Society (BluRay)

Society (BluRay)

Eine Filmkritik von Stefan Dabrock

Allegorie der Klassen

Neben gelungenen Filmen wie den beiden „Re-Animator“-Fortsetzungen Bride of Re-Animator (USA, 1990) und Beyond Re-Animator (Spanien, 2003) hat Brian Yuzna auch so schwache Genre-Beiträge wie Rottweiler (Spanien 2004) inszeniert. Sein Erstlingswerk Society aber überstrahlt das restliche Schaffen des amerikanischen Regisseurs, weil es Splatter und politische Agitation zu einer dichten Erzählung zusammenfügt.
Der pubertierende Bill (Billy Warlock) aus Beverly Hills hat das Gefühl, sich von seinen Eltern sowie seiner Schwester immer weiter zu entfremden. Deswegen befindet sich der Junge in psychiatrischer Behandlung. Die Menschen in seiner Umgebung sind nur darauf bedacht, dem gehobenen sozialen Status entsprechende Erfolge zu feiern, die darin zum Ausdruck kommen, dass sie auf die richtigen Partys eingeladen werden, wo sie dann mit der passenden Hochnäsigkeit agieren können. Bill aber will nur ein vergleichsweise normales Teenagerleben führen. Während er versucht, eine echte Beziehung zu seiner Cheerleaderfreundin Shauna (Heidi Kozak) aufzubauen, stellt sich heraus, dass sie nur daran interessiert ist, in den richtigen Kreisen zu verkehren. Als ihm ein geschasster Freund seiner Schwester eine Tonbandaufnahme mit seltsamen Gesprächen und Geräuschen seiner Eltern sowie seiner Schwester vorspielt, dämmert Billy langsam, dass an seiner Entfremdungsangst mehr dran sein könnte als bislang gedacht.

Brian Yuzna inszeniert Bills zunehmenden Albtraum als schlüssig ineinandergreifendes Mosaiksteinbild, bei dem das Grauen mehr und mehr sichtbar wird. Yuzna untermauert die anfänglich etwas überreizte Wahrnehmung des Jungen durch immer neue, höchst merkwürdige Ereignisse, bis das Unglaubliche Gewissheit geworden ist. Bills oberflächliche, dauergrinsende Eltern, die angesichts des Todes eines ehemaligen Freundes von Bills Schwester nur ein gekünstelt-aufgesetztes Bedauern heucheln, besitzen wie auch die meisten übrigen Figuren innerhalb des Films eine so unsympathische Kälte, dass die Identifikation mit Bill trotz seiner Schwächen leicht fällt. Stellvertretend für den Zuschauer legt Bill die Ereignisse hinter der glitzernden Fassade offen, die sich schließlich in einer derben Bebilderung der These ihren Raum brechen, dass die Reichen davon leben, die Armen auszusaugen.

Hier nutzt Yuzna Screaming Mad Georges Effektfähigkeiten, um das Grauen in absolut groteske, übersteigerte Bilder zu gießen. Deren Monstrosität überhöht einerseits die Befürchtungen Bills zu gigantischen Schreckensszenarien, andererseits strahlen sie eine so starke satirische Note aus, dass das Gebaren der Reichen der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Yuzna gönnt seinen Antagonisten nicht den Triumph, ihre Niedertracht mit dämonischer Überlegenheit auszukosten. Er greift Auswüchse in der gesellschaftlichen Schicht der oberen Zehntausend mit inhaltlicher Schärfe an, indem er die Gründe für ihren Wohlstand grimmig zuspitzt, und er demontiert sie auch formal, indem er ihre Überlegenheit satirisch zusammenkrachen lässt.

Dadurch entfaltet seine derb formulierte soziale Anklage eine beißende Schärfe, die bis zum Finale präsent bleibt. Denn ausgerechnet in der Position ihres größten, mit überheblichem Lachen ausgekosteten Erfolgs, werden die Reichen besonders angreifbar. Im Verbund mit einer klassenübergreifenden Liebesgeschichte gelingt es Yuzna dann sogar noch, einen utopischen Hoffnungsschimmer in das saftige Aussaugszenario zu pflanzen.

Society (BluRay)

Neben gelungenen Filmen wie den beiden „Re-Animator“-Fortsetzungen „Bride of Re-Animator“ (USA, 1990) und „Beyond Re-Animator“ (Spanien, 2003) hat Brian Yuzna auch so schwache Genre-Beiträge wie „Rottweiler“ (Spanien, 2004) inszeniert. Sein Erstlingswerk „Society“ aber überstrahlt das restliche Schaffen des amerikanischen Regisseurs, weil es Splatter und politische Agitation zu einer dichten Erzählung zusammenfügt.
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