The Haunting of Emily

The Haunting of Emily

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Gut gemeint, aber missraten

Grundsätzlich ist es begrüßenswert, wenn junge Filmemacher in ihren ersten Werken Genre-Regeln aufbrechen und eine Variation bekannter Muster in Angriff nehmen. Über Holprigkeiten kann man dabei leicht hinwegsehen, solange Erzählung und Inszenierung ein gewisses Geschick erkennen lassen. Im Fall des Horrorthrillers The Haunting of Emily ist es damit leider nicht weit her, was erklären könnte, warum der bereits 2012 fertiggestellte Film erst im Mai 2015 auf dem US-amerikanischen Heimkinomarkt erschien. Unübersehbar versucht sich Regiedebütant Jared Black an einer gewitzten Abwandlung des nach wie vor beliebten Spukmotivs. Zustande bringt er aber bloß einen unsauber geschnittenen, konfusen Möchtegernschocker, der den Zuschauer nicht zum Mitfiebern animieren kann.
Mehr als ein Jahr nach ihrem spurlosen Verschwinden taucht die kleine Emily (wenig charismatisch: Taylor Pigeon) plötzlich wohlbehalten wieder auf, schweigt sich jedoch darüber aus, wo sie die ganze Zeit gewesen ist. Nachdem auch eine medizinische Untersuchung keine Antworten geliefert hat, wird das Mädchen in die Obhut seiner Mutter Rachel (Jolene Kay) und seines Stiefvaters Tim (Nathan Polzin) entlassen. Während nach Emilys Rückkehr im Haus der Familie seltsame Dinge vor sich gehen, setzt ihr leiblicher Vater Barry (Chris Gann) mithilfe eines Privatdetektivs alles daran, seiner Ex das Sorgerecht zu entreißen. Rachel und Tim erhalten schließlich die Auflage, die Psychologin Beth (Shalaina Castle) ins Haus zu lassen, die Emily begutachten und endlich für Klarheit sorgen soll.

Hat es zunächst den Anschein, als bringe das Kind eine böse Macht mit nach Hause, schlägt der Film nach einem Twist zur Hälfte eine andere Richtung ein, die in ihren Grundzügen an einen cleveren Genrestreifen von 2003 erinnert. Welches Werk gemeint ist, wird nicht verraten (wer es vorab trotzdem wissen möchte, klicke bitte hier), auch wenn The Haunting of Emily aus der überraschenden Wendung keinerlei Kapital schlagen kann. Was schockierend wirken und den Betrachter emotional aufrütteln soll, strapaziert durch hektische und schlecht gesetzte Schnitte ordentlich die Nerven. Platte Figurenprofile und schwache Darstellerleistungen lassen das Interesse zusätzlich absacken, obwohl Jared Black und Koautor Thor Wixom eigentlich eine hochdramatische Geschichte erzählen.

Wer angesichts des hiesigen Verleihtitels – das US-Pendant Delirium ist weitaus treffender – knackigen Geisterterror erwartet, wird schwer enttäuscht. Wirkungsvolle Schockmomente gibt es im Grunde nicht. Und auch die Stimmung ist von echtem Grauen weit entfernt. Ein Beleg für die dramaturgischen Unzulänglichkeiten ist nicht zuletzt das hastig abgespulte Finale, in dem die Macher auf wenig elegante Weise einen Bogen zum mysteriösen Einstieg schlagen und erneut die Involvierung des Zuschauers leichtfertig verschenken. Die Grundgedanken des Drehbuchs mögen gar nicht mal so schlecht sein. Und der Wille, einen unkonventionellen Horrorthriller abzuliefern, ist durchaus zu erkennen. Mit Blick auf die missratene Umsetzung hätte man sich in diesem Fall allerdings – für einen Kritiker eher ungewöhnlich – einen standardisierten Genrestreifen gewünscht.

The Haunting of Emily

Grundsätzlich ist es begrüßenswert, wenn junge Filmemacher in ihren ersten Werken Genre-Regeln aufbrechen und eine Variation bekannter Muster in Angriff nehmen. Über Holprigkeiten kann man dabei leicht hinwegsehen, solange Erzählung und Inszenierung ein gewisses Geschick erkennen lassen. Im Fall des Horrorthrillers „The Haunting of Emily“ ist es damit leider nicht weit her, was erklären könnte, warum der bereits 2012 fertiggestellte Film erst im Mai 2015 auf dem US-amerikanischen Heimkinomarkt erschien.
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