Space Station 76

Space Station 76

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Der Alltag im All ist langweilig

Es ist verdächtig, wenn ein Science-Fiction-Film mit namhafter Besetzung wie aus dem Nichts auftaucht und direkt auf dem DVD-Friedhof begraben wird. Im Zweifel für den Angeklagten, heißt es, und so erhofft man sich von Space Station 76 doch etwas. Cooles Retro-Feeling, ein paar Gags, amüsante Unterhaltung, irgendetwas. Geboten wird … rein gar nichts.
Jessica (Liv Tyler) wird auf die Space Station 76 versetzt, auf der Captain Glenn (Patrick Wilson) sich weniger um die Arbeit, als mehr um seine Gefühlswelt kümmert. Aber da geht es ihm wie allen anderen auf der Station. Jeder ist mit seinen eigenen kleinen Problemen beschäftigt: Ehebruch, Liebeleien, Langeweile, was es auf Erden gibt, tummelt sich einfach auch im All.

Space Station 76 könnte auch in einer x-beliebigen Vorstadt spielen. Nur: Der Clou soll sein, dass die Geschichte, die keine ist, auf einer Raumstation spielt. Das ist der unique selling point. Ach ja, der Look der Station – des ganzen Films – ist den 1970er Jahren nachempfunden. Auch das soll den Streifen über Normalmaß hinausheben. Allein, es tut dies nicht.

Was eine clevere, zumindest aber schön anzusehende Retro-Komödie hätte sein können, verflacht unter Jack Plotnicks uninspirierter Regie total. Das Skript gibt auch nichts her, beinhaltet es doch nicht mal den Hauch einer Geschichte. Stattdessen geriert es sich als eine Aneinanderreihung irrelevanter und zusammenhangloser Szenen, in denen 08/15-Menscheleien zur großen Kunst erhoben werden sollen. Aber die Figuren bleiben blass, die persönlichen Geschichten völlig uninteressant und die Erzählstruktur so blutleer und undramatisch, dass man sich des gepflegten Gähnens nicht erwehren kann.

Der Look des Films ist dabei noch das Beste. Space Station 76 sieht wirklich aus wie ein Film, der in den 1970er Jahren produziert worden ist. Bei den Details hat man sich wirklich Mühe gegeben, sogar die zaghaft eingesetzten Effekte wirken wie echte Modellarbeit, auch wenn sie digital sind. Angesichts der Ressourcen, die hier aufgewandt wurden, und der Schar an namhaften Mimen hätte weit, weit mehr drin sein müssen als das, was Space Station 76 letzten Endes darstellt.

Ursprünglich war die Geschichte ein Bühnenstück, der avantgardistische Ansatz mag dort aber auch besser aufgehoben gewesen sein. In filmischer Umsetzung wirkt er wie gekonnt und nicht gewollt. Zu lachen gibt es nichts. Kann man ein grausameres Urteil über eine Komödie aussprechen?

Space Station 76 ist verschwendetes Potenzial. Ein Film, der so viel mehr hätte sein können, und stattdessen nichts ist. Wenn Jack Plotnick die Langeweile so manches 1970er-Sci-Fi-Unsinns emulieren wollte, dann ist ihm das gelungen. Nur: Warum sollte man sich freiwillig einer solchen Schlaftablette aussetzen?

Space Station 76

Es ist verdächtig, wenn ein Science-Fiction-Film mit namhafter Besetzung wie aus dem Nichts auftaucht und direkt auf dem DVD-Friedhof begraben wird. Im Zweifel für den Angeklagten, heißt es, und so erhofft man sich von „Space Station 76“ doch etwas. Cooles Retro-Feeling, ein paar Gags, amüsante Unterhaltung, irgendetwas. Geboten wird … rein gar nichts.
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