Tel Aviv on Fire (2018)

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Salam ist Palästinenser und arbeitet sich vom Praktikanten zum Drehbuchautor einer beliebten Fernsehserie vor – und das mit Hilfe eines israelischen Grenz-Kommandeurs. Und plötzlich hat die Serie so richtig Erfolg.

Tel Aviv on Fire (2018)

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

Mit Romantik über alle politische Grenzen

Die beiden ersten Spielfilme von Sameh Zoabi habe man im Ausland kaum wahrgenommen, sagte der Regisseur bei der Premiere auf dem Filmfest München 2019. Mit „Tel Aviv on Fire“ habe er aber wohl den richtigen Nerv getroffen: Denn der Film wird von Festival zu Festival gereicht, füllt Säle und kommt nun auch in die hiesigen Kinos. „Tel Aviv on Fire“ erzählt eine absurde und deshalb so witzige Geschichte über eine gleichnamige Fernsehserie, die Israelis wie Palästinenser gleichermaßen bewegt.

Die Hauptfigur von Tel Aviv on Fire, Salam Abbass (Kais Nashif), hat noch nie etwas recht hinbekommen, weder beruflich noch privat. Aktuell darf Salam als Produktionsassistent bei den Dreharbeiten der beliebten Fernsehserie Tel Aviv on Fire dabei sein, allerdings weniger seiner Fähigkeiten wegen als deswegen, weil er der Neffe des Ideengebers der Serie ist. Salam kann Hebräisch, und weil er einen Dialogsatz so verändert, dass er der Hauptdarstellerin Tala (Lubna Azabal), einer bekannten Schauspielerin aus Frankreich, besser gefällt, erhält er die Chance, am Drehbuch mitzuarbeiten und schließlich die Rolle des Autors zu übernehmen.

Jeden Abend vereint Tel Aviv on Fire das israelische und das palästinensische Publikum vor den Bildschirmen. Beide verfolgen mit Lust die Geschichte einer palästinensischen Spionin, die dabei ist, sich in einen israelischen Kommandeur zu verlieben. Die Serie ist romantisch bis schnulzig und zieht vor allem das weibliche Publikum an. Der Palästinenser Salam soll nun die Dialoge schreiben und tut sich sichtlich schwer. Gut, dass er jeden Tag die Grenze zwischen Israel und dem Westjordanland passieren muss – denn in Grenzkommandeur Assi (Yaniv Biton) hat er einen Verbündeten.

Assi selbst hat die Soap noch nie gesehen, seine Frau aber ist ein großer Fan von Tel Aviv on Fire. Und weil er diese beeindrucken will, schreibt er das Drehbuch, das in seine Hände gelangt, um – und plötzlich feiert die Serie Einschaltrekorde und lockt auch die Herren vor die Bildschirme. Fortan basteln Assi und Salam gemeinsam an den nächsten Folgen der Serie – getrieben von eigenen Zielen und Vorlieben, beeinflusst vom jeweils eigenen Leben und den Gesprächen, die sie mit ihren Liebsten führen.

Schon die Grundkonstellation von Tel Aviv on Fire ist genial, mit Leben gefüllt wird der Film aber von den kleinen Einfällen und einem humorvollen Blick auf den Nahostkonflikt. Der Film nimmt die Situation ernst, aber er spielt damit und findet dabei genau den richtigen Ton, um sein Publikum zum Lachen zu bringen, ohne sich über die eine oder andere Seite lächerlich zu machen. Letztendlich bedient sich der Regisseur derselben Mittel wie seine Figuren – oder natürlich andersherum: Er lässt seine Figuren so agieren, wie er es selbst tun würde: Die Liebe und die Sehnsucht nach Romantik und Harmonie über politische Befindlichkeiten zu stellen.

Darüber hinaus überzeugt Tel Aviv on Fire mit einem grandiosen Situations- und Dialogwitz, den Sameh Zoabi auch bis zum Schluss durchhalten kann. Sein Arrangement von Worten und Situationen wirkt wie ein federleichtes Spiel: Er nimmt einen Satz auf und lässt ihn drei Szenen später wieder aufpoppen, schafft dadurch Beziehungen und Situationen, die gut, mal schön, mal genial und mal lustig sind. Ob Feigen oder Tomaten die Früchte der Liebe sind, diskutiert Salam zunächst mit seiner Nachbarin Mariam (Maisa Abd Elhadi), mit der er einst zusammen war und die er nun wieder für sich gewinnen will. Und das erreicht er auch dadurch, dass er die Diskussion als Dialog seiner Figuren in Tel Aviv on Fire aufnimmt und seine Figuren für sich sprechen lässt – womit er gleichzeitig die Herzen seiner Zuschauer rührt und nicht nur das von Mariam.

Tel Aviv on Fire ist eine gewitzte Komödie, deren Festivalerfolge nicht erstaunen und die sich wunderbar für den Kinosommer eignet: erfrischend und schlau, romantisch und ein bisschen melancholisch. Auf dass sich der Film lange in den deutschen Kinos halte und vielleicht auch das ein oder andere Open Air Kino erobere.

Tel Aviv on Fire (2018)

Der Palästinenser Salam hat gerade ein Praktikum bei der erfolgreichen TV-Soap Tel Aviv on Fire angetreten. Um das Fernsehstudio zu erreichen, muss er täglich den Check-Point zwischen seinem Wohnort Jerusalem und Ramallah passieren. Dort trifft er auf Assi, den israelischen Chef des Grenzübergangs. Um seiner Liebsten zu imponieren, übt Assi zunehmend Druck auf Salam aus, die Serie nach seinen Vorlieben zu gestalten. Doch als sich die Forderungen Assis nicht mehr mit jenen der arabischen Macher vereinbaren lassen, steckt Salam in einem Dilemma.

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