The Green Inferno

The Green Inferno

Eine Filmkritik von Janosch Leuffen

Kannibalenschmaus in der grünen Hölle

Wie rekrutiert man Einheimische als Statisten für einen Kannibalenfilm? Man zeigt ihnen einfach einen! Eli Roth wandte dieses Verfahren bei The Green Inferno an und führte den Komparsen als Beispiel Ruggero Deodatos Nackt und zerfleischt, besser bekannt als Cannibal Holocaust, von 1980 auf einem mitgebrachten Fernseher vor. Angeblich stieß der Kinoabend auf große Begeisterung. Die Bewohner gaben einem Mitwirken in Roths erster Regiearbeit nach Hostel 2, die trotz des grünen Dschungels ziemlich viel Rotes zum Besten gibt, statt.
Justine (Lorenza Izzo) ist Studentin, kann sich aber Spannenderes vorstellen als bis mittags im Bett zu liegen. Da kommt ihr die Demo einiger Öko-Aktivisten vor ihrem Fenster gerade recht. Kurzerhand schließt sie sich dem strengen Anführer Alejandro (Ariel Levy) und der restlichen Gruppe an. Eine lange Eingewöhnungszeit ist Justine allerdings nicht vergönnt. Schon bald befindet sich das Team auf dem Weg in den peruanischen Dschungel, um dort die Rodung des Waldes durch einen Baugiganten zu unterbinden. Doch was so einfach klingt, entpuppt sich als totales Fiasko. Zuerst stürzt der Flieger ab und zu allem Überfluss hat der letzte Eingeborenenstamm mächtig Appetit auf die hilflosen Amerikaner.

Nachdem Horror- und Folterspezialist Roth in letzter Zeit vor allem als Produzent auf den Plan trat, nahm er nun wieder auf dem Regiestuhl Platz. Die Hauptdarsteller hat er sich direkt von seiner verkorksten Produktion Aftershock mitgenommen. Deren Charaktere erweisen sich für das bevorstehende fleischhaltige Mahl als belanglos. Durch die Bank weg sind alle stereotypischen Figuren vertreten: Der dicke Trottel, dessen Naivität schon fast schmerzt. Das dauergestresste Oberhaupt, das niemanden neben sich duldet. Der Macho, der am liebsten richtig cool wäre und ein paar blauäugige Mädels für die Optik. Einzig für Justine, die am sympathischsten und reifsten rüberkommt, kann der Zuschauer gesteigertes Interesse aufbauen.

Ebenfalls deutlich erkennbar ist Eli Roths typischer Anarcho-Humor, der sicherlich nicht jeden Geschmack trifft und oftmals völlig alleine im Raum steht. Während einer Pipipause beispielsweise hält Roth aufs Gemächt des Wildpinklers und lässt eine Spinne gefährlich nah daran vorbeilaufen. Pointe: Keine. An anderer Stelle wiederum plagt eines der Mädchen eine Magendarmverstimmung und es kommt zur großen – die folgende Wortwahl sei entschuldigt – Scheißerei. Pointe: Keine. Solche Witzchen dürften Roth-Freunde bereits kennen. Ob das lustig ist, muss jeder selbst wissen.

Doch trotz einiger Entgleisungen und der relativ flachen Figurenzeichnung entwickelt sich im Busch eine merkwürdig unangenehme Spannung. Der treibende Dschungel-Soundtrack mit peitschenden Trommeln trägt zu einem authentischen Feeling bei. Die Kannibalen haben Hunger und reißen die Gliedmaßen der Opfer aus deren Körpern, zerhacken und braten sie. Fluchtversuche der Gefangenen werden gnadenlos bestraft. Nur unsere Protagonistin wird durch einen besonderen Umstand zunächst verschont. Nicht zuletzt aufgrund der vorherrschenden Brutalität gerät der Trip düster und schaurig, denn Roth bemüht sich tatsächlich um einen gesellschaftlichen (aber nicht zwingend kritischen) Hintergrund und Authentizität.

Wer Blut spritzen sehen will und sich um billige Computertricks sowie eine Handlung ohne Tiefgang nicht schert, wird an The Green Inferno durchaus seinen Spaß haben. Und einen echten Kannibalenfilm gab es schließlich auch längere Zeit nicht mehr.

The Green Inferno

Wie rekrutiert man Einheimische als Statisten für einen Kannibalenfilm? Man zeigt ihnen einfach einen! Eli Roth wandte dieses Verfahren bei „The Green Inferno“ an und führte den Komparsen als Beispiel Ruggero Deodatos „Nackt und zerfleischt“, besser bekannt als „Cannibal Holocaust“, von 1980 auf einem mitgebrachten Fernseher vor. Angeblich stieß der Kinoabend auf große Begeisterung.
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