Stadtlandliebe (2016)

Stadtlandliebe (2016)

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Großstadtpaar (ver-)sucht Landleben

Der neue Film von Regisseur Marco Kreuzpaintner (Krabat) verknüpft eine Beziehungskrise auf komödiantische Weise mit der trendigen Sehnsucht nach dem Landleben. Wie so viele gestresste Großstädter finden auch die Berliner Klinikchirurgin Anna (Jessica Schwarz) und ihr Lebensgefährte, der Werbetexter Sam (Tom Beck), dass sie die Arbeit auffrisst und von den wirklich wichtigen Dingen im Leben abschneidet. Wie schön wäre es doch, gesundes Gemüse selbst anzubauen und für die ökologische Gesinnung eine naturnahe Umgebung mit zwitschernden Vögeln und den kleinen Plausch am Gartenzaun zu schaffen! Anna hegt im Hinterkopf auch noch den Traum vom Kinderglück und überredet Sam, mit ihr nach Kloppendorf zu ziehen, in ein altes Fachwerkhaus.

Doch Sam bekommt es dort rasch mit der Angst zu tun. Wollte er wirklich schon sesshaft werden? Die Beziehungskrise erhält weitere Nahrung, weil Kloppendorf den Erwartungen des Paars auch ziemlich wenig entspricht. Der Veganer Sam bekommt Spanferkel serviert, die Nachbarin züchtet die grunzenden Tiere, die auf das eigene Grundstück drängen, das Haus ist nicht ordentlich renoviert. Anna hat als neue Dorfärztin eine ernsthafte Konkurrenz in der übernommenen Sprechstundenhilfe, die die Patienten lieber gleich selbst behandelt. Und überall erwartet das Paar ein einheimisches Begrüßungs- und Helferkomitee, das aus der ganzen Dorfgemeinschaft besteht. Es ist zur Stelle, um zu applaudieren und zu kommentieren, sobald es privat oder gar schlüpfrig wird.

Das Landleben und die Fantasien, die ökologisch-progressive Städter darüber hegen, werden von Kreuzpaintner und seiner Drehbuchautorin Conni Lubek viel zu wenig für ein ironisches, realitätsnahes Spiel der Gegensätze genutzt. Lieber biegt die Geschichte ins Groteske ab und zugleich in seichte, bewährte Erzählmuster. Man nehme einen bindungsscheuen Mann, eine Frau, die Kinder will, und lasse ihn den Weg der Läuterung beschreiten, samt öffentlicher Liebeserklärung auf dem Dorffest ... Schnell zeigt sich der Reißbrett-Charakter dieser Komödie, die sich plumpe Witze achselzuckend gestattet, vermutlich aus dem Gedanken heraus, so den Geschmack des breiten Publikums zu bedienen. Dumm nur, wenn man dann selbst im Kinosaal zu diesem Publikum gehört und einen solchen Spiegel vorgehalten bekommt. Oder anders gesagt, warum machen Leute Komödien für Menschen, von denen sie nicht gerade viel halten?

Die Dorfgemeinschaft darf hier offenbar noch so peinlich sein, solange es auch eine mütterliche Nachbarin und sogar ein wenig aufgeschlossene Queer-Romantik gibt. Sam, der Veganer, herzt auf einmal die Nachbarschweinchen und entwirft eine Webseite für den Wurstverkauf. Seinem abrupten Gesinnungswandel steht seine muffige Grundstimmung gegenüber, die die Figur relativ unsympathisch wirken lässt. Hölzerne Dialoge und Timing-Probleme machen aber auch anderen Figuren zu schaffen, bis hin zum belehrenden finalen Voice-Over Annas. Auch ihr Stofftier kann sich gelegentliche Kommentare, nämlich Mäh-Rufe, die irgendwie aus dem Off eingespielt zu sein scheinen, nicht verkneifen.

Bukolisch muss es auf jeden Fall auf dem Land zugehen, das weiß man schon aus der Sendung Bauer sucht Frau, wo die ersten Küsse gerne inmitten von Stroh und Blütendeko getauscht werden. Hier wird es noch erotischer, aber auf enttäuschende Weise gewollt, wenn Anna im Kuhstall einen Striptease tanzt oder auf dem Dorffest statt Volkstanz lieber ein Cancan geboten wird. Übrigens hat die alte Schweinezüchterin auch einen Gatten, Horst, der im Bett liegt und irgendwann nach langer Zeit wieder aus dem Zustand geistiger Absenz erwacht. "Der Service war auch schon mal knackiger", sagt er beim Anblick seiner Frau, noch bevor er sie erkennt. Wer sich gedacht hat, auch so etwas wird schon gehen, als rustikale Würze vielleicht in einem viele Geschmäcker bedienenden Gesamtmix, ist selbst schuld. Man kann es nicht anders sagen.
 

Stadtlandliebe (2016)

Der neue Film von Regisseur Marco Kreuzpaintner ("Krabat") verknüpft eine Beziehungskrise auf komödiantische Weise mit der trendigen Sehnsucht nach dem Landleben. Wie so viele gestresste Großstädter finden auch die Berliner Klinikchirurgin Anna (Jessica Schwarz) und ihr Lebensgefährte, der Werbetexter Sam (Tom Beck), dass sie die Arbeit auffrisst und von den wirklich wichtigen Dingen im Leben abschneidet.

  • Trailer
  • Bilder

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.