The Good German

The Good German

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Zeitreise ins Jahr 1945

Berlin kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges: Der desillusionierte amerikanische Kriegsberichterstatter Jake Geismer (George Clooney) kehrt nach langen Jahren in die zerstörte Stadt zurück, in der er einst lebte und wo er ein Nachrichtenbüro leitete. Nun will er von hier aus über die Potsdamer Konferenz berichten, auf der die alliierten Siegermächte über die Zukunft Deutschlands bestimmen. Nicht nur Geismer, auch die Stadt und ihre Bewohner haben sich verändert – traumatisiert vom Krieg kämpft hier jeder nur noch ums nackte Überleben. Und jeder hat etwas zu verbergen – sei es die frühere Mitgliedschaft in der NSDAP oder harmlose kleine Schwarzmarktgeschäfte. Nicht nur die besiegten Deutschen haben etwas zu verbergen, auch die Siegermächte verfolgen undurchsichtige Ziele und betreiben politische Winkelspiele, denn aus den einstmaligen Verbündeten sind längst erbitterte Rivalen geworden. Und das Klima der Verstellung und des Taktierens und Täuschens hat nicht nur die Politiker und ranghohen Militärs erfasst, sondern setzt sich nahtlos nach unten fort. So erweist sich etwa Geismer Chauffeur, das unscheinbare Provinzlandei Tully (Tobey Maguire), als gewiefter Gauner, der alles verhökert, was nicht niet- und nagelfest ist. Geismer versucht die Machenschaften des Corporals zu ignorieren, was er allerdings nicht verdrängen kann, ist Tullys Freundin Lena Brandt (Cate Blanchett), denn sie ist die Frau, die Jake vor vielen Jahren liebte. Und so gerät er in einen Strudel aus undurchsichtigen Intrigen, als Tully im russischen Sektor der Stadt ermordet aufgefunden wird, mit den Taschen voller Geld. Doch je mehr er nachforscht, desto mehr Spuren deuten auf eine mögliche Mittäterschaft Lenas hin, so dass der Kriegsberichterstatter schon bald vor einem ausgewachsenen Dilemma steht…
Steven Soderberghs neuer Film nach Syriana ist ein altmodisch inszenierter romantischer Thriller mit sehr viel Atmosphäre und Stil sowie eine Verbeugung vor den Werken der Schwarzen Serie – ein Schuft, wer da (nicht) an Der Dritte Mann denkt. Allerdings gerät die Verbeugung doch manchmal etwas zu tief, so das der Film im Formalisumus zu ersticken droht.

Dass The Good German so treffsicher den Filmstil der damaligen Zeit trifft, liegt nicht allein am Setdesign, sondern auch an der Technik. Um einen authentischen Look zu kreieren, griff Soderbergh auf Kameraobjektive aus der damaligen Zeit und auf Stilelemente wie Reißschwenks, Rückprojektionen und eine sehr an klassischen Vorbildern orientierte Filmmusik zurück. Das Ergebnis ist ein liebenswert altmodischer Film, der zeigt, dass Darsteller wie Cate Blanchett oder George Clooney durchaus das Zeug zu einem Star aus der goldenen Ära Hollywoods gehabt hätten – auch wenn sich die Zeiten extrem gewandelt haben. Man mag von einer solchen Wiederbelebung und Heraufbeschwörung der guten alten Zeit halten was man will, kann sie als Retro-Schick oder oberflächliche Kopie abtun, und tut damit diesem Film entsetzlich unrecht. Denn neben allen Schauwerten ist The Good German zunächst einmal ein ganz guter Politthriller vor einer faszinierenden Zeitkulisse. Und das allein zählt.

The Good German

Berlin kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges: Der desillusionierte amerikanische Kriegsberichterstatter Jake Geismer (George Clooney) kehrt nach langen Jahren in die zerstörte Stadt zurück, in der er einst lebte und wo er ein Nachrichtenbüro leitete.
  • Trailer
  • Bilder

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.