Summer Palace - Cannes 2006

Summer Palace - Cannes 2006

Gilt er oder gilt er nicht?

Schwierigkeiten mit den chinesischen Zensurbehörden konnten nicht die Aufführung des einzigen asiatischen Wettbewerbsbeitrags, Summer Palace, beim Filmfestival Cannes verhindern. Die chinesische Zensurbehörde verweigerte bislang die benötigte Freigabe für eine internationale Aufführung mit der Begründung, die ihr vorgelegte Kopie sei zu „unscharf“ und der Ton „schlecht“, so dass man den Film nicht beurteilen könne. Ob der Film nun tatsächlich „offiziell“ am Wettbewerb teilnehmen kann, steht damit immer noch in den Sternen. Dies ist jedoch nicht das erste Mal, dass Regisseur Lou Ye derartige Probleme mit den Behörden seines Heimatlandes hat. Für seinen Film Suzhou River (2000), der ebenfalls ohne offizielle Genehmigung auf internationalen Festivals lief, erhielt er ein zweijähriges Berufsverbot.

Doch zurück zum Film. Summer Palace thematisiert den gesellschaftlichen Wandel im modernen China und greift auch ein politisches Tabu auf, die Ereignisse am Platz des Himmlischen Friedens im Jahre 1989. Der Film folgt seinen Protagonisten in den Jahren 1987 bis 2001. Die schöne Yu Hong (Hao Lei) verlässt ihr Heimatdorf, um in Peking zu studieren. Dort entdeckt sie eine vollkommen neue Welt, auch die der Sexualität und Erotik. Sie verliebt sich in ihren Kommilitonen Zhou Wie (Guo Xiaodong). Doch ihre Beziehung entwickelt sich vor dem Hintergrund politischer Unruhen, als immer mehr Studenten sich Protesten anschließen und von den chinesischen Machthabern Demokratie und Freiheit verlangen. Der Film endet jedoch nicht mit dem unterdrückten Aufstand am Platz des Himmlischen Friedens, sondern mit der direkten Konfrontation mit den ersehnten westlichen Werten und Denkweisen.

Sicher auch befeuert durch die chinesischen Zensurbestrebungen genießt Summer Palace ein großes Presseecho. Immer wieder hervorgehoben wird die großartige Hauptdarstellerin Hao Lei. Wächst hier etwa Konkurrenz für die chinesischen Schauspielgrößen Gong Li und Zhang Ziyi, in diesem Jahr Mitglied der Jury in Cannes heran?

Die Süddeutsche Zeitung bescheinigt dem Film, dass er neue Maßstäbe an politischer und erotischer Sprengkraft im chinesischen Film setzt. Der Spiegel hingegen charkaterisiert Summer Palace als einen „Erotikfilm“ und fokussiert auf die erotischen Momente des Dramas. Auch der Hollywood Reporter lobt Hao Leis Performance, kritisiert den Film jedoch als überlang. Variety schlägt in die gleiche Kerbe. Insbesondere der zweite Teil des Films müsste gekürzt werden, befindet Derek Elley.

Summer Palace - Cannes 2006

Schwierigkeiten mit den chinesischen Zensurbehörden konnten nicht die Aufführung des einzigen asiatischen Wettbewerbsbeitrags, Summer Palace, beim Filmfestival Cannes verhindern.

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