Spider-Man: Far From Home (2019)

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Spidey is back – und mit ihm die humoristische Tonart seines ersten Solo-Abenteuers. Hinter der gelungenen Highschool-Komödie verbirgt sich aber noch weitaus mehr.

Spider-Man: Far From Home (2019)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Falsche News und echte Gefühle

Was bleibt nach der heroischen Rettung unserer Welt, nach der Aufopferung und dem Tod von Ikonen? Möglicherweise ein laienhaft erstelltes Video, in welchem eine digitale Bilderstrecke mit dem Whitney-Houston-Hit I Will Always Love You unterlegt wird: So, goodbye / Please, don’t cry

Dieser Einstieg bringt die erzählerische und inszenatorische Marschrichtung ganz gut auf den Punkt, die das Drehbuch-Duo Chris McKenna und Erik Sommers sowie der Regisseur Jon Watts in Spider-Man: Far from Home einschlagen, nachdem es in Avengers: Endgame zum wuchtigen und verlustreichen Abschluss der sogenannten Phase 3 im Marvel Cinematic Universe kam. Wie schon Spider-Man: Homecoming (2017), das erste Solo-Abenteuer mit dem jungen Briten Tom Holland in der Titelrolle, ist auch dessen Fortsetzung zunächst einmal ein Werk, das sich am komödiantischen Teenager-Kino der 1980er Jahre, insbesondere an den Arbeiten von John Hughes (Ferris macht blau), orientiert. Nachdem auf amüsante und durchaus kluge Weise gezeigt wird, wie das plötzliche Verschwinden der halben Weltbevölkerung sowie deren ebenso unerwartete Rückkehr nach fünf Jahren den New Yorker Highschool-Mikrokosmos geprägt haben, steht ein Schulausflug nach Europa an. Und unser Held Peter Parker hat einen Plan, der darin gipfeln soll, seinem Schwarm MJ (Zendaya) in Paris auf dem Eiffelturm seine Liebe zu offenbaren.

Einem Menschen zu sagen, was man empfindet, ist – vor allem mitten in der Pubertät – ja schon schwer genug. Wenn dann aber noch der griesgrämige S.H.I.E.L.D.-Leiter Nick Fury (Samuel L. Jackson) ständig durchklingelt und man ihn dezent zu ghosten versucht, wird der emotionale Stress natürlich noch mal deutlich heftiger. Und da haben wir ja noch gar nicht das Wassermonster erwähnt, das in Venedig – dem ersten Ziel der schulischen Reise – für Chaos sorgt. Bereits an dieser Stelle darf man eigentlich nicht allzu viel ausplaudern, um nicht fies zu spoilern. Lediglich so viel sei verraten: Im Kampf um besagtes Monster taucht ein gewisser Quentin Beck (Jake Gyllenhaal) auf, der in den Medien bald Mysterio genannt und als (weiterer, neuer) Held gefeiert wird.

Auch Peter setzt sich ein, zunächst allerdings nicht im Spider-Man-Kostüm. Wenn sich der junge Mann mit einer venezianischen Maske durch die Gassen der italienischen Lagunenstadt schwingt, ist das eine hübsche visuelle Abwechslung von den vertrauten Bildern aus der US-Metropole New York City. Im weiteren Verlauf der Handlung geht es unter anderem auch noch nach Österreich (in ein Gasthaus), in die Tschechische Republik (zum Karneval), nach Deutschland, in die Niederlande (auf ein buntes Tulpenfeld) und nach England. Das mag nach einer gehetzten Setpiece-Dramaturgie klingen, doch es gelingt dem Skript und der Regie, stets die Figuren im Blick zu behalten, statt diese nur von einem Schauplatz zum nächsten eilen zu lassen, wie man es aus etlichen tentpole pictures der vergangenen Jahre kennt. Spider-Man: Far from Home ist kein anstrengendes ADHS-Kino wie Suicide Squad (2016), sondern ein stimmiger Mix aus Humor, Coming-of-Age-Momenten und Spektakel. Dass sich ein peinlicher, missverständlicher Handy-Schnappschuss verbreiten könnte, ist hier nicht weniger eine Katastrophe als das bedrohliche Verrücktspielen der Elemente. Und zwei Hände, die sich berühren wollen, sind hier nicht weniger von Bedeutung als der nächste S.H.I.E.L.D.-Auftrag. Zu den witzigsten Einfällen dieses Films zählt überdies das überraschende und ausufernde Turteln zwischen Peters bestem Kumpel Ned (Jacob Batalon) und der braven Streberin Betty (Angourie Rice).

In der zweiten Hälfte entpuppt sich die Geschichte dann sogar noch als ziemlich hintergründig, wenn sie sich in cleverer Form mit Fake News befasst und uns die Täuschung der Massen demonstriert. „It’s so easy to fool people“, heißt es an einer Stelle – und das ist wohl erschreckend wahr. Bildsprachlich geht das Werk dabei neue, kreative Wege und erreicht in einigen Actionsequenzen eine surreale, albtraumhafte Qualität. Dass wir nach dem Einsetzen des Abspanns noch mit zwei gehörigen Twists konfrontiert werden, ist derweil irgendwie schon zur Routine geworden. Aber auch diese fügen sich perfekt in den Plot ein und machen direkt Lust auf den nächsten Einsatz des juvenilen Spinnenmannes.

Spider-Man: Far From Home (2019)

Peter Parker und seine Freunde unternehmen eine Reise nach Europa. Doch statt Erholung und Kultur zu genießen, muss Peter all seine Fähigkeiten aufbieten, um sich und seine Freunde zu beschützen.

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Meinungen
Alexandra · 07.07.2019

Super Film, überraschende Wendung, sehr gefühlvoll, einfach super

Kommentare

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