Straw Dogs

Straw Dogs

Eine Filmkritik von Renatus Töpke

Gewalt und Gegengewalt

Sam Peckinpah, an Hollywood und Schnaps zugrunde gegangen, hat in seinen Filmen immer wieder Gewalt in all ihrer Grausamkeit und mit all ihren Auswüchsen thematisiert. Er war es, der Gewaltexzesse in Zeitlupe durchexerzierte und so der Brutalität völlig neue Aspekte abgewann. Peckinpahs bekanntester Film ist bis heute The Wild Bunch, sein erfolgreichster wohl die Auftragsarbeit Convoy. Ein Kris Kristofferson-Vehikel, wie es im Buche steht (und ganz nebenbei dem Rezensenten seinen ersten Blick auf unverhüllte Brüste bescherte). Doch Convoy war überhaupt kein typischer Peckinpah. Zu kommerziell, zu unkritisch, zu wenig Gewalt – ganz im Gegensatz zu Straw Dogs.
Das junge Ehepaar David und Amy Sumner (ein grandioser Dustin Hoffman, eine phantastische Susan George) zieht in die Nähe eines kleinen Ortes in England. Da David Amerikaner ist, wird er argwöhnisch von den Dörflern beobachtet, während Amy, die schon einmal dort war, bereits mit einem der ortsansässigen Männer - einem gewissen Tom - eine Affäre hatte. Das ihnen ein Außenseiter eines der hübschesten Mädels weggeschnappt hat, ist nur einer der Gründe, warum David Feindseligkeit und Missgunst entgegenschlägt. Anfängliche Hänseleien ignoriert der schüchterne David. Selbst als die von Amy geliebte Katze aufgehängt wird, reagiert David immer noch nicht. Schließlich laden ihn die Männer um Tom zu einem Jagdausflug ein. Dieser ist jedoch nur ein Vorwand, um David in der Wildnis zurück zu lassen und der schutzlosen Amy einen Besuch abzustatten. Die hilflose Frau wird von Tom und einem anderen Mann brutal vergewaltigt. Noch immer will David es nicht wahr haben. Erst als der Dorftrottel von den Männern gelyncht werden soll, erwacht in David der Kampfgeist. Verschanzt in ihrem Haus, müssen sich David und Amy gegen die Dorfgemeinschaft erwehren. Und Gleiches mit Gleichem vergelten.

Gewalt erzeugt Gegengewalt – das ist die Aussage von Straw Dogs. Basierend auf einem Roman von Gordon Williams erzählen Peckinpah und sein Co-Autor David Zelag Goodman vom Kampf David gegen Goliath. Eine Studie über Gewalt und zu was Menschen fähig sind, wenn sie in die Ecke getrieben werden. Was Straw Dogs seinerzeit so umstritten machte und ihn lange nur in einer geschnittenen Fassung erhältlich sein lies, ist die Vergewaltigung Amys. Provoziert sie die Vergewaltigung? Wehrt sie sich nicht etwas arg halbherzig? Genießt sie sie etwa? Sam Peckinpah inszeniert äußerst sensibel und doppeldeutig, lässt viel Interpretationsraum. Natürlich ist der Film mit seinen über 35 Jahren in mancher Hinsicht etwas altbacken, doch im Allgemeinen kann Kameramann John Coquillon (Wuthering Hights, Steiner – Das eiserne Kreuz) mit phantastisch durchkomponierten Bildern überzeugen. Und wenn zum Ende hin der englische Nebel aufzieht, verschwören sich sogar die Naturgewalten gegen David.

Straw Dogs

Sam Peckinpah, an Hollywood und Schnaps zugrunde gegangen, hat in seinen Filmen immer wieder Gewalt in all ihrer Grausamkeit und mit all ihren Auswüchsen thematisiert.
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