Susos Turm (2007)

Susos Turm (2007)

Eine Filmkritik von Silvy Pommerenke

Von oben betrachtet sieht die Welt ganz anders aus

Was der Tod eines Freundes nicht alles auslösen kann. Trauer selbstredend auch, aber in erster Linie wollen es seine alten Kumpels so richtig krachen lassen und ein Besäufnis wie in alten Tagen hinlegen. Dafür reist Cundo extra aus Argentinien nach Asturien und die Wiedersehensfreude ist – trotz des tragischen Anlasses – groß. Aber ob man mit vierzig und leichtem Übergewicht immer noch wie ein Junger zechen kann?

Gleich bei der Autovermietung in Spanien hat Cundo (Javier Cámara) eine Begegnung mit seiner Vergangenheit: Marta (Malena Alterio) stellt ihm die Papiere für den Leihwagen aus, nicht ohne ihn – der sie natürlich nicht erkannt hat – darauf hinzuweisen, dass sie ihre Entjungferung im Gegensatz zu ihm nicht vergessen habe und dem dezenten Hinweis darauf, dass er dick geworden sei. Cundos Figurprobleme ziehen sich als Running Gag durch den ganzen Film, denn dass er etwas aus den Fugen geraten ist, fällt natürlich ebenso den anderen auf. Viel durchtrainierter sind seine Kumpels allerdings auch nicht, außer dass Fernando (Gonzalo de Castro) den unschlagbaren Vorteil hat, die Jugendliebe Cundos geheiratet zu haben. Rosa (Fanny Gautier) leidet allerdings unter der Keuschheit ihres Gatten, so dass sie dann doch wieder mit Cundo liebäugelt. Der trifft allerdings immer wieder auf Marta, die ihn mit nächtlichen Mahlzeiten und Rotwein über allerlei Missgeschicke hinwegtröstet. Der grobschlächtige Mote (César Vea) sorgt zwischendurch immer wieder für handfeste Auseinandersetzungen, indem er Pablo (José Luis Alcobendas) damit aufzieht, dass dessen Freundin als Prostituierte arbeitet (die er selbstredend gegen Barzahlung auch regelmäßig aufsucht). Wozu braucht man Feinde, wenn man Freunde hat? Die Einzige, die sich nicht wirklich über Cundos plötzliches Auftauchen freut, ist seine Mutter Mercedes (Mariana Cordero), deren Leben ausschließlich daraus besteht ihrem Mann Tino (Emilio Gutiérrez Caba) warmes Essen zuzubereiten und den Haushalt zu erledigen. Aber was wäre das häusliche Leben ohne die Rebellion der Hausfrau, so dass ein weiterer Running Gag darin besteht, dass Mercedes – statt die Mäuler ihres hungrigen Sohnes und Ehemannes zu stopfen – das Mittagessen lieber theatralisch im Garten entsorgt. Und dann ist da auch noch das Bauvorhaben eines Aussichtsturmes, das die vier Freunde zu Ehren ihres verstorbenen Kumpels umsetzen wollen. Dies war sein letzter Wille, denn von oben betrachtet sieht die Welt ganz anders aus ...

Die spanische Komödie Susos Turm wirft bei all ihrer Komik durchaus philosophische Fragen auf. So geht es um den unbestreitbaren Wert von Freundschaften, um das Ausbrechen aus vorgefertigten Lebensmodellen, und vor allem darum, dass man Dinge aus einer anderen Perspektive betrachtet plötzlich ganz anders wahrnimmt. Der Suos'sche Turm wird somit zur Metapher für die Lebenspläne der vier Freunde, die nach dem Zusammentreffen alle einen neuen Weg einschlagen. Neben dieser tiefsinnigen Ausdeutung des Filmes stehen aber in erster Linie die vier Freunde und die kauzige dörfliche Gemeinschaft im Vordergrund, die zu so manch komischer Szene führen. Sei es, dass Cundos Vater nie darüber nachgedacht hat, dass er seine Ehefrau auch lieben könnte, dass Marta an scheinbar sämtlichen Arbeitsstellen des Dorfes umtriebig ist oder dass Cundo – der eigentlich gar nicht so übergewichtig ist – mit handwerklichem Missgeschick den letzten Wunsch seines Freundes in die Tat umsetzen will. Spanisches kurzweiliges Kino, das eine südländische Lebensweise von Tapas, Vino und Lebenslust mit zarter Melancholie verbindet und einem großartigen Javier Cámara als Cundo in der Hauptrolle.
 

Susos Turm (2007)

Was der Tod eines Freundes nicht alles auslösen kann. Trauer selbstredend auch, aber in erster Linie wollen es seine alten Kumpels so richtig krachen lassen und ein Besäufnis wie in alten Tagen hinlegen. Dafür reist Cundo extra aus Argentinien nach Asturien und die Wiedersehensfreude ist – trotz des tragischen Anlasses – groß. Aber ob man mit vierzig und leichtem Übergewicht immer noch wie ein Junger zechen kann?

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