Standardmuster operiert auch der Gruselstreifen The Hole in the Ground und ergänzt es um das nach wie vor beliebte Motiv des plötzlich wesensveränderten Kindes, das möglicherweise von bösen Kräften geleitet wird: Gemeinsam mit ihrem achtjährigen Sohn Christopher (James Quinn Markey) verschlägt es die junge Sarah O’Neill (Seána Kerslake), die offenbar unter einem gewalttätigen Ehemann zu leiden hatte, in die irische Pampa. Am Rande eines weitläufigen Waldes richten sie sich in einem renovierungsbedürftigen Häuschen ein und versuchen sich in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden. Besonders Christopher fällt die Eingewöhnung jedoch schwer, und immer mal wieder kommt es zwischen den beiden zu kleinen Spannungen. Als der Junge nach einem Streit spurlos im Dickicht verschwindet, stößt Sarah bei der Suche auf einen riesigen, mysteriösen Krater im Boden. Kurz darauf taucht ihr Sohn wohlbehalten wieder auf, ist allerdings – so glaubt seine Mutter zumindest – nicht mehr derselbe.  

Regisseur und Drehbuchautor Lee Cronin – am Skript war auch Stephen Shields beteiligt – fährt durchaus einige konventionelle Schockeffekte auf und bedient in Person der Nachbarin Noreen Brady (Kati Outinen), die angeblich ihr Kind getötet hat, schon zu Beginn das Klischee der rätselhaft furchteinflößenden Einheimischen. Wo andere Filmemacher eine öde und aggressive Schreckparade aus dem Boden stampfen, versteht es der Ire jedoch ein unbehagliches Klima der Angst und der Verunsicherung heraufzubeschwören. Stephen McKeons eindringliche Musikuntermalung kündigt das herannahende Unheil gleich in den ersten Szenen an, ist aber dennoch nicht zu aufdringlich. Besonders wichtig für die bedrückende Grundstimmung sind die wuchtigen Landschaftsbilder von Kameramann Tom Comerford, denen beinahe jegliche Farbe entzogen zu sein scheint.

Im Gegensatz zu vielen anderen Horrorregisseuren zeigt sich Cronin ernsthaft interessiert an seinen Protagonisten und ihrem angegriffenen Innenleben. Ähnlich wie der erst im Februar 2019 veröffentlichte Schauerthriller The Prodigy rückt The Hole in the Ground die Mutter-Sohn-Beziehung in den Fokus und schafft es, die wachsende Sorge und Panik der von Seána Kerslake mitreißend verkörperten Sarah auf den Zuschauer zu übertragen. Christophers Verhalten wirkt zunehmend seltsamer. Gleichzeitig macht sich aber auch bemerkbar, dass Sarah psychisch nicht vollends stabil ist, dass der Verstand ihr ein ums andere Mal grausame Streiche spielt. Den immer befremdlicher werdenden Sohnemann inszeniert Cronin nicht als offen gemeingefährlichen Satansbraten, sondern gesteht ihm eine zurückhaltend rätselhafte Aura zu, die das Publikum im Ungewissen darüber lässt, ob er tatsächlich Schreckliches im Schilde führt. Unter die Haut gehen vor allem die kleinen, glaubhaft auf das Empfinden der Beteiligten abhebenden Beobachtungen – Momente wie ein Gespräch zwischen Sarah und ihrem spürbar aufgewühlten, von Traurigkeit zerfressenen Nachbarn Des Brady (James Cosmo).

Im letzten Akt lüftet der Film ein wenig den Schleier des Zweifels, hält sich mit allzu expliziten Erklärungen allerdings zurück. Dass viele Fragen offen bleiben, kann man frustrierend finden. Andererseits ist es aber auch erfrischend, dass ein Horrorthriller seine Quelle des Unheils einmal nicht hemmungslos ausbuchstabiert. The Hole in the Ground ist trotz fehlender markanter Innovationen ein wirkungsvolles kleines Schauerstück und eine willkommene Alternative zum Holzhammergrusel, der sich in den Kinosälen immer stärker ausbreitet.

The Hole in the Ground (2019)

Um ihrer schrecklichen Vergangenheit zu entfliehen, hat sich Sarah O’Neill gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn an einem beschaulichen Ort auf dem Lande niedergelassen. Doch eine furchterregende Begegnung mit einem mysteriösen Nachbarn und das immer seltsamer werdende Verhalten ihres Sohn befördern sie in einen Strudel aus Paranoia und quälendem Misstrauen. Und was hat das rätselhafte Loch im Wald mit all dem zu tun?

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