Tee im Harem des Archimedes

Tee im Harem des Archimedes

Eine Filmkritik von Jean Lüdeke

Ein Blick in die Tristesse der Vorstädte

Der in Frankreich lebende Algerier Mehdi Charef gehört zu den wichtigsten Regisseuren des so genannten \"cinema beur\", in dem sich Filmemacher der zweiten nordafrikanischen Einwanderergeneration auf authentische Weise mit den Problemen junger Ausländer in den französischen Ballungsgebieten beschäftigen.
Der autobiografisch geprägte, vorwiegend mit Laiendarstellern besetzte Tee im Harem des Archimedes war einer der ersten und auch besten Filme dieser Gattung. Fernab gängiger Klischees erzählt Charef mit viel Humor und großem Gespür für das Lebensgefühl in den berüchtigten Pariser Vorstädten, den \"Banlieus\", die Geschichte einer Freundschaft, ohne je den belehrenden Zeigefinger zu erheben.

Der 18-jährige Franzose Patrick (Rémi Martin) und der gleichaltrige Algerier Madjid (Kader Boukhanef) leben in einem Vorstadtsiedlung von Paris. Ihr Leben dort ist trostlos - für sie gibt es keine Zukunft. In ihrem Quartier herrschen Armut, Arbeitslosigkeit und Drogenhandel. Patrick hat jeglichen Glauben an eine bessere Zukunft längst aufgegeben, doch Madjid will sich mit seinem jetzigen Leben nicht abfinden und gibt alles, um einen Job zu bekommen. Als er wegen seiner Abstammung nur Ablehnung erfährt, driften die Jungs ins kriminelle Milieu...

Roman-Autor Mehdi Charef verfilmte sein eigenes Buch und schuf damit eine gelungene Mischung aus Asphalt-Western und Milieustudie ohne Sentimentalitäten. Die episodenhaft erzählte Geschichte, die mit dem französischen César ausgezeichnet wurde, führt mit großer Authentizität das Leben von Randgruppen der französischen Gesellschaft vor. Bei allem Realismus gelingt dem Film eine bemerkenswerte Gratwanderung. Nicht belehrend oder politisierend, sondern augenzwinkernd inszenierte Regisseur Charef die kleinen Alltagsfluchten der beiden Protagonisten. Er weiß, wovon er spricht: Ende er Sechzigerjahre kam er als Kind mit seiner algerischen Familie nach Paris, geriet selbst ins kriminelle Milieu und saß im Gefängnis, bevor er jahrelang in einer Werkzeugfabrik arbeitete.

Beim Cannes Film Festival gewann Tee im Harem des Archimedes 1985 den \"Preis des jungen französischen Kinos\". Im selben Jahr erhielt er zudem den wichtigsten französischen Preis des Independent-Kinos, den Jean-Vigo-Preis.

Tee im Harem des Archimedes

Der in Frankreich lebende Algerier Mehdi Charef gehört zu den wichtigsten Regisseuren des so genannten "cinema beur".
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