Sling Blade - Auf Messers Schneide

Sling Blade - Auf Messers Schneide

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Billy Bob Thorntons Spielfilmdebüt

Zu jenen markanten Filmgeschichten, die ganz von der intensiv inszenierten Figur eines skurrilen Außenseiters geprägt sind, gehört auch Sling Blade – Auf Messers Schneide von Billy Bob Thornton aus dem Jahre 1996, der diesen auf seltsame Weise berührenden Stoff nach seinem eigenen Drehbuch realisiert sowie die Hauptrolle übernommen hat. Bei einem Budget von knapp einer Million Dollar klingelten in den USA kräftig die Kinokassen, und über den kommerziellen Erfolg hinaus häuften sich die positiven Kritiken und Auszeichnungen vom Independent Spirit bis zum Academy Award, wobei neben dem schlichtweg großartig aufspielenden Billy Bob Thornton vor allem die Darstellung des jungen Schauspielers Lucas Black gewürdigt wurde, der unter anderem mit dem Young Artist Award prämiert wurde.
Auffällig durch seine geradezu stoisch-steife Haltung und seine bedächtig-schleppende, von selbstbestätigenden Lauten durchsetzte Sprache ist der unbeholfen wirkende Karl Childers (Billy Bob Thornton) eine schräge Erscheinung in der beschaulichen Kleinstadt in Arkansas, in die er nach einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt von einem Vierteljahrhundert schließlich zurückkehrt. Zwar befremdlich, doch durchaus hilfsbereit und wohlwollend begegnet man ihm dort, während allmählich durchsickert, dass Karl als offenbar vernachlässigtes und gedemütigtes Kind seine Mutter und deren Liebhaber mit einer scharfen Klinge brutal getötet hat. Der handwerklich geschickte Karl bekommt von einem Mitarbeiter der Heilanstalt einen Job in einer Werkstatt vermittelt, wo er vorübergehend auch nächtigt und verunsichert und zurückgezogen seine erste Zeit in Freiheit verbringt.

Als Karl die Bekanntschaft des jungen Frank (Lucas Black) macht, der mit seiner verwitweten Mutter Linda (Natalie Canerday) zusammenlebt und insgeheim noch stark unter dem Freitod seines Vaters leidet, ensteht eine innige Freundschaft zwischen den beiden, die von ausführlichen Gesprächen über die wichtigen Dinge des Daseins geprägt ist. Von der Sanftmütigkeit Karls berührt, der auch ihren Chef und besten Freund Vaughan (John Ritter) mit seinem geradlinigen, vereinsamten Charakter beeindruckt, quartiert Linda ihn in ihrer Garage ein, wo Karl nun mit zugewandtem Familienanschluss aufzuleben beginnt. Doch die harmonische Gemeinschaft von Frank, Linda, Karl und Vaughan, der häufig zu Besuch ist und für Frank einen fürsorglichen, väterlichen Freund darstellt, wird empfindlich durch die aufdringliche, dominante Anwesenheit von Lindas grobschlächtigem Geliebten Doyle (Dwight Yoakam) gestört, der sich bedrohlich lärmend in ihrem Haus einzunisten gedenkt und vor allem den kleinen Frank massiv einschüchtert. Besorgt beobachtet Karl diese unerfreuliche Entwicklung, der Linda wenig entgegenzusetzen hat, und als Doyle ihn schließlich unumwunden hinauswirft und er Frank und seine Mutter in Gefahr wähnt, trifft er eine drastische Entscheidung …

Mit sensiblem Gespür für die ambivalenten Abgründe von sozialen Außenseitern mit einem unwegsamen Schicksal hat Billy Bob Thornton Sling Blade – Auf Messers Schneide als in vielerlei Hinsicht gelungenes Spielfilmdebüt als Regisseur inszeniert, dessen Geschichte vor allem auch durch ihr rigoroses Ende unbequeme Nachdenklichkeiten auslöst. Feinsinnig und geruhsam sind die Figuren gezeichnet, wobei die Faszination von Karls krudem, humanistischem Charakter, für dessen Verkörperung der Schauspieler und Filmemacher einen Oscar erhielt, das Geschehen und die Stimmungen eindrucksvoll dominiert. Obwohl es sicherlich keine Neuigkeit ist, erscheint hier die Existenz des bedrohlichen Bösen in Person des brutalen Doyles als Verhinderung eines einfachen, guten Lebens der übrigen Protagonisten besonders geschickt zugespitzt als starkes Symbol für das grundsätzliche Dilemma im Umgang mit derartigen Konstellationen, deren Auflösung durch einen Gewaltakt der rechtschaffenen Friedlichen eine gefährlich berechtigt anmutende Option darstellt.

Mit biblischen Aspekten einer durch Karls Persönlichkeit transportierten, schlichten Moral gelingt es Sling Blade – Auf Messers Schneide ganz hervorragend, die verstörende Brisanz einer existenziellen Thematik anzugreifen. Auch wenn dieses desolate, anrührende und auf seine spezielle Art gereifte Wesen durchaus fähig ist, seine festen Prinzipien angesichts der lebendigen Lebenswelt zu relativieren, indem Karl beispielsweise den liebenswerten, homosexuellen Vaughan später keineswegs posthum in der Hölle verorten will, wie er es der Bibel zu entnehmen glaubt, gelingt es ihm doch letztlich nicht, aus seiner traumatischen Prägung auszubrechen. Mit einem alternativen Ende, bei dem sich möglicherweise die verhaltenen Guten gemeinsam gegen den Bösewicht erstarkt hätten, wäre Billy Bob Thornton zweifellos ein gefälligerer Film von nicht minderer Qualität gelungen, doch so märchenhaft-sanft wie dieser mitunter ausgerichtet ist, so signifikant gestaltet sich auch sein provokanter Hintergrund, der sich konsequent weigert, harmonisch zu triumphieren.

Sling Blade - Auf Messers Schneide

Zu jenen markanten Filmgeschichten, die ganz von der intensiv inszenierten Figur eines skurrilen Außenseiters geprägt sind, gehört auch „Sling Blade – Auf Messers Schneide“ von Billy Bob Thornton aus dem Jahre 1996, der diesen auf seltsame Weise berührenden Stoff nach seinem eigenen Drehbuch realisiert sowie die Hauptrolle übernommen hat.
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