Sugar Hill (Cine Selection - Limited Edition)

Sugar Hill (Cine Selection - Limited Edition)

Eine Filmkritik von Stefan Dabrock

Der leise Tod

Der 1993 entstandene Gangsterfilm Sugar Hill kam in Deutschland nie in die Kinos, sondern direkt in die Regale der Videotheken. Deswegen gehört er zu den relativ unbekannten Werken der frühen 1990er Jahre, in denen vermehrt afroamerikanische Hauptfiguren auftraten. Doch es lohnt sich, Leon Ichasos melancholische Mischung aus Thriller und Drama zu entdecken.
Als Kinder haben Roemello (Wesley Snipes) und Raynathan Skuggs (Michael Wright) mit ansehen müssen, wie ihre Mutter Ella (Khandi Alexander) an einer Überdosis Heroin gestorben ist. Ihr Drogen verkaufender Vater (Clarence Williams III) wurde von seinen Auftraggebern vor ihren Augen zum Krüppel geschossen, weil er sich selbst bereichert haben soll. Doch in Harlems Viertel Sugar Hill bieten sich nicht viele Verdienstmöglichkeiten und so arbeiten die inzwischen erwachsen gewordenen Brüder mit dem italienischen Mafiosi Gus Molino (Abe Vigoda) zusammen, der für die martialische Bestrafung ihres Vaters mitverantwortlich ist. Als Drogenhändler haben Roemello und Raynathan ein ordentliches Vermögen erwirtschaftet, aber Roemello empfindet angesichts seiner festgefahrenen Lebenssituation eine tiefe Leere. Er möchte gerne aussteigen und mit der attraktiven Melissa (Theresa Randle) eine Familie gründen, aber sein Bruder kann sich kein anderes Leben vorstellen. Die familiäre Bande sowie Territorialstreitigkeiten mit dem unvermittelt auftauchenden Konkurrenten Lolly (Ernie Hudson) bringen Roemello in eine lebensbedrohliche Lage.

Seine Versuche, die Kontrolle zu behalten, wird von klagenden Jazzklängen untermalt. Während Roemello durchs nächtliche Harlem wandelt, verleihen sie dem städtischen Raum die tragische Dimension einer wuchtigen Dramakulisse. Die Musik passt perfekt zu den stilistisch ausgefeilten Bildern, mit denen Kameramann Bojan Bazelli eine entrückte Atmosphäre erschaffen hat. Dank warmen Lichts, nächtlicher Szenerien voller Glanz und zahlreicher Brauntöne erinnert Sugar Hill weniger an die damalige Gegenwart der 1990er als vielmehr an vergangene Zeiten. Darin kommt jedoch keine Romantik zum Ausdruck, die das sichtbare Leid verdeckt, sondern ein Sehnsuchtsbild, das parallel dazu Emotionen über ein mögliches, besseres Leben weckt. Die klagende Melancholie der Musik verbindet sich mit der Schönheit der Bilder zu einer bittersüßen Einheit aus Tod und Traum. Denn die Gewalt ist angesichts einiger Mordanschläge immer gegenwärtig.

Roemello reagiert darauf mit strategischer Tatkraft, ohne dass er seinen Bruder im Zaum halten kann. Innerhalb des komplexen Sozialgefüges in Sugar Hill prallen die Interessen verschiedener Menschen aufeinander, die den Verfall vorantreiben. Zwischen Drogenhandel und -konsum, Macht- und Profitgier wird Sugar Hill langsam zerrieben. Die Misere des Elends bleibt trotz der Schönheit vieler Bilder nicht verborgen, weil Sugar Hill mit eindringlich gelassenem Tempo erzählt ist. Das Schicksal des Vaters, der als drogenabhängiger Krüppel nur noch ein Schatten seiner selbst ist, brennt sich auf diese Weise ein. Der Duft des Todes umweht die Figuren des Films, während der Traum von einem angenehmen Leben immer präsent bleibt. Das Nebeneinander aus Melancholie, Verwesung und romantischer Sehnsucht – in den besten Momenten sogar in einem Bild vereint – trägt zur berührenden Kraft des Films bei. Sugar Hill ist großes Drama.

Sugar Hill (Cine Selection - Limited Edition)

Der 1993 entstandene Gangsterfilm "Sugar Hill" kam in Deutschland nie in die Kinos, sondern direkt in die Regale der Videotheken. Deswegen gehört er zu den relativ unbekannten Werken der frühen 1990er Jahre, in denen vermehrt afroamerikanische Hauptfiguren auftraten. Doch es lohnt sich, Leon Ichasos melancholische Mischung aus Thriller und Drama zu entdecken.
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