The Coast Guard

The Coast Guard

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Donnerstag, 3. September 2009, 3sat, 22:25 Uhr

Es ist das Grauen des so genannten Kalten Krieges zwischen den seit über einem halben Jahrhundert getrennten Teilen Koreas, das dieser Spielfilm von 2002 auf der ganz persönlichen Ebene seiner tragischen Protagonisten schildert. The Coast Guard des koreanischen self-made Regisseurs Kim Ki-Duk wurde 2003 beim Internationalen Filmfestival Karlovy Vary in Tschechien gleich dreifach ausgezeichnet, doch insgesamt wurde das Drama über die Auswirkungen des Wahnsinns absurder politisch-militärischer Restriktionen auf die davon betroffenen Menschen recht zwiespältig rezipiert. Kritiker wie Publikum stoßen sich vor allem an der drastischen Darstellung des tief verstörenden Elends, das sich in schonungslosen, schwer erträglichen Bildern niederschlägt. Doch gefällige Präsentationen des vage Erwarteten sind schlicht nicht die Sache des stets um eine ganz eigene Ästhetik bemühten Regisseurs, der allerdings mit diesem Film durchaus unwegsames Territorium betritt.
Der Soldat Kang (Jang Dong-Gun) ist an der Küste Südkoreas stationiert, die aus Furcht vor nordkoreanischen Spionen unter permanenter, strenger militärischer Überwachung steht. Für den ein wenig sonderbaren Einzelgänger ist sein patriotischer Dienst eine echte Berufung, der er mit ernsthaftem Eifer und hehrer Haltung folgt, die ihm bei Zeiten den Spott seiner Kameraden einträgt. Eines Nachts ereignet sich eine Katastrophe, die folgenschwere Konsequenzen sowohl für die Soldaten als auch für die Zivilbevölkerung dieser Region auslöst: Kang schießt versehentlich auf ein Liebespaar, das im Schutz der Dunkelheit seine Zweisamkeit zelebriert, wobei der Mann tödlich getroffen wird. Damit setzt sich einerseits bei Kang und andererseits bei der jungen Mi-Yeong (Park Ji-A), die traumatisiert überlebt, eine ebenso ungesunde wie gefährliche Entwicklung in Gang, die die repressive Atmosphäre des Militärgebiets eskalieren lässt …

Im Vergleich zu seinen Filmen der letzten Jahre wie Bin-Jip (2004), Hwal – Der Bogen / Hwal (2005) und Soom / Breath (2007), die geradezu als Markenzeichen Kim Ki-Duks stark reduktionistisch angelegt sind, erscheint The Coast Guard mitunter in gleißender und grausamer Üppigkeit, die mit schaurigen Details die stumpf als Normalität deklarierte Beherrschtheit demaskiert, mit der die Menschen in so genannten Krisengebieten immer wieder ihren Alltag zu meistern gezwungen sind. Hier geht es nicht um gangbare Wege der Linderung oder gar um Versöhnung, nicht um seltene Lichtblicke oder einen zarten Trost, sondern um die Wucht des Wahnsinns, der sich von der Ebene des Systems in die konkreten Schicksale der extrem gezeichneten Figuren verlagert, wo er gnadenlos zerstörerisch wuchert. Der Film, der bei 3sat in der Themenreihe „Nie wieder Krieg?“ läuft, stellt ein erschütterndes Drama über die unfassbaren Dimensionen menschlichen Leids dar, das sich einem unbarmherzigen Militarismus ausgeliefert sieht, der hier mitunter wie ein atavistischer Selbstzweck anmutet – ein gewagtes filmisches Pamphlet, das in seiner krassen Form kaum zu gefallen, nichtsdestotrotz aber heftig zu berühren vermag.

The Coast Guard

Es ist das Grauen des so genannten Kalten Krieges zwischen den seit über einem halben Jahrhundert getrennten Teilen Koreas, das dieser Spielfilm von 2002 auf der ganz persönlichen Ebene seiner tragischen Protagonisten schildert. The Coast Guard des koreanischen self-made Regisseurs Kim Ki-Duk wurde 2003 beim Internationalen Filmfestival Karlovy Vary in Tschechien gleich dreifach ausgezeichnet, doch insgesamt wurde das Drama über die Auswirkungen des Wahnsinns absurder politisch-militärischer Restriktionen auf die davon betroffenen Menschen recht zwiespältig rezipiert.
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