The Actresses

The Actresses

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Im Käfig der Löwinnen

Es ist Weihnachtsabend in Korea. Gleichzeitig ist es auch ein geschichtsträchtiger Tag in der Historie des Vogue Magazins, denn zum ersten Mal werden sechs berühmte koreanische Schauspielerinnen gleichzeitig ein Covershoot machen. Dass das Vogue Team schon im Vorhinein starr vor Angst ist, hat seine Gründe. Sechs Schauspielerinnen an einem Ort bedeutet auch sechs aufgeblasene Egos an einem Ort. Und so harrt die Crew der Dinge die da kommen mögen, als alle Damen nach und nach das Set betreten. Doch auch sie fürchten sich vor diesem Tag. Schnell wird klar, dass alle mit Ängsten und Minderwertigkeitskomplexen belastet sind. Die eine empfindet sich als zu fett, die andere als zu alt. Die nächste ist so erfolgreich, dass sie Angst hat, gemobbt zu werden. Und dann ist da noch der Frischling. Sie ist jung und hat noch wenig Ahnung vom Business, gerade erst drei Filme gedreht und erstarrt vor Ehrfurcht den großen Damen gegenüber. Als zu allem Überfluss wichtige Utensilien für die Aufnahmen am Flughafen stecken bleiben, sind die Damen gezwungen, länger zu bleiben als erwartet.
Was Regisseur E, J-yong mit The Actresses geschafft hat, ist ein kleines Wunder. In Korea wie anderswo auch, treffen sich Schauspielerinnen maximal bei Verleihungen oder am Set. Der Druck ist so groß, die Konkurrenz zu harsch, dass man sich eigentlich gar nicht kennt und auch nicht kennen will. Umso überraschender ist es, dass er sechs koreanische Koryphäen für sein Projekt gewinnen konnte. Alle Damen spielen sich selbst genau so wie sie sind und haben sogar am Drehbuch mitgearbeitet, um ein Projekt zu starten, dass sie als private Menschen zeigt und auch vom harten Alltag ihres Berufes berichtet. Herausgekommen ist ein wunderschönes, tragikkomisches und gleichzeitig großherziges Portrait. Stark an Robert Altman erinnernd, inszeniert E, J-yong ein ruhiges Kammerspiel, das sich nur an einem Set abspielt.

Zwar beginnt nach dem ersten zaghaften Treffen unter den Damen sofort das Konkurrenzdenken und die Prahlerei. Doch lange können sie ihre Fassaden vor den anderen nicht aufrecht halten. So brechen schon bald Konflikte offen aus und je länger der Abend dauert, desto weniger kommen die Schauspielerinnen umhin miteinander zu reden und zu kooperieren. Dass der Abend bei einem Essen endet, an dem alle sich ehrlich gegenüber von den Tiefschlägen und Verletzungen in ihrem Leben erzählen, hätte wohl keiner gedacht.

Ungefiltert, ungeschönt, dafür offen und manchmal mit brachialer Ehrlichkeit exponieren sich die Frauen vor der Kamera. The Actresses ist eine Mischung aus Fiktion und Dokumentarfilm. Zwar haben sich die Schauspielerinnen in Absprache mit dem Regisseur ein Drehbuch erarbeitet, doch spielen alle Frauen sich selbst. Dabei behandeln ihre Gespräche nicht nur ihre persönlichen Probleme, sondern zeichnen auch ein Bild der koreanischen Gesellschaft, in der wie in keiner anderen ein unglaublicher Druck auf öffentliche Persönlichkeiten herrscht. Heute noch umjubelt, können sie schon am nächsten Tag im Internet beschimpft und niedergemacht werden. Das Business ist hart, doch der Druck in der asiatischen Gesellschaft den Normen zu entsprechen, verlangt fast Übermenschliches. So gab es im letzten Jahrzehnt vor allem in Korea mehrere Fälle von SchauspielerInnen, die online so massiv gemobbt wurden, dass sie sich das Leben nahmen. Dem Druck der Gesellschaft stand zu halten und dabei noch ein fehlbarer Mensch zu sein, davon erzählt The Actresses.

The Actresses

Es ist Weihnachtsabend in Korea. Gleichzeitig ist es auch ein geschichtsträchtiger Tag in der Historie des Vogue Magazins, denn zum ersten Mal werden sechs berühmte koreanische Schauspielerinnen gleichzeitig ein Covershoot machen. Dass das Vogue Team schon im Vorhinein starr vor Angst ist, hat seine Gründe.
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