Streif - One Hell of a Ride

Streif - One Hell of a Ride

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Die berüchtigste Abfahrt im Ski-Weltcup

Im Januar 2015 findet in Kitzbühel das 75. Hahnenkammrennen mit den Disziplinen Abfahrt, Super-G, Kombi-Slalom und Slalom statt. Die 3312 Meter lange, als "die Streif" bekannte Abfahrtsstrecke gilt als die schwierigste und gefährlichste im alpinen Ski-Weltcup. Etliche der männlichen Athleten, die hier an den Start gehen, würden nach eigener Aussage einen Sieg auf der Streif jedem anderen sportlichen Triumph vorziehen. Der Dokumentarfilm des Österreichers Gerald Salmina begleitet fünf Sportler vom Rennen 2013 bis zum Wettbewerb des nächsten Jahres. Er blickt zurück in die Geschichte der Rennstrecke, fängt Stimmen von Sportlegenden wie Franz Klammer oder Hermann Maier ein und schaut den Organisatoren in Kitzbühel über die Schulter. Als Erzähler fungieren zwei Streif-Veteranen, der fünfmalige Abfahrtssieger Didier Cuche aus der Schweiz, der zuletzt 2012 im Alter von 37 Jahren den ersten Platz holte, und Daron Rahlves, der 2003 als erster US-Amerikaner das Rennen gewann. So entsteht eine vielseitige filmische Hommage an eine legendäre Rennstrecke aus der Sicht der Ski-Athleten. Der Film interessiert sich neben der sportlichen Herausforderung aber auch für die Risiken im Skirennen, speziell auf dieser schmalen Strecke, auf der die Athleten zu Sprüngen gezwungen und Geschwindigkeiten von über 140 km/h erreicht werden.
Salmina, der mit Mount St. Elias 2009 einen Dokumentarfilm über Extremsportler auf Skiern inszenierte, richtet den Blick auch hier auf die Bereitschaft der Athleten, an die Grenzen des Machbaren zu gehen. Knapp zwei Minuten dauert die Abfahrt auf der Streif, aber wer sie besteht, freut sich auch nur darüber, unverletzt zu sein. Die Schnittchoreografie und die Musik zelebrieren dieses Rennen als testosteronhaltige Mutprobe.

Zeitlupenaufnahmen machen sichtbar, wie stark die Ski während der Fahrt vibrieren. Damit die Sportler dabei auf den Beinen bleiben und den Kurs halten können, muss das Training im Laufe des Jahres sowohl die Kraft, als auch die Körperbeherrschung und die Reflexe schulen. Salmina und sein Team haben, um dem Film mehr narrative Spannung zu verleihen, fünf unterschiedliche Charaktere bei der Vorbereitung auf die Saison 2014 begleitet und sind ihnen dabei auch in andere Länder gefolgt.

Zu den Porträtierten zählen die zwei Topfavoriten der Hahnenkamm-Abfahrt 2014, der kanadische Familienvater Erik Guay – der dann aber wegen einer Verletzung doch nicht startet - und der norwegische Medienstar Aksel Lund Svindal. Der Österreicher Max Franz spielt im Film die Rolle des jungen Draufgängers. Aber der spektakuläre Sieg gehört schließlich seinem besonnenen Landsmann Hannes Reichelt, der die Strecke trotz starker Rückenschmerzen bewältigt. Erst danach erfährt er, dass er einen Bandscheibenvorfall hat und operiert werden muss. Der 23-jährige Yuri Danilochkin aus Weißrussland, der in Begleitung seiner Mutter anreist, gilt als Außenseiter im Skizirkus. Er ist so knapp bei Kasse, dass er auf der Fahrt zu den Austragungsorten des Weltcups schon mal im Auto übernachten muss. Dass Spitzensport immer auch eine Geldfrage ist, hält den Enthusiasten aber nicht davon ab, auch unter viel schlechteren Bedingungen als die Konkurrenz zu starten.

Lebensgefährliche Stürze sind auf der Streif keine Seltenheit. Der Schweizer Daniel Albrecht und der Österreicher Hans Grugger erzählen über ihre Unfälle, die ihre Karriere beendeten, und den langwierigen Prozess der Rehabilitation. Archivmaterial ab den Anfängen im Jahr 1937 und die immensen Probleme der Veranstalter mit dem milden Wetter vor dem Rennen 2014, das sogar eine Kursänderung verpasst bekam, komplettieren den Inhalt auf spannende Weise.

Während der Rennwoche 2014 sind dann 18 Kamerateams in Kitzbühel für den Film im Einsatz. Die Abfahrtsläufer werden aus allen erdenklichen Positionen gefilmt und eine Seilkamera folgt ihnen auf einer über 600 Meter langen Strecke aus der Vogelperspektive ins Ziel. Die abwechslungsreiche, schnittintensive Montage macht den Film zu einem besonderen Erlebnis. Gleichwohl werden vor allem gegen Schluss einige Passagen zwischen Bangen und Hoffen arg zerdehnt. Insgesamt ist Streif – One Hell of a Ride aber ein gelungener, sehenswerter Sport-Dokumentarfilm, selbst für Zuschauer, die nicht zum Stammpublikum des Ski-Weltcups gehören.

Streif - One Hell of a Ride

Im Januar 2015 findet in Kitzbühel das 75. Hahnenkammrennen mit den Disziplinen Abfahrt, Super-G, Kombi-Slalom und Slalom statt. Die 3312 Meter lange, als "die Streif" bekannte Abfahrtsstrecke gilt als die schwierigste und gefährlichste im alpinen Ski-Weltcup. Etliche der männlichen Athleten, die hier an den Start gehen, würden nach eigener Aussage einen Sieg auf der Streif jedem anderen sportlichen Triumph vorziehen.
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Meinungen
Bernhard Gandolf · 15.01.2015

Grandioser Film. Sehenswert. Keine Verklärung. Etwas viel Werbung für Red Bull, aber sonst 1a.

Kommentare

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