The Forest

The Forest

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Er ist sagenumwoben und unter Selbstmördern äußerst beliebt: der Aokigahara-Wald am Nordwesthang des Fuji, Japans heiligem Berg. Nach Gus Van Sants triefend sentimentalem The Sea of Trees erforscht nun der Horrorfilm The Forest diesen unheilvollen Schauplatz, was man einerseits konsequent und logisch finden kann, da verschlingendes Dickicht zu den Standard-Szenarien des Genres zählt. Andererseits ist es aber auch ein wenig zweifelhaft, dass ein Ort, der auf derart traurige Weise Berühmtheit erlangte, als Kulisse für einen mittelprächtigen Hollywood-Schocker herhalten muss. Mehr darf man vom Leinwanddebüt des Werbespezialisten Jason Zada nämlich nicht erwarten, auch wenn Produzent David S. Goyer im Presseheft große Ziele ausgibt: "Wir hoffen, dass The Forest für den Wald wird, was Der weiße Hai fürs Schwimmen im Meer war."
Als die US-Amerikanerin Sara (Game of Thrones-Star Natalie Dormer) erfährt, dass ihre Zwillingsschwester Jess (ebenfalls Dormer) im Aokigahara verschwunden ist, macht sie sich umgehend auf den Weg nach Japan. Die junge Frau spürt, dass die Vermisste noch am Leben ist, und schlägt daher alle Warnungen in den Wind. Gemeinsam mit dem Reisejournalisten Aiden (Taylor Kinney) und dem Fremdenführer Michi (Yukiyoshi Ozawa) betritt sie den geheimnisumwitterten Wald und nimmt schon bald eine unheimliche Präsenz wahr. Tief im Dickicht stoßen die drei schließlich auf das Zelt von Jess. Doch Saras Schwester ist nirgends zu sehen.

Obwohl Jason Zada schon in der ersten Viertelstunde einige billige Schockeffekte bemüht, versucht sich der Spielfilmdebütant auch an subtileren Tönen. Während Jess in der Eröffnung über den Dialog als chronisch depressive Person beschrieben wird, die Probleme förmlich anzieht, erscheint Sara wie eine geerdete Frau, die mitten im Leben steht und ihrer Schwester, wann immer nötig, zu Hilfe eilt. Dass auch sie mit einem Trauma zu kämpfen hat, das die beiden in ihrer Kindheit erlebt haben, zeigt sich, als Sara ihren späteren Begleiter Aiden kennenlernt. Bild und Wort widersprechen sich bei einer Unterhaltung deutlich. Und der Zuschauer wird durch die unzuverlässige Erzählweise auf die zunehmende Verwirrung der Hauptfigur vorbereitet.

Mit Betreten des Aokigaharas – gedreht wurde größtenteils in Serbien – dringt The Forest in den Bereich des psychologischen Horrors vor und reichert diesen mit routinemäßigen, wenig eindrücklichen Schockmomenten an. Ein bedrohliches Sounddesign und Nahaufnahmen einzelner Waldausschnitte – etwa im Unterholz kriechende Insekten – vermitteln Saras Empfinden, das mehr und mehr von Panik bestimmt wird. Atmosphärisch hat der Film einige gelungene Passagen zu bieten, für einen rundum fesselnden Trip fällt das Spiel mit der Wahrnehmung allerdings viel zu berechenbar aus. Folgerichtig wirkt auch der Twist im letzten Drittel bei weitem nicht so verstörend, wie es eigentlich beabsichtigt ist.

Was die Figurenzeichnung betrifft, schwankt The Forest zwischen passabel und klischeebeladen. Die von Natalie Dormer beherzt verkörperte Protagonistin präsentiert sich weniger holzschnittartig als manch andere Horrorfilm-Vertreterin, erscheint aber trotzdem nicht ganz ausgereift. Begleiter Aiden handelt leider irgendwann nur noch nach eingefahrenen Genreregeln. Und Fremdenführer Michi – ein japanischer Akteur mit etwas mehr Gewicht – bleibt erschreckend blass, da er einzig und allein die Rolle des ortskundigen Mahners zu erfüllen hat. Allzu großes Interesse bringt der Film auch für seinen Handlungsort nicht auf, selbst wenn in einer Szene die Geschichte des Aokigaharas zur Sprache kommt und Sara bei ihrer Suche auf mehrere Selbstmordopfer stößt. Im Vordergrund steht eine Albtraummär, die – um Produzent Goyer noch einmal aufzugreifen – in Zukunft sicher nicht als Der weiße Hai des Waldes gelten wird.

The Forest

Er ist sagenumwoben und unter Selbstmördern äußerst beliebt: der Aokigahara-Wald am Nordwesthang des Fuji, Japans heiligem Berg. Nach Gus Van Sants triefend sentimentalem "The Sea of Trees" erforscht nun der Horrorfilm "The Forest" diesen unheilvollen Schauplatz, was man einerseits konsequent und logisch finden kann, da verschlingendes Dickicht zu den Standard-Szenarien des Genres zählt.
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