Tatarak

Tatarak

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Berlinale 2009: Wettbewerb

Poetisch, nachdenklich und klug – von der Art, wie sich Andrzej Wajdas neuer Film Tatarak / Sweet Rush präsentiert, hätte man sich mehr gewünscht im diesjährigen Wettbewerb der Berlinale.
Der Film erzählt zwei „Geschichten“, die beide um das Thema Tod und Vergänglichkeit kreisen. Da ist zum einen die wohl in den Fünfzigern oder Sechzigern angesiedelte Geschichte um Marta (Krystyna Janda), die als Gattin eines Arztes irgendwo in einer Kleinstadt in Polen lebt und die mit dem Verlust ihrer beiden Söhne fertig werden muss, die beide im Krieg fielen. In diesem Sommer – Marta weiß nicht, dass es ihr letzter sein wird, sie ist unheilbar krank – begegnet sie dem jungen und ungestümen Bogud (Pawem Sajda), dem sie sich kaum spürbar annähert. Sie gewinnt das Vertrauen des jungen Mannes, der Probleme mit seiner Freundin hat, weil diese denkt, er sei zu „einfach“. Marta bietet ihm Hilfe an, lädt ihn zu sich nach Hause ein, wo er sich Bücher ausleihen kann, um mit seiner Freundin mithalten zu können. Immer wieder berührt Marta Bogud dabei, zufällig, abwartend, so als sei er einer ihrer gefallenen Söhne oder ein besonders vertrauter Freund. Wenig später verabreden sich die beiden zum Schwimmen, und man ahnt, dass nun die Zeit gekommen sein könnte, dass sich Marta noch ein wenig mehr an Bogud annähert. Doch dann geschieht das Unfassbare – beim Versuch, Röhricht (eben jenen Titel gebenden Tatarak) für Marta vom anderen Ufer zu besorgen, ertrinkt Bogud. Einfach so.

Zwischen den Sequenzen dieses Hauptstranges sitzt die Schauspielerin Krystyna Janda in einem Hotelzimmer und berichtet in einem tief bewegenden Monolog vom Krebstod ihres Gatten, des Kameramannes Edward Klosinski, der auch mit Andrzej Wajda zusammenarbeitete. Ihm ist dieser Film übrigens auch gewidmet.

Film und Realität, Leben und Tod, Rolle und Erfahrungen, sie gehen in Andrzej Wajdas Film eine Verbindung ein, die nachdenklich stimmt und berührt, die unter die Haut geht, die aber niemals ins Pathetische oder Weinerliche abgleitet. Ein gelungener Film, den mit dem Pathos von Wajdas letztem Werk Katyn, das im vorigen Jahr auf der Berlinale zu sehen war, nichts verbindet. Und genau deshalb, weil er auf alle großen Gesten verzichtet, den Figuren Raum lässt und genau beobachtet und registriert, kann man sich der melancholisch-sommerlichen Stimmung von Tatarak / Sweet Rush kaum entziehen.

Tatarak

Poetisch, nachdenklich und klug – von der Art, wie sich Andrzej Wajdas neuer Film Tatarak / Sweet Rush präsentiert, hätte man sich mehr gewünscht im diesjährigen Wettbewerb der Berlinale.
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