The Expendables 3

The Expendables 3

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Stallone zwischen Jung und Alt

Männer, die nicht viele Worte machen, sondern Fäuste oder Feuerwaffen sprechen lassen. Die schon allerhand gefährliche Abenteuer überstanden haben. Und stets die Drecksarbeit verrichten müssen. Sie sind die Helden der recht erfolgreichen Expendables-Filme, mit denen Actionikone Sylvester Stallone bereits zwei Mal den Anachronismus auf der Leinwand lustvoll zelebrierte. Und das reaktionäre Testosteronkino der 1980er Jahre im Handumdrehen auferstehen ließ. Ein Tummelplatz für prominent besetzte Haudegen, Brüder im Geiste und im Kampfe, die sich einem konservativen Ehrgefühl verschrieben haben. Der dritte Streich, erneut von Stallone federführend verantwortet, wenngleich der junge Australier Patrick Hughes (Red Hill) auf dem Regiestuhl Platz nehmen durfte, versucht sich – wenigstens phasenweise – an einer Abwandlung des Grundkonzepts, hebt das Franchise damit aber nicht auf eine neue Stufe.
Wie in den vorangegangen Teilen auch, eröffnet The Expendables 3 mit einem bleihaltigen Actionfeuerwerk, das es durchaus in sich hat, obwohl die digitalen Effekte nicht immer überzeugen können. Nach der Befreiung des früheren Kompagnons Doc (Wesley Snipes) aus einem gepanzerten Gefangenenzug machen sich Barney Ross (Sylvester Stallone) und seine Söldner-Freunde (unter anderem Jason Statham als Lee Christmas) auf den Weg nach Somalia, wo sie einem ruchlosen Waffenhändler das Handwerk legen sollen. Zu ihrer Überraschung handelt es sich bei dem Gesuchten um Conrad Stonebanks (Mel Gibson), ein abtrünniges Gründungsmitglied der Expendables, das eigentlich schon lange tot sein müsste. Da der Einsatz mächtig schiefläuft, CIA-Kontaktmann Max Drummer (Harrison Ford) jedoch auf die Festnahme des Kriegsverbrechers pocht, ringt sich Barney zu einer Kursänderung durch: Um seine alte Truppe nicht unnötig ins Verderben zu führen, wendet er sich von ihr ab und rekrutiert kurzerhand eine jüngere, dem 21. Jahrhundert zugewandte Crew.

Auch wenn der Film bemüht ist, die überraschende Entscheidung des Expendables-Anführers nachvollziehbar zu machen, erscheint sie letztlich nur halbherzig motiviert. Dass Barney nach all den Jahren, in denen er seine Männer ständig tödlichen Gefahren ausgesetzt hat, plötzlich Gewissensbisse bekommt und zudem an eine notwendige Neuausrichtung glaubt, ist – trotz emotionaler Grundierung – dramaturgischer Nonsens, der schnell weitere Probleme nach sich zieht. Hat sich der Rauch der anfänglichen Gefechte einmal verzogen, schalten Stallone und Hughes vorerst in den Leerlauf. Während Barney auf der Suche nach zukünftigen Mitstreitern um die halbe Welt reist, werden Christmas und Co mehr und mehr an den Rand der Handlung gedrängt. Dummerweise bleibt das neue Team (rund um Twilight-Star Kellan Lutz und die Kampfsportlerin Ronda Rousey) im Vergleich mit den erfahrenen Recken allerdings erschreckend blass, was nicht nur den jungen Darstellern, sondern auch dem eher desinteressierten Drehbuch anzulasten ist.

Im Nachhinein entpuppt sich die Frischzellenkur freilich als gezielter Schachzug, um die alten Kämpfer noch eindrücklicher in Stellung zu bringen und ihre – dem Titel zuwiderlaufende – Unverzichtbarkeit zu unterstreichen. Ohne sie kann Barney nicht bestehen, sodass im krachend-ausgedehnten Finale wieder alle Weggefährten aufmarschieren dürfen. Fraglich ist dennoch, ob es diesen Umweg wirklich gebraucht hätte, wo die früheren Abenteuer der Expendables doch gerade von ihrem altmodischen Anstrich und dem bedingungslosen Zusammenhalt zehren.

Wer sich im zweiten Teil an den zahlreichen selbstironischen, fast schon parodistischen Seitenhieben erfreuen konnte, muss dieses Mal etwas geduldiger sein. Trockene Oneliner sind durchaus vorhanden, allerdings deutlich moderater auf die Gesamtlaufzeit verteilt. Amüsante Zwischenspiele erwarten den Zuschauer vor allem dann, wenn der agile Neuzugang Antonio Banderas als dampfplaudernder Scharfschütze und Kindskopf im Bildausschnitt erscheint. Gelungen sind auch die Auftritte von Bösewicht Mel Gibson, der mit seinem überzogen-diabolischen Spiel Action-Übervater Stallone in gemeinsamen Szenen merklich in den Schatten stellt. Weniger Eindruck hinterlassen hingegen Harrison Ford und Wesley Snipes, die oftmals nicht über die Funktion von Stichwortgebern hinauskommen.

Alles in allem ist The Expendables 3 nicht schlechter als seine beiden Vorgänger, da er dem anvisierten Publikum nach wie vor ausreichend (wenn auch zum ersten Mal sehr unblutige) Krawallunterhaltung bietet, der man handwerklich nur selten etwas vorwerfen kann. Gleichwohl hat es fast den Anschein, als wisse Stallone nicht mehr genau, wie er mit seiner eigentlich betont unmodernen Actionreihe umgehen soll.

The Expendables 3

Männer, die nicht viele Worte machen, sondern Fäuste oder Feuerwaffen sprechen lassen. Die schon allerhand gefährliche Abenteuer überstanden haben. Und stets die Drecksarbeit verrichten müssen. Sie sind die Helden der recht erfolgreichen "Expendables"-Filme, mit denen Actionikone Sylvester Stallone bereits zwei Mal den Anachronismus auf der Leinwand lustvoll zelebrierte. Und das reaktionäre Testosteronkino der 1980er Jahre im Handumdrehen auferstehen ließ.
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