Sweetwater

Sweetwater

Eine Filmkritik von Jennifer Borrmann

Rache ist süß – und gut gekleidet

Ein Mann, seine langen weißen Haare flattern konfus um sein Gesicht, steht alleine in der unendlichen Weite der Prärie. Es ist schon finster, er rezitiert Gedichte, ruft sie seinem Echo entgegen, spricht mit sich selbst und heult wie ein Kojote. Ein Narr. Ein Narr? Sheriff Cornelius Jackson (Ed Harris) bevorzugt den Ausdruck „ungewöhnlich“. Aber selbst wenn Menschen ihn als verrückt abstempeln, so spricht der Narr, auch der ungewöhnliche, immer die Wahrheit und so ist der Priester im Film selten vertrauenswürdig – vor allem hier nicht.
Das Westerngenre liebt seine stark gezeichneten Charaktere. Der einsame Cowboy, der umherreitend seinem Ehrenkodex oder dem des Gesetzes folgend, für das Gute kämpft. Auf der anderen Seite der Böse, der die Regeln selbst und dazu falsch auslegt. Ed Harris spielt den plötzlich auftauchenden und verkorksten Sheriff mit phantasievoller Inbrunst und tänzelnder Magie. Er ist eine Art Jack Sparrow für Erwachsene; nur ist der Mann in der Prärie viel eleganter und komplexer als die Piratenversion.

Auf der anderen Seite lebt der selbsternannte Prophet Josiah zwar auch in seiner eigenen Welt, nennt sein Land gar „Holy Land“, agiert jedoch losgelöst jeglicher Gesellschaftskonventionen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass er jeden und alles tötet, was ihm nicht passt. Bosheit, messianischer Inkarnationsglaube und Kompromisslosigkeit der Figur erinnern stärker an Brother Justin Crowe (Clancy Brown) in Carnivàle als an Harry Powell (Robert Mitchum) in Night of the Hunter. Sein sektiererisches Verhalten spiegelt sich in einer Allee aus Kreuzen, die zu seinem Haus führen, seinen Uniform tragenden Jüngern. Er predigt Rassismus und weiß um seine glorreiche Zukunft auf dem Thron neben Gott.

Den beiden Antagonisten wird eine starke Frau entgegengestellt. Sie kämpfen nicht, wie häufig im Western, um diese Frau, jedoch steht sie zwischen den beiden Männern. Denn Sarah (January Jones) will sich an Josiah, dem Mörder ihres Mannes, rächen. Dem ist jedoch auch der Sheriff wegen anderer Morde auf der Spur. Während die nun auffällig elegant und Western unüblich knallfarbig gekleidete Sarah eine Blutspur hinter sich herzieht, versucht sich Jackson an der Aufklärung von mindestens sechs Morden – und es werden immer mehr…

Neben dem ausdrucksstarken Hauptdarsteller-Cast, verstecken sich auch in winzigen Nebenrollen wunderbare Schauspieler: Als Sarahs Mutter ist die häufig unterschätzte Amy Madigan, Harris‘ Ehefrau, zu sehen. Als schmieriger Banker Hugh zeigt Stephen Root einmal wieder, wie wandlungsfähig er ist. Der Film ist so voraussehbar wie konventionell – das tut ihm jedoch nichts ab. Die Variation des Themas ist durch Farbeinsatz, außergewöhnliche Protagonisten und die einfallsreiche Kameraarbeit von Brad Shield sehr lebendig, mitreißend und erfrischend witzig.

Sweetwater

Ein Mann, seine langen weißen Haare flattern konfus um sein Gesicht, steht alleine in der unendlichen Weite der Prärie. Es ist schon finster, er rezitiert Gedichte, ruft sie seinem Echo entgegen, spricht mit sich selbst und heult wie ein Kojote. Ein Narr. Ein Narr? Sheriff Cornelius Jackson (Ed Harris) bevorzugt den Ausdruck „ungewöhnlich“.
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