The Great Wall (2016)

The Great Wall (2016)

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Matt Damon rettet die Welt

China, unendliche Weiten. Irgendwann während der Song-Dynastie (960-1279 nach Christus) reitet Matt Damon durch die Wüste. Bei ihm sind sein spanischer Freund Pero (Pedro Pascal), ein großer magnetischer Stein und ein abgeschnittener Monsterarm. Vor ihnen liegt The Great Wall, die große chinesische Mauer, 21.196,18 Kilometer lang und über 1700 Jahre im Bau. Und auf dieser Mauer stehen tausende Soldaten, die ihre Pfeile auf die beiden Weißen richten, die da aus der Einöde kommen. Allerdings stehen diese eigentlich nur im Weg, denn die chinesische Armee wartet auf etwas ganz Anderes.

Aber da Damons Figur, William Tovar, seines Zeichens exzellenter Bogenschütze, Dieb, Mörder und Söldner, schon einmal da ist, kann er ihnen natürlich helfen. Denn, so wird The Great Wall nicht müde zu betonen, ohne ihn ist auch eine perfekt ausgebildete Armee von hunderttausend Mann verloren. Dieses Konzept, das einfach nicht sterben will, nennt sich white savior narrative, also die Geschichte vom weißen Retter, der ganze Völker vor sich selbst und anderen retten muss und wird. Der weiße Retter ist immer überlegen, hat mehr Wissen, mehr Fähigkeiten und überhaupt immer einen Rat parat, ohne den die anderen nicht weiterkämen. Eigenhändig zerschmettert er ganze Armeen. Er ist der geborenen Anführer und muss sich weder beweisen noch einfügen oder erklären. Er ist immer ein Mann voller Prinzipien und der moralische Bedenkenträger, der den anderen beibringt, wie man sich ordentlich zu verhalten hat, und er ist ein inspirierender Lehrer. William Tovar erfüllt die weiße Retterrolle bis ins kleinste Details. Bei seiner Ankunft kann er sofort weiterhelfen, denn der abgetrennte Monsterarm verrät, dass der Angriff, auf den die Chinesen warten und der sich alle 60 Jahre vollzieht, schon bevorsteht. Er kann sogleich bei der Schlacht als einziger ein paar der fiesen Monster töten, während alle anderen chinesischen Soldaten nur Monsterhäppchen werden. Und er bringt, zufällig, ein Artefakt mit, das beim Kampf mehr als nur helfen wird. Ein großes Hurra für Matt Damon und gleichzeitig ein weiterer Punkt, den man monieren muss. Der Schauspieler vermag hier gar nicht in seiner Rolle aufzugehen. Stets sieht man ihn als Matt Damon, nie nimmt man ihm den William Tovar ab. Was auch daran liegt, dass weder er noch sein Freund Pero gut ausgebaute Charaktere sind, die übrigens auch im Verlauf des Filmes keine wirklichen Entwicklungen mitmachen. Ebenso leblos und verpulvert ist der große Willem Dafoe, der in einer Nebenrolle auftritt.

Doch dann gibt es da noch die andere, die chinesische Seite, immerhin ist dieser Film eine Koproduktion der beiden Länder und Regie führt Altmeister Zhang Yimou. Und der fährt alles auf, was China als Filmland zu bieten hat. Das sind einmal ausgezeichnete Schauspieler wie Andy Lau oder der in China berühmte junge Sänger und Schauspieler Lu Han. Doch abgesehen von den Personalien ist es vor allem die visuelle Ebene, auf der sich die große Macht und Kunst hier abspielt. Zhang Yimou erschafft eine atemberaubende Welt voller Gigantismus und Farben. Die Mauer ist in ihrer schieren Größe ja schon atemberaubend, doch ihre Ausstattung zum Zwecke der Monsterverteidigung ist unglaublich. Von riesigen Hörrohren, Papierluftballons zur Beförderung von Truppen, stählernen Schlingen, die riesige Feuerbälle werfen, bis hin zu Messerscheren, die alles zerschneiden, hat diese Mauer so einiges an handfester Waffenkunst zu bieten. Aber noch besser, noch gewaltiger ist die Armee selbst. Durch Farben und Tiere aufgeteilt lässt sich Überblick bewahren: die roten Adlertruppen sind die Bogenschützen, die blauen Kraniche sind eine Spezialeinheit von bungeejumpenden Frauensoldaten, die schwarzen Bärentruppen sind die Nahkämpfer usw. Hier lebt der Film wirklich auf und weiß zu beeindrucken. Die schieren Massen und deren perfekte Choreografien gepaart mit unzähligen Ideen, wie man Monster töten könnte und was man alles an Waffen gegen sie einsetzt, machen Spaß und sind ein visuelles Fest. Man beachte aber das Wörtchen "könnte", denn im Endeffekt ist der einzige, der erfolgreich zu töten vermag, dann doch nur Damon.

Es lässt sich also schlussfolgern, dass diese amerikanisch-chinesische Koproduktion einem eigenartigen Muster zu folgen scheint, bei dem die Chinesen das Visuelle, das Zeigen dominieren und die Amerikaner das Machen. Gestärkt wird diese Trennung durch die Wahl, in der deutschen Synchronisation alles, was in Mandarin gesprochen wird, zu untertiteln, statt wie alle englischen Dialoge zu synchronisieren. Und so erhält man gar zwei Filme in einem: einen klassischen amerikanischen Actionkracher mit historischem Hintergrund und einen chinesischen Großfilm, der alles auffährt, was man an Ausstattung, Effekten, Farben und visuellen Reizen nur so bieten kann. Zusammenfinden mag das Ganze aber nicht. Und beide Einzelteile sind lange nicht spannend oder tragend genug, um dieses Werk zu einem guten Film zu machen. Das dachten sich wohl auch die chinesischen Zuschauer und Kritiker. Auf den Filmkritik-Aggregatorenseiten Maoyan und Douban ergaben sich nur Bewertungen von 4.9 und 5.4 von 10 Punkten. Beide Seiten wurden von Regierungsseite wohl scharf kritisiert, dass ihre Bewertungen der einheimischen Industrie schaden würden. Kein Wunder, denn The Great Wall ist immerhin mit 135 Millionen US-Dollar der teuerste Film, der je in China gedreht wurde. Solch eine Investition soll sich doch lohnen.

Doch das ganze Geld bringt alles nichts, The Great Wall bleibt von einer Mauer getrennt, die aus kolonialistischen Ideen und sich nicht zusammenfügen wollenden Filmästhetiken und Erzähltechniken gebaut wurde. Das Ergebnis ist hübsch, aber sinnlos.
 

The Great Wall (2016)

China, unendliche Weiten. Irgendwann während der Song-Dynastie (960-1279 nach Christus) reitet Matt Damon durch die Wüste. Bei ihm sind sein spanischer Freund Pero (Pedro Pascal), ein großer magnetischer Stein und ein abgeschnittener Monsterarm. Vor ihnen liegt "The Great Wall", die große chinesische Mauer, 21.196,18 Kilometer lang und über 1700 Jahre im Bau. Und auf dieser Mauer stehen tausende Soldaten, die ihre Pfeile auf die beiden Weißen richten, die da aus der Einöde kommen.

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