15:17 to Paris (2018)

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Drei junge Männer, die im Sommer 2015 einen Anschlag in einem Thalys-Zug verhindern konnten, spielen sich in Clint Eastwoods neuer Regiearbeit selbst, stehen in dem biografischen Drama aber weitgehend auf verlorenem Posten.

15:17 to Paris (2018)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Für Großes bestimmt

Dass er ein Faible für alltägliche Helden hat, stellte Hollywood-Altmeister Clint Eastwood zuletzt mit Sully unter Beweis, in dem er die Landung eines Passagierflugzeugs auf dem Hudson River rekonstruierte. Noch einen Schritt weiter geht er nun mit dem biografischen Drama "15:17 to Paris", das drei junge Männer porträtiert, die am 21. August 2015 mithalfen, einen mutmaßlich terroristischen Anschlag im Thalys-Schnellzug 9364 auf dem Weg in die französische Hauptstadt zu verhindern.

Anders als im Fall von Sully greift der Regisseur bei der Besetzung seiner Hauptrollen dieses Mal nicht auf gestandene Darsteller zurück, sondern lässt stattdessen die drei US-Amerikaner Spencer Stone, Alek Skarlatos und Anthony Sadler sich selbst spielen. Eine Entscheidung, die dem biografischen Drama gesteigerte Authentizität verleihen soll, allerdings nicht kaschieren kann, dass Eastwood und Drehbuchautorin Dorothy Blyskal die wahren Begebenheiten erschreckend oberflächlich aufarbeiten. 

Wirklich überzeugend gerät im Grunde nur die Nachstellung des vereitelten Attentats, das – abgesehen von einigen kurzen Einschüben – bloß die letzte Viertelstunde des Films umfasst. Obwohl die Vorfälle an Bord des Zuges den meisten Zuschauern durch die mediale Berichterstattung bekannt sein dürften, gelingt es der Regielegende, eine Atmosphäre intensiver Anspannung zu erzeugen und den Kampf mit dem schwer bewaffneten Täter (Ray Corasani) packend zu inszenieren. Zuvor mutet 15:17 to Paris seinem Publikum jedoch einiges an flacher, klischeegetränkter Charakterzeichnung zu und wird den im Zentrum stehenden Alltagshelden damit sicher nicht gerecht. 

Ärgern kann man sich über die recht platten Einblicke in den Werdegang der seit Schultagen befreundeten Hauptfiguren, die schon in jungen Jahren eine ungesunde Waffenvernarrtheit an den Tag legen. Ein Aspekt, den Eastwood leider zu keinem Zeitpunkt kritisch hinterfragen will. Mit dem Holzhammer führt uns der Film vor Augen, dass es den orientierungslosen Spencer – ebenso wie seinen Kumpel Alek – im Erwachsenenalter beinahe zwangsläufig zum Militär treibt, wo der junge Mann allerdings einen herben Rückschlag erleidet.

Vor allem seinen kurvigen Weg nimmt das Tatsachendrama zum Anlass, um – wenig subtil – einen religiös aufgeladenen Gedanken in die Handlung zu integrieren. Immer wieder ist davon die Rede, dass das Leben für jeden Menschen einen besonderen Plan bereithalte. Kulminieren lässt 15:17 to Paris das penetrante Gerede über die Vorbestimmung schließlich in den Momenten des Anschlags, in denen die drei Freunde selbstlos zur Tat schreiten. Ein Ereignis, für das Spencer, Alek und Anthony – so suggeriert es der Film – quasi auserkoren sind. Bedenkt man Eastwoods generellen Hang zu patriotischen Gesten, muss es nicht verwundern, dass er gegen Ende die Leistung seiner Landsleute noch einmal deutlich unterstreicht: Während einer offiziellen Zeremonie überreicht der damalige Staatspräsident François Hollande den drei Amerikanern für ihr heldenhaftes Handeln den Orden der Ehrenlegion. 

Enttäuschend ist nicht nur die plumpe Art und Weise, wie sich 15:17 to Paris den im Zentrum stehenden, unbestritten mutigen Personen nähert. Für Frustration sorgt auch die Tatsache, dass das Geschehen die meiste Zeit ohne einprägsame Bilder einfach vor sich hin plätschert. Den Europatrip der Protagonisten etwa, der sie irgendwann in den Thalys 9364 führen wird, kleidet der mittlerweile 88-jährige Regisseur in hübsche, aber nichtssagende Postkartenansichten und betont damit nur noch mehr den unreflektierten, banalen Ansatz des gesamten Films.

15:17 to Paris (2018)

Clint Eastwood hat einen neuen Film parat. In "The 15:17 to Paris" kommt es zu einem Terroranschlag in einem Hochgeschwindigkeitszug von Amsterdam nach Paris. An Bord befinden sich auch drei amerikanische Soldaten, die alles daran setzen, den Attentätern das Handwerk zu legen. Der Film basiert auf den wahren Ereignissen an der Grenze zwischen Belgien und Frankreich im Jahr 2015.

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