Swimming with Men (2018)

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Plansch oder plansch nicht: Eric, ein blasser Buchhalter Anfang 40, schwimmt mitten im Midlife-Crisis-Blues. Prompt schließt er sich einer bunt zusammengewürfelten Männerrunde an, die gerade im Hallenbad übt und an den Weltmeisterschaften für Synchronschwimmer teilnehmen möchte.

Swimming with Men (2018)

Eine Filmkritik von Simon Hauck

Lach oder lach nicht

Der englische Humor kann voller Zynismus (wie in Black Adder) sein. Er kann sich genauso gut nach außen hin intellektuell überlegen und gleichzeitig staubtrocken geben: Mit dieser Methode durchzieht unter anderem Peter Greenaway seit Jahrzehnten seine enigmatischen Bilderwelten. Natürlich trägt er oft genug auch viele wild-anarchische Züge in sich wie man das beispielsweise aus den schrägen Gag-Arien der weiterhin unverschämt guten Monty-Python-Truppe kennt. Oder er birgt sogar, sozusagen in der Königsklasse des Humors, die Fähigkeit in sich, durch schlichtweg extrem kleine Mittel extrem große Wirkungen hervorrufen zu können: Mit diesem Stilmuster ist zum Beispiel Rowan Atkinson weltberühmt geworden, den inzwischen wirklich jeder auf dem gesamten Globus als skurril-tollpatschigen Mr. Bean kennt – und liebt.

Dementsprechend schnell vergeht einem das Lachen, wenn man sich Oliver Parkers Swimming with Men ansieht. Denn ist hier wirklich überhaupt nichts witzig, spritzig oder irgendwie prickelnd: Von echten Überraschungen im Plot (Drehbuch: Aschlin Ditta) oder herausragendem Schauspiel ganz zu schweigen. Alles wirkt wie schon zigfach gesehen und leider keine einzige Figur aus diesem durchaus prominent besetzten Ensemblefilm (z.B. mit Rob Brydon, Rupert Graves oder Jim Carter) geht einem tatsächlich an Herz und Nieren: Die Höchststrafe für eine moderne comedy made in Britain.

Selbst die Ursprungsidee, ja im Grunde sogar das gesamte Filmkonzept, ist abgekupfert und gleichfalls ebenso wenig erheiternd: Wer nämlich die schwedische Komödie Männer im Wasser (Regie: Mans Herngren) oder den ebenfalls schwedischen Dokumentarfilm Men Who Swim (2010) kennt, wird vieles in Parkers Film unverhofft oft wiedererkennen, nur eben im falschen – und deutlich schlechteren – Film. Im Zentrum dieser mäßig gelungenen buddy-comedy für gelangweilte Steuerfachleute, die innerlich von Ausbrüchen und Neuanfängen träumen und doch statt auf einer einsamen Insel im nächstgelegenen Hallenbad landen, steht Eric, den der britische Star-Komiker Rob Brydon von Anfang an erstaunlich blass verkörpert: Mit einem fahlen Gesichtsausdruck, der sich auch in den nächsten, wenig erheiternden 94 Minuten lediglich marginal verändern wird.

Mit Anfang 40 fühlt sich der Steuer- und Offshore-Fachmann seltsam ausgebrannt. Zudem ödet ihn seine nüchterne Zahlenarbeit im scheinbar unendlichen Tagesrhythmus anonymer Großraumbüros immer mehr an. Und parallel nimmt die alltägliche Familienparanoia in Erics Kopf weiter zu, weil seine Frau Heather (Jane Horrocks), eine eben erst gewählte Lokalpolitikerin, gerade Karriere macht und seiner Meinung nach parallel fremdgeht.

Was nun thematisch einige Steilvorlagen für landestypischen, offen politisch gefärbten bottom-up-Humor mit reichlich Subversionspotential liefern würde, gerät in Oliver Parkers!) müder Regie frühzeitig zu einer lediglich minimal skurril angelegten romantic comedy mit Durchschnittstypen im Synchronschwimmbecken, der es in erster Linie an Esprit und Geschmeidigkeit fehlt: Dagegen helfen auch keine aufgesetzt wirkenden Schnell-Schnitt-Montagen von Liana Del Giudice im gefühlten Minutenrhythmus, die sich zudem mit besonders enervierenden Fahrstuhlmusiken im Dudel-Modus (Musikgestaltung: Charlie Mole) perpetuierend abwechseln.

Auch weitere, typisch britische Humorvarianten im Sinne des Grotesken oder Karnevalesken sucht man in Parkers Swimming with Men bis zum vollkommen ungenießbaren Seifenblasen-Ende vergebens. Und so plätschert diese wenig wagemutige Männerrunden-Komödie, die sich deutlich besser als geistreiches Dramolett denn als abendfüllender Spielfilm erzählen ließe, ausgehend von den ersten Trainingseinheiten bis hin zur Teilnahme an der inoffiziellen Männersynchronschwimm-WM in Mailand einfach nur so dahin. Selbst die Unterwasseraufnahmen oder Synchronschwimm-Elemente geraten in der weitgehend farblosen Bildgestaltung David Raedekers alles andere als vital.

Nein, was hier laut Verleihangaben als „Ganz oder gar nicht in Badehosen“ angepriesen wird, ist in Wirklichkeit ein lahmer Sprung ins Wasser. Da spritzt es auch nur einmal auf. Der Rest sind müde Wellenbewegungen.

Swimming with Men (2018)

Eric steckt tief in der Midlife-Crisis und findet neue Bedeutung für sein Leben an einem ganz unerwarteten Ort - einem Amateur-Schwimmteam für männliche Sychronschwimmer.

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