The Desert Dream

The Desert Dream

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Berlinale Wettbewerb

Noch mehr Wüste, Stille und Einsamkeit: Nach Tuyas Ehe zeigt auch der koreanische Wettbewerbsbeitrag The Desert Dream/ Hyazgar das abgeschiedene, ärmliche Leben in der Mongolei. Die meisten Wüstenbewohner in dem dürren Landstrich im Grenzgebiet zwischen China und der Mongolei haben ohnehin längst das Weite gesucht, nur Hangai (Bat-ulzii) ist zurück geblieben, überzeugt, er könne mit dem Pflanzen von kleinen Bäumchen den unerbittlichen Kampf gegen die Dürre der Wüste gewinnen. Gleich zu Beginn des Films verlässt ihn seine Frau, die sich mit der kranken Tochter zu einem Arzt nach Ulan Bator auf den Weg macht. Hangai bleibt nicht lange allein, steht doch kurz darauf eine Frau mit einem kleinen Jungen an der Hand vor seiner Jurte. Aus Nordkorea sind sie geflüchtet, der Ehemann ist an der Grenze erschossen wurden.

In langen Einstellungen zeigt Zhang Lus dritter Spielfilm wie Hangai mit der fremden Soon-hee (Seo Jung) und ihrem Sohn zusammen lebt, verbal können sie sich nicht verständigen und reden dennoch miteinander in ihren eigenen Landessprachen. Als Hangai die Lust überkommt und er sich über Soon-hee hermacht, ersticht sie als Zeichen der Abscheu ein Schaf. Immer wieder läuft Soon-hee in die Weite der Wüste hinaus, um am Ende doch wieder in das ärmliche, aber behütete Häuschen Hangais zurückzukehren.

Sowohl Tuyas Ehe als auch The Desert Dream beschäftigen sich mit Menschen, die am Rande der Gesellschaft existieren, einen Lebensstil führen, der im Zeitalter des Internets und der Globalisierung unwirklich und entrückt erscheint. In dem chinesischen Film wird dieses Motiv aus der Perspektive einer Frau gezeigt, in dem koreanischen Beitrag aus der eines Mannes. Bereits in seinem letzten, von der Kritik in Cannes gefeierten Film Grain in the Ear (2005) erzählt Zhang Lu die Geschichte einer alleinstehenden Mutter und ihrem Sohn, die sich ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Kimchi in einer kleinen nordchinesischen Stadt verdient. Rund zwei Millionen Koreaner leben in China – eine Minderheit, die im bevölkerungsreichsten Land mit rund 1,3 Milliarden Einwohnern untergeht. Zhang Lu trägt ihr Schicksal hinaus in die Welt, gibt ihnen ein Sprachrohr und ein Gesicht. Das ist schön anzusehen, verlangt aber dem übermüdeten, abgekämpften Festivalbesucher streckenweise doch etwas zu viel Geduld ab.
 

The Desert Dream

Noch mehr Wüste, Stille und Einsamkeit: Nach Tuyas Ehe zeigt auch der koreanische Wettbewerbsbeitrag Desert Dream/ Hyazgar das abgeschiedene, ärmliche Leben in der Mongolei.

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