Snorri & der Baby-Schwimmclub (2019)

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Wasser-Extremsport für Babys? Ja, das gibt es, nämlich in Island, wo Schwimmtrainer Snorri Magnusson Babys wie Torpedos durchs Wasser flitzen lässt – ein ansteckender Spaß!

Snorri & der Baby-Schwimmclub (2019)

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Säuglinge, die fröhlich ins Wasser plumpsen

Babys können eine ganze Menge, bevor sie laufen lernen. Zum Beispiel haben sie in jenem Alter noch den Instinkt, unter Wasser die Luft anzuhalten und Schwimmbewegungen zu machen, weshalb manche Eltern mit ihren Säuglingen gern zum Babyschwimmen gehen. Aber was der isländische Baby-Schwimmtrainer Snorri Magnusson mit den Kleinen anstellt, geht wohl weit über das hinaus, was ihre Eltern und das Filmpublikum erwartet haben dürften. Er taucht die Babys unter wie Torpedos und lässt sie wieder hervorschnellen wie kleine Flieger, hebt sie hoch in die Luft, so dass sie aufrecht auf seiner Handfläche stehen. Er lockt sie mit Gesten und Worten, sich vom Beckenrand ins Wasser plumpsen zu lassen. Und stets wirken die Kleinen interessiert, sind entweder mit großem Ernst bei der Sache oder brechen gar in helle Freude aus.

Die drei isländischen Regisseurinnen Elín Hansdóttir, Anna Rún Tryggvadóttir und Hanna Björk Valsdóttir porträtieren in ihrem vergnüglichen Dokumentarfilm einen Mann, der eine aktivere, sozusagen sportlichere Form des Babyschwimmens praktiziert, als in vielen anderen Ländern üblich. Snorri Magnusson trommelt sich im Becken, umringt von Eltern und Babys, auf den Bauch und gibt merkwürdige prustende Laute von sich. Dann wirft er Babys in die Luft, oder zieht sie durchs Wasser, offenbar wie es ihm spontan einfällt. Das mag auf Zuschauer*innen zunächst befremdlich wirken, doch die Babys wirken nicht überrumpelt oder erschrocken. Nie sieht man im Film einen Säugling im Schwimmkurs weinen.

Selbst den renommierten wissenschaftlichen Kinderpsychologen und Psychobiologen Colwyn Trevarthen, der viel über Babys geforscht hat, kann Snorri noch verblüffen: Er habe nicht gewusst, dass Babys mit vier Monaten stehen können, sagt er im Film. Auf Snorris Handfläche tun Babys das, hoch in der Luft. Das ist kein Zirkuskunststück, wie der Schwimmtrainer erklärt, sondern beruht auf einer ständigen Kommunikation ohne Worte. Das Baby passt sich den Bewegungen Snorris an, es setzt sich ständig in Beziehung und beherrscht seinen Körper besser, als es die Klischeevorstellung will.

Snorri hat durch Beobachtung gelernt, die Körpersprache von Babys zu deuten und übernimmt sie zum Teil in seiner gestikulierenden Kommunikation. Im Film erklärt er wiederholt, dass er stets den Willen der Kleinen respektiert und sie zu nichts drängt, was sie nicht mögen. Snorri veranstaltet seit 1990 Babyschwimmen, aber als er es in Island als junger Mann einführen wollte, stieß er zunächst auf Vorbehalte. Erst als er Zwillinge bekam, nahm er einen neuen Anlauf und dann kamen auch die ersten Eltern mit ihren Babys zu den Kursen.

Dabei hatte Snorri als Kind Angst vor dem Wasser, wie er sich erinnert. Zwei Jahre paddelte er als Schulkind im Schwimmunterricht nur mit den Füßen am Boden herum, ohne dass sein Lehrer ihn unter Druck setzte. Der Lehrer war selbst ein Pionier, der in Snorris Heimatstadt Akranes dafür sorgte, dass die junge Generation schwimmen lernte, und wurde Snorris großes Vorbild.

Bis weit ins vorige Jahrhundert hinein konnte auf Island kaum jemand schwimmen, selbst die Fischer nicht, die oft Opfer der Fluten wurden. Nachdem 1939 vier Männer ertranken, wurde im Fischerort Akranes das erste Schwimmbad erbaut. Manchmal erzählt Snorri solche Dinge, einmal geht er mit seinem Zwillingsbruder draußen im warmen Quellwasser baden. Auch seine Töchter kommen zu Wort, ein paar Eltern, die das Babyschwimmen besuchen, eine Psychotherapeutin. Oft kommentiert Trevarthen aus entwicklungspsychologischer Sicht, was in den Schwimmkursen passiert. Wenn er darüber spricht, wie sich Föten im Mutterleib verhalten, bekommen die Zuschauer*innen sogar davon ein paar Aufnahmen zu sehen.

Die meisten Szenen des Films aber zeigen Snorri in Aktion mit den Babys, in einem Becken, das mit seiner runden Form viel mehr Spaß verspricht als die nüchternen rechteckigen Hallenbäder. Es geht spielerisch zu, Snorri will die Eltern mit seiner eigenen Spontaneität dazu animieren, locker zu werden und sich gut zu fühlen.

Man sieht es den Gesichtern der Eltern an, wie stolz sie auf ihre Babys sind, die tauchen und überhaupt so wenig Angst vor dem Wasser haben. Das gemeinsame schöne Erlebnis stärkt die Eltern-Kind-Beziehung und fördert die frühkindliche Entwicklung, wie die beiden filmischen Experten betonen. Auch wer selbst keine Kinder hat oder mit ihnen nie beim Babyschwimmen war, wird diesen Film mögen. Denn wenn so ein kleines Wesen plötzlich in Lachen ausbricht und sich unbändig begeistert, wirkt sein Glück hochgradig ansteckend.

Snorri & der Baby-Schwimmclub (2019)

Snorri Magnusson hat 25 Jahre lang einen Schwimmkurs für Kleinkinder geleitet und dabei gezeigt, dass Kleinkinder zu mehr fähig sind, als viele glauben.

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