Sweethearts (2019)

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Die Schauspielerin Karoline Herfurth hat ihren zweiten Spielfilm inszeniert. In dieser Komödie stellt sie eine überspannte Frau mit Panikattacken dar, die von einer Juwelenräuberin auf der Flucht als Geisel genommen wird. Die ungleichen Frauen entdecken, dass sie eine gewisse Sympathie verbindet.

Sweethearts (2019)

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Eine Geiselnahme, die zusammenschweißt

Franziska Kinnert, genannt Franny (Karoline Herfurth), wird mitten in Berlin entführt und mit der Waffe bedroht. Eine Weile später will die Geiselnehmerin Mel (Hannah Herzsprung), die sie als Schutzschild benutzte, um nach einem Juwelenraub zu fliehen, ihr Opfer gehen lassen. Doch Franny will nicht, wo soll sie denn hin? Im Büro hat man ihr gerade erst eine Auszeit aufgenötigt, wegen ihrer Panikattacken.

Von diesen Attacken der überspannten Frau kann auch Mel ein Lied singen. Ihretwegen konnte sie die Diamanten nicht wie geplant verkaufen. Franny fährt also weiter bei Mel im Auto mit. Zwischen den ungleichen Frauen, die beide aus ihrem verkorksten Leben ausbrechen wollen, bahnt sich so etwas wie Freundschaft an. Eigentlich hätte es auch mehr sein können, der erste Blick, den Franny ihrer Entführerin im Auto zuwarf, deutet zumindest noch darauf hin. Doch die Komödie, die Karoline Herfurths zweite Spielfilm-Regiearbeit nach SMS für Dich darstellt, bleibt dann doch sicher im Mainstream verhaftet. Die Produktion von Warner Bros., für die Herfurth und Monika Fäßler das Drehbuch schrieben, streut ihre Reize breit. Sie setzt nicht nur auf diese Frauenfreundschaft à la Thelma & Louise, sondern stellt Franny auch noch einen Harry (Frederick Lau) zur Seite, in den sie sich verlieben kann.

Harry ist ein verkrachter, leidgeprüfter Polizist, der wieder Streife fährt, seit ein SEK-Einsatz gründlich danebenging. Er läuft den beiden Frauen über den Weg, erkennt Franny anhand eines Fotos und wird von Mel kurzerhand gekidnappt. Im Motelzimmer an den Heizkörper gekettet, zeigt er sich Frannys Annäherungsversuchen gar nicht abgeneigt. Er hat aber nicht damit gerechnet, dass die so schutzbedürftig wirkende Franny wild entschlossen ist, ihre Freundin nicht im Stich zu lassen. Tja, Männer sind nicht mehr unangefochten das Maß aller Dinge im Leben von Frauen.

Mel, die eine kleine Tochter hat, will weg von ihrem bedrohlichen Gangsterfreund und Boss Frank (Ronald Zehrfeld). Emanzipation sorgt auch beim SEK für Aufregung, denn hier führt die äußerst ruppige Ingrid von Kaiten (Anneke Kim Sarnau) das Kommando und scheucht ihren ungeliebten Assistenten Timmsen (Frederic Linkemann) mit Befehlen und demütigenden Kommentaren herum.

Diese prägnanten, zum Teil schrägen Frauencharaktere wirken eine ganze Weile spannend und schüren die Neugier, wohin sich die Geschichte noch entwickeln könnte. Neben deutlichen Bezügen zu Thelma & Louise geht es jedoch bald mehr in die Richtung eines launigen Tatort-Krimis, bei dem die Befindlichkeit der Ermittler fast so wichtig wie der Fall selbst ist. Nach dem Vorbild amerikanischer Spielfilme aber müssen die Beamten hier nicht immer unter allen Umständen korrekt und unbestechlich bleiben. Dafür ist das Leben doch einfach zu bunt – und die Komödie zu kindisch und realitätsfern. Eine gelungene Parodie auf den Zeitgeist gelingt David Schütter in der Rolle eines gestressten Streifenpolizisten, der sich im Dienst um sein Baby kümmern muss.

Schade, dass Karoline Herfurth anders als bei ihrem Erstlingsfilm nicht mehr aufs Gefühl, auf die Glaubwürdigkeit der Charaktere setzt. Als Schauspielerin entfaltet sie zwar wieder viel eigenwilligen, mädchenhaften Charme und auch hübschen Slapstick, während Hannah Herzsprung als die taffe, aber nicht herzlose Mel darstellerisch nicht so recht zur Geltung kommt. Aber gerade im Hinblick auf Thelma & Louise wird den Zuschauern wehmütig bewusst, was diese neue, so flott und unbekümmert zusammengebastelte Konsumware nicht hat: ein tiefergehendes, nennenswertes Interesse an ihren Figuren und eine Geschichte, der das eigene Personal nicht auf halbem Weg zur Bürde wird.

Sweethearts (2019)

Zwei wie Feuer und Wasser: Franny ist beruflich wie privat völlig orientierungslos mit starker Tendenz zu Panikattacken. Dagegen ist die alleinerziehende Mutter Mel eine toughe Selbstversorgerin, die sich und ihrer Tochter mit einem Diamanten­-raub ein besseres Leben verschaffen möchte. Doch so gut Mels Plan auch ist – die Durchführung entwickelt sich eher suboptimal, und niemand hätte ihr je gewünscht, ausgerechnet Franny als Geisel am Hals zu haben …

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