Sophiiiie!

Sophiiiie!

Eine Filmkritik von Jean Lüdeke

Todessehnsucht und Schwangerschaft

Sophie (Katharina Schüttler) ist um die 20 Jahre alt, hübsch, durchtrieben und schon schwanger. Sie weiß nicht, wer der Vater des Babys ist; denn in besagter Nacht hatte sie zu viel getrunken. Ihr Freund kommt mit Sophies exzessivem Lebenswandel zurecht, er würde das Kind gern mit ihr großziehen — es ist nur so, dass Sophie liebe- und verantwortungsvolle Menschen als langweilig erachtet, während der Regisseur Michael Hofmann Sophies spätpubertär ausufernde Lebenstollwut für radikal und furchtlos ausgibt. Das scheint eine dichotomische Basis für einen Film, der von Grundsätzlichem sprechen will: davon, ob man es schafft, sich für die Verpflichtungen der Zukunft zu entscheiden oder nicht.
Sophie knallt durch in den Ausnahmezustand. Ein Abtreibungstermin steht an; weder sieht sie sich fähig, ein Kind großzuziehen, noch kann sie die Abtreibung gutheißen. Sophie ist schlicht überfordert. Sie stürzt sich ziellos in die Nacht der Großstadt und hofft auf Hilfe, Trost oder Inspiration. Doch je länger die Nacht dauert, desto schäbiger und häßlicher wird die Welt um sie herum. Sophie geht immer aufs Ganze: Egal wem sie begegnet, sie provoziert und konfrontiert, lügt und gaukelt allen was vor. Sie will nur, daß man sie wahrnimmt und auf sie reagiert. Mit der Wucht eines Meteoriten knallt sie in die typischen Männerdomänen der Großstadt, die billigen Kneipen und Bordelle.

Sophiiiie! ist die Charakterstudie einer extremen Frau, die sich von allen im Stich gelassen fühlt und in ihrer Hilflosigkeit Sinn in der Selbstzerstörung sucht. Der beim Filmfest München ausgezeichnete Film sei „wie ein markerschütternder Schrei, der unbequem nachhallt und dessen Wucht man nicht entkommt, trotz allen Sträubens“, schrieb Blickpunkt:Film, wohingegen die Süddeutsche Zeitung die „enervierende“ und „umwerfende“ Sophie, „die nicht leicht zu ertragen ist und das Publikum dennoch mitreißt“, bewundert.

Das Schöne an dem verstörenden Frauen-Portrait ist seine Ambivalez: Selten gab es so viel Diskussion um einen Debütfilm wie bei Michael Hofmann.

Sophiiiie!

Sophie (Katharina Schüttler) ist um die 20 Jahre alt, hübsch, durchtrieben und schon schwanger. Sie weiß nicht, wer der Vater des Babys ist; denn in besagter Nacht hatte sie zu viel getrunken.
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