The Big White

The Big White

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Fargo light?

Paul Barnell (Robin Williams) hat nicht nur ein Problem, sondern gleich mehrere: Da ist zum einen seine vom Tourette-Syndrom geplagte Ehefrau Margaret (Holly Hunter), die gar nicht anders kann, als immer wieder entsetzlich obszöne Schimpfkaskaden hervorzustoßen und die dringend der Behandlung bedarf. Doch die Krankenversicherung weigert sich standhaft, für die Therapie aufzukommen. Außerdem läuft Pauls Reisebüro schlecht und steht kurz vor der Pleite. Und zuletzt ist da noch Pauls vermisster Bruder Raymond, für den die Lebensversicherung nicht zahlen will, weil die Leiche bislang nicht aufgetaucht ist – Geld, das Paul dringend benötigen würde, um aus dem unwirtlichen kleinen Ort in Alaska endlich abzuhauen und alles hinter sich zu lassen. Als Paul eines Tages einen schockgefrorenen Körper in seinem Müllcontainer findet, erscheint das dem Gebeutelten als ein Wink des Schicksals und prompt gibt er das Fundstück als Raymond aus. Dagegen haben allerdings einige Herren etwas einzuwenden: Zum Beispiel der ebenso beinharte wie misstrauische Versicherungsagent Ted (Giovanni Ribisi), aber auch die Mörder des unbekannten Toten, die den Leichnam ihrerseits als Beweis ihrer ausgeführten Tat brauchen. Und zu guter Letzt taucht noch Raymond (Woody Harrelson) selbst quicklebendig auf und macht beinahe den ganzen schönen Plan seines Bruders zunichte. Es beginnt eine wilde Jagd auf den Leichnam, der außerdem auch das Interesse der Wölfe und Bären erregt…
Natürlich erinnert The Big White von vorne bis hinten an die rabenschwarze und eiskalte Gangsterkomödie Fargo, doch reicht der Film niemals an das große Vorbild der Gebrüder Coen heran. Auch anderes kommt einem reichlich bekannt vor, schon der Titel deutet es an, dass der gute Alfred Hitchcock mit seinem oftmals unterschätzten Immer Ärger mit Harry / The Trouble with Harry (1955) Pate stand. Dann und wann laufen die Akteure, allen voran Holly Hunter, als Tourette-geplagte Ehefrau, zwar zu komödiantischer Höchstform auf, doch selten nur kann man sich des Gefühls erwehren, als sei die Schrägheit und Abstrusität diverser Situationen bauernschlau kalkuliert. Etwas mehr Eigenständigkeit und weniger Orientierung am großen Vorbild hätten dem Film mit Sicherheit gut getan, es bleibt das Gefühl, das alles woanders und womöglich in besserer Form schon mal gesehen zu haben. Aber vielleicht gibt es ja ein Publikum, das gerade das an The Big White schätzt – den schrägen Humor, versetzt mit Elementen, die allesamt nicht neu sind. Aber manchmal hat das ja auch etwas Beruhigendes an sich. Trotzdem: Etwas origineller dürfte es schon sein.

The Big White

Paul Barnell (Robin Williams) hat nicht nur ein Problem, sondern gleich mehrere: Da ist zum einen seine vom Tourette-Syndrom geplagte Ehefrau Margaret (Holly Hunter), die dauernd obszöne Schimpfkaskaden hervorstößt.
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