The Five Senses

The Five Senses

Donnerstag, der 7. Juli 2005, 3sat, 22:25 Uhr

Ein kleines Mädchen verschwindet spurlos aus einem Park. Das Schicksal dieses Kindes ist der rote Faden, dem die Geschichte von The Five Senses folgt. Der Film verbindet fünf unterschiedliche Charaktere, die eines gemeinsam haben: Die Sehnsucht nach einer tiefen menschlichen Beziehung und einen Defekt auf der Ebene der Sinne. Da ist beispielsweise der Augenarzt Richard (Philippe Volter), der feststellen muss, dass er bald taub sein wird. Um für die Zeit der Stille gewappnet zu sein, legt er sich eine Geräuschbibliothek an und speichert Musik, aber auch Geräusche oder einfach nur Lärm in seinem Gedächtnis ab. Durch einen Belüftungsschacht belauscht er unter anderem seine Nachbarin, die verwitwete Masseurin Ruth (Gabrielle Rose), die sich mit ihren Patienten unterhält. Tagtäglich berührt sie Menschen, doch seit dem Tod ihres Mannes hat sie Angst zu „fühlen“. Da sie sich für das Verschwinden des Mädchens verantwortlich fühlt, sucht sie die Freundschaft der Mutter und kann sich erst durch diesen Schritt wieder an ihre Tochter Rachel (Nadia Litz) annähern. Diese wiederum hat es versäumt, auf das verschwundene Mädchen aufzupassen und muss sich mit ihrer Neigung zum Voyeurismus auseinander setzen. Das Verschwinden des kleinen Mädchens beeinflusst auch das Leben von Rona (Mary-Louise Parker), einer jungen Konditorin mit einem völlig verqueren Geschmackssinn. Ihre Torten sind zwar Meisterwerke der Extravaganz, doch sie schmecken abscheulich. Erst durch einen Urlaubsflirt lernt sie, dass man den Geschmack nicht vernachlässigen darf. Und ihr bisexueller Freund Robert (Daniel Maclvor) ist überzeugt, dass die man die Liebe riechen kann, weswegen er sich mit seinen weiblichen und männlichen Ex-Geliebten trifft, um herauszufinden, ob doch vielleicht die echte große Liebe dabei war. Klar, dass er sie dort findet, wo er es am wenigsten erwartet.

Kann man Empfindungen in Bilder umsetzen? Dieser Herausforderung widmet sich der kanadische Jeremy Podeswa in seinem Episodenfilm The Five Senses und trotz des theoretischen Gesamtkonzepts, das dem Film zugrunde liegt, ist das Experiment ebenso gelungen wie hintersinnig und tiefgründig. Denn neben den sinnlichen Reizen und deren Fehlen ist der Film vor allem eine Studie über die tiefe Einsamkeit des Menschen, über verpasste Chancen, Lehrstellen, Schwächen und über das Scheitern. In mancherlei Hinsicht erinnert The Five Senses in seinem Humanismus und seinem Facettenreichtum an Magnolia, doch er ist – mit allem Respekt vor Paul Thomas Andersons Werk – viel näher dran am alltäglichen Leiden der Menschen und an ihrer Suche nach sich selbst. Und nicht zuletzt ist The Five Senses auch (als Film, und nicht nur in seinem Grundthema) selbst ein sinnliches Erlebnis, ein teilweise furioser Bilderrausch mit betörender Musik und verführerischem Rhythmus, ein Werk, dass man gleichsam in seinen besten Momenten auch riechen, schmecken und fühlen kann.

The Five Senses

Ein kleines Mädchen verschwindet spurlos aus einem Park. Das Schicksal dieses Kindes ist der rote Faden, dem die Geschichte von The Five Senses folgt.

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