Stockholm

Stockholm

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

Originelles Kammerspiel

Zwei junge Menschen treffen aufeinander: Er will sie, sie zögert. Dann lernen sie sich kennen, er begeistert sie, und die beiden lassen sich aufeinander ein. Am nächsten Morgen sieht die Welt dann ganz anders aus: Sie will bei ihm bleiben, er will seine Ruhe. Und noch einmal fängt das Spiel von vorne an - doch dieses Mal ist es nicht das lustvolle Spiel vom Vorabend, sondern trister Ernst und verzweifeltes Verhandeln. Mit Stockholm hat der Spanier Rodrigo Sorogoyen einen Film gedreht, der wie zwei Filme wirkt, die sich in Gattung, Stil und Stimmung gegenüberstehen und doch nicht voneinander zu trennen sind.
Der junge Mann (Javier Pereira) geht auf eine Party und entdeckt dort ein Mädchen (Aura Garrido), das ihn sofort fasziniert. Er spricht sie an, doch sie lässt ihn abblitzen. Er ist hartnäckig und versucht es immer wieder. Und gewinnt sie am Ende tatsächlich für sich mit seiner charmanten, witzigen Art. Sie geht mit ihm nach Hause, sie geht mit in die Wohnung und schließlich auch - obwohl sie immer wieder darauf beharrt hat, dass sie nicht mit ihm schlafen will - ins Bett. Er hat sie herumgekriegt.

Der nächste Morgen könnte so schön sein, ihre leicht unsichere euphorische Stimmung offenbart ihre Freude über die vergangene Nacht und die Vorfreude auf den Mann, der sie verführt hat. Der aber war schon unter der Dusche, hat gefrühstückt und ist auf dem Weg nach draußen. Er geht auf Distanz, ist in Eile, schaut sie nicht recht an und drängt sie zum Gehen. Sie versteht die Welt nicht mehr und - trotzt.

Stockholm erinnert in seinem ersten Teil an Filme wie Before Sunrise: Zwei sich fremde Menschen spazieren durch eine Stadt und lernen sich in unterschiedlichen Gesprächen immer besser kennen. Die Nacht, das Unbekannte und eine sich anbahnende Liebesgeschichte tragen die Stimmung. Und dann wird diese im zweiten Teil radikal zunichte gemacht: Atmosphäre, Gesprächston, die Mimik der Figuren ist eine völlig andere. Was in der Nacht im Dunkeln noch so mysteriös und prickelnd war, wird nun vom Morgenlicht durchflutet, ein Verstecken ist nicht mehr möglich, die Wohnung hat nicht mehr den Charme des Düster-Verführerischen, sondern wirkt klinisch rein in ihrer peniblen Aufgeräumtheit und dem fast blendenden Weiß. Was versprach, eine romantische Liebesgeschichte zu werden, endet im Tragischen.

Sorogoyens Film ist erfrischend, was besonders am Spiel der beiden Hauptdarsteller liegt. Für seine beeindruckende Darstellung hat Javier Pereira den spanischen Filmpreis Goya für den Besten Nachwuchsdarsteller erhalten, und auch Aura Garrido wurde in Malaga für ihr Schauspiel ausgezeichnet. So erweist sich Stockholm als intensiv gespieltes Kammerspiel: Jede Regung, jeder Gedanke wird im Spiel von Pereira und Garrido sichtbar. Vor allem aber ist Stockholm ein Film voller überraschender Wendungen und Unvorhersehbarkeiten, ein überraschender Kinogenuss, den man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn man konventionelle Liebesgeschichten satt hat.

Der Film war ein Crowdfunding-Projekt befreundeter Filmschaffender und wurde in nur 13 Tagen gedreht. Das Filmteam arbeitete unentgeltlich, aber mit umso mehr Leidenschaft, die man dem Film anmerkt. Der Film, der den Publikumspreis auf dem 3. Spanischen Filmfest in Berlin erhalten hat, kommt im spanischen Original mit deutschen Untertiteln in die deutschen Kinos.

Stockholm

Zwei junge Menschen treffen aufeinander: Er will sie, sie zögert. Dann lernen sie sich kennen, er begeistert sie, und die beiden lassen sich aufeinander ein. Am nächsten Morgen sieht die Welt dann ganz anders aus: Sie will bei ihm bleiben, er will seine Ruhe. Und noch einmal fängt das Spiel von vorne an - doch dieses Mal ist es nicht das lustvolle Spiel vom Vorabend, sondern trister Ernst und verzweifeltes Verhandeln.
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