Sohnemänner

Sohnemänner

Eine Filmkritik von Peter Gutting

Schräge Vögel, überall

Sohnemänner erzählt von der 83-jährigen Hilde (Renate Delfs) und von zwei Männern. Der eine, Edgar (Peter Franke), ist ihr Sohn. Der andere, Uwe (Marc Zwinz), ist ihr Enkel, aber irgendwie auch so etwas wie ein zweiter Sohn. Denn in der Familie ist manches schief gelaufen. Das lasten Oma und Enkel vor allem Edgar an. Der macht mit seinen 65 Lenzen noch immer auf jugendlich, fährt Motorrad und hat eine deutlich jüngere, alternativ angehauchte Freundin. Kurzum, Edgar hat seinen Selbstfindungstrip, der ihn daran hinderte, die Vaterrolle zu übernehmen, keineswegs beendet. Als Hilde in ein Pflegeheim muss, flammen die alten Konflikte wieder auf. Uwe glaubt, dass sein Vater die alte Dame in der Hamburger Einrichtung versauern lässt. Kurzerhand entführt er sie zu sich in den Schwarzwald.
Nicht nur Edgar, sondern auch Hilde und Uwe sind „schräge Vögel“, wie Uwes Lebenspartner einmal bemerkt. Eigentlich stammt das komplette Personal des Films aus dem Typenarsenal des heiteren Fachs. Die Charaktere sind sanfte Karikaturen, eigensinnig, versponnen und wenn es sein muss auch ein wenig schrill. Keiner kommt mit den anderen klar, weil jeder viel zu viel mit sich selbst zu tun hat. Uwes Lebenspartner Johann ist von der Parkinsonschen Krankheit gezeichnet, Edgars Freundin Melanie fühlt sich der Weltrevolution verpflichtet und die störrischen Senioren können den Aufbewahrungsanstalten nur Fluchtgedanken abgewinnen.

Regisseur Ingo Haeb ist Spezialist für Themen, die man eigentlich nicht auf der Leinwand sehen will, wenn man sich ein paar schöne Stunden machen will. In seinem Spielfilmdebüt Neandertal (gemeinsam mit Co-Regisseur Jan-Christoph Glaser) ging es um Neurodermitis. Nun zeigt er, was es bedeutet, in ein Pflegeheim zu müssen. Aber Haeb ist zugleich darauf abonniert, solch schwere Kost unterhaltsam anzurichten – als Komödie mit einer guten Portion Realismus.

Weil jeder mit jedem im Clinch liegt, ist natürlich für Situationskomik gesorgt. Die bewirkt, dass die ernsteren Themen zu ihrem Recht kommen können, ohne die Stimmung zu verderben. Von den potenziellen Launeverderbern gibt es eine Menge: die Probleme eines homosexuellen Paares, das gedankenlose Abschieben alter Menschen, die Verdrängung von Krankheit und körperlichem Verfall und nicht zuletzt den Vater-Sohn-Konflikt. Dadurch wirkt die Handlung an manchen Stellen überladen, insbesondere wenn die ernsten Themen sich ballen und das Gleichgewicht zwischen Komödie und Drama zu kippen droht.

Dennoch zählt es zu den Pluspunkten von Sohnemänner, dass er zeigt, wie Menschen in verschiedenen Lebensabschnitten mit der unausweichlichen Tatsache des Alterns umgehen. Und damit, dass in einer mehr und mehr individualisierten Gesellschaft fast allen Menschen ein Schicksal droht wie das von Hilde. Nämlich nur noch lästig zu sein, hinderlich für die Lebenswünsche und Bedürfnisse der Jüngeren, ein Spielball für deren Egoismen und Neurosen. Damit möchte man sich eigentlich nicht beschäftigen. Und tut es, quasi abgelenkt von der turbulenten Oberfläche, doch.

Sohnemänner

„Sohnemänner“ erzählt von der 83-jährigen Hilde (Renate Delfs) und von zwei Männern. Der eine, Edgar (Peter Franke), ist ihr Sohn. Der andere, Uwe (Marc Zwinz), ist ihr Enkel, aber irgendwie auch so etwas wie ein zweiter Sohn. Denn in der Familie ist manches schief gelaufen. Das lasten Oma und Enkel vor allem Edgar an. Der macht mit seinen 65 Lenzen noch immer auf jugendlich, fährt Motorrad und hat eine deutlich jüngere, alternativ angehauchte Freundin.
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