The Hide

The Hide

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

britspotting-Highlight: Allein unter Vögeln

Zwei eigenwillige Charaktere, eine kleine Hütte und etliche Scharen Vögel – das ist so ziemlich alles, womit Marek Loseys Debütfilm The Hide auskommt. Entstanden ist ein beklemmendes, aber spannendes Kammerspiel mit der brillanten Darstellung von Alex Macqueen und Phil Campbell. Bei den beiden sitzt jede Zeile, jede Geste, jeder Blick.
The Hide ist einer dieser Filme, über die man nicht zuviel verraten darf. Es ist nicht das Ende, das überrascht, sondern eine Wendung, mit der man so nicht gerechnet hat. Einige wenige inhaltliche Elemente darf man dennoch vorab über die Figuren preisgeben. Da ist Roy Tunt (Alex Macqueen), der Ornithologe, ein steifer, akkurater, nahezu pedantischer, konservativer Mann – very british. In seiner Freizeit beschäftigt er sich am liebsten mit dem stundenlangen Beobachten von seltenen Vögeln, über dessen Erscheinung er akribisch Buch führt. In den Sumpfgebieten Suffolks hat er dafür sein ideales Betätigungsfeld gefunden. Einsam und allein hat er sich in einer Hütte zurückgezogen, um dort ganz in Ruhe auf die Suche nach dem scheuen Regenpfeifer zu gehen. Die Stille übertönt er mit heiteren Selbstgesprächen. Hier ist er ganz bei sich selbst, ganz in seinem Element.

Plötzlich steht ein Fremder namens Dave (Phil Campbell) vor der Tür, mit dem irgendetwas nicht zu stimmen scheint. Mit einer Schnapsflasche in der Hand torkelt er zur Tür herein, ziemlich verstört. Was will er überhaupt in dieser gottverlassenen Gegend, könnte man sich fragen. Roy ist sichtlich irritiert, versucht sich das aber so wenig wie möglich anmerken zu lassen. Immer wieder sucht er nach einer anständigen Konversation mit dem seltsamen Fremden – über Vögel, Hobbys, Frauen und das Leben im Allgemeinen. Als Dave die Hütte kurz verlässt, erfährt Roy über Funk von einem polizeilich gesuchten Mann. Daraufhin kippt die harmonische Stimmung zwischen den beiden und führt in einen bizarren verbalen und körperlichen Zweikampf.

Weitere Details sollen an dieser Stelle noch nicht verraten werden. Der Film bleibt durch "sein Geheimnis" bis zur letzten Minute spannend – mit einem völlig unerwarteten Ausgang. Gerade wenn der Zuschauer glaubt, die Figuren durchschaut zu haben, wendet sich die Handlung. Alle Erwartungen werden auf den Kopf gestellt und man tappt wieder im Dunklen.

Marek Loseys Thriller basiert auf dem Theaterstück The Sociable Plover von Tim Whitnall, der auch das Drehbuch zur Adaption schrieb. Losey, Enkel des legendären britischen Regisseurs Joseph Losey (The Go-Between, The Servant, Modesty Blaise), führte schon bei preisgekrönten Werbekampagnen Regie, u.a. für Cadbury, Coca Cola und Diesel. Diesen Hintergrund merkt man Loseys Spielfilm in keinster Weise an. Während die Filme anderer Werberegisseure häufig wie eine Hochglanzbroschüre daher kommen, wirkt The Hide reichlich subtil und unprätentiös.

Ein Film wie The Hide funktioniert einzig und allein durch die enorme Leinwandpräsenz der beiden Schauspieler. Es ist erstaunlich, dass Phil Campbell bislang nur in Nebenrollen in Fernsehserien aufgetreten ist. Alex Macqueen hat sich längst als Filmschauspieler bewährt, unter anderem in In the Loop, der als Eröffnungsfilm auf dem britspotting-Festival zu sehen ist. The Hide ist ein weiteres Festival-Highlight des britischen Kinos, das man verpassen sollte.

The Hide

Zwei eigenwillige Charaktere, eine kleine Hütte und etliche Scharen Vögel – das ist so ziemlich alles, womit Marek Loseys Debütfilm "The Hide" auskommt. Entstanden ist ein beklemmendes, aber spannendes Kammerspiel mit der brillanten Darstellung von Alex Macqueen und Phil Campbell. Bei den beiden sitzt jede Zeile, jede Geste, jeder Blick.
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